Herbstforum in Osnabrück Medienkompetenz: Schüler naiv im Umgang mit der Digitalisierung?

Podiumsgespräch beim Herbstforum: Wie gehen Bildung und Arbeit 4.0 zusammen? Foto: Swaantje HehmannPodiumsgespräch beim Herbstforum: Wie gehen Bildung und Arbeit 4.0 zusammen? Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Digital Naives statt Digital Natives? Die Medienkompetenz von Schülern wurde beim Herbstforum in Osnabrück zum Thema Digitalisierung von Bildung und Arbeit infrage gestellt.

Was braucht es an Fähigkeiten in der digitalisierten Arbeitswelt, fragte Moderator Tobias Lohmann vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW). „Ich brauche einen vernetzt denkenden Mitarbeiter, der auf der Basis eines umfassenden Wissens über die Abläufe seine Entscheidungen trifft“, antwortete Ulrich Clasemann. Der Geschäftsführer von Honeywell/Elster ergänzte: Dazu brauche es hohe kommunikative Anforderungen.

Digital Naives

Ob darauf etwa Schulen heute schon eingestellt sind, beantwortete Bersenbrücks BBS-Schulleiter Thomas Kohne. Derzeit habe man es von Schülerseite her nicht so sehr mit den viel zitierten Digital Natives, sondern eher noch mit "Digital Naives" zu tun. Seine Schule bereite sich dank Hard- und Software-Sponsoring durch Unternehmen auf den als rasant erlebten Wandel so gut wie möglich vor.

Gleichwohl: Technische Geräte seien nicht das Nonplusultra, um Schritt zu halten, stellte sich im Podiumsgespräch und durch Äußerungen mancher Forumsbesucher heraus. Wichtig ist, wo etwas zu finden ist, sagte Schulleiter Kohne. „Es kommt auch darauf an zu wissen, wo etwas gespeichert wird, woran erkenne ich, wer noch auf Clouds zugreift.“

Lehrer schulen

Josephine Hofmann (Fraunhofer-Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation) plädierte, statt massenhafter Ausbringung von Geräten, „die Bedienkompetenz der Lehrkörper“ zu fördern.

Immer noch aber bleibt die Fachlichkeit das Entscheidende, um die Transformation zu bewältigen, meinte Hans-Peter Klös vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. „Berufsschulen sind deshalb die Kompetenzzentren, weil sie genau an dieser Schnittstelle sind.“

Warum scheitern Digitalisierungsstrategien?

Stichwort Umsetzung: Warum gibt es aber noch immer Hemmnisse bei der Umsetzung von Digitalpakten und -strategien? Applaus war zu hören für die Sicht von Klös, der in Finanzierungsfragen zwischen Bund und Ländern „Grenzbereiche der Rationalität“ ausmachte. Deutlicher formulierte es ein Forumsbesucher: „Warum wird in Deutschland so wenig für Bildung ausgegeben?“

Einen weiteren Hemmschuh der schleppenden Digitalisierung in Schule machte wieder Klös aus. Schulen seien im Kern mittelständische Unternehmen, aber sie bekämen keine Autonomie, es wirtschaftlich und zum Wohl des Ganzen zu führen. 

Moderator Tobias Lohmann fasste zusammen: „Das Anlagevermögen der Zukunft liegt zwischen den Ohren und nicht in Tablets.“

Das Herbstforum organisierten der Industrielle Arbeitgeberverband Osnabrück, Niedersachsen-Metall, die VME-Stiftung und das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft.


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