Egerland-Stiftung gibt 227.000 Euro Kinder für Kultur gewinnen: Großes Geld für kleine Kunstprojekte in Osnabrück

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Zum Abheben: Viertklässler der Altstädter Grundschule in der Kunsthalle Osnabrück. Sie nehmen am Projekt "Schüler für Schüler" teil. Foto: Thomas OsterfeldZum Abheben: Viertklässler der Altstädter Grundschule in der Kunsthalle Osnabrück. Sie nehmen am Projekt "Schüler für Schüler" teil. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Um Kindern aus eher kunstfernen Elternhäusern Möglichkeiten zu künstlerischer Selbstentfaltung zu öffnen, unterstützt die Felicitas und Werner Egerland Stiftung mehrere Kultureinrichtungen in Osnabrück mit insgesamt 227000 Euro. Für eines der Projekte kooperieren dabei erstmals Egerland Stiftung und die Bürgerstiftung Osnabrück.

Künstlerische Selbstentfaltung kann manchmal ziemlich banal anfangen. Daher lädt Christel Schulte, Kuratorin für Publikumsbeteiligung und Lernen an der Kunsthalle Osnabrück, in einen kleinen Raum ihrer Einrichtung, in dem es schon ziemlich voll ist. Zwei Klassen der Altstädter Grundschule haben ihn schließlich in Beschlag genommen und weisen nun die Besucher an, besser auf den im Raum verteilten Hockern Platz zu nehmen. Die hölzernen Bänke an, die an den Wänden stehen, knatschen und knacken nämlich einfach zu sehr, wenn sich wer darauf setzt. 

Von irgendwoher ein Stampfen

"Wir haben für jeden Schüler einen Ton gefunden", erklärt Manila Bartnik, die als freischaffende Künstlerin mit den Schülern in diesem Jahr zwei Stunden pro Woche in der Kunsthalle arbeitet. Dann heißt es: Augen schließen, ruhig sein. Aus der Stille tauchen erste Geräusche auf. Offenbar werden Hosenbeine aneinandergerieben, Hände klopfen auf Holz oder klatschen rhythmisch, von irgendwoher kommt Stampfen. Das ganze vermengt sich zu einem ziemlich konfusen, aber doch geschlossenen Klangteppich und als seine Töne abgeklungen sind und die Augen wieder geöffnet, ist die Schülergruppe ein bisschen erleichtert. Immerhin hat sie gerade ihr erstes Konzert absolviert. 

Dass die Entdeckung der eigenen Kreativität und ihre Entfaltung wichtige Faktoren der Persönlichkeitsbildung sind, ist eine Prämisse, von der ausgehend die Kunsthalle Projekte für Kinder und Jugendliche initiiert. In den nächsten drei Jahren möchte ein Team aus Kunstpädagoginnen und Künstlerinnen mit niederschwelligen Angeboten Schulklassen diese Erfahrung vermitteln, "Schüler für Schüler" lautet der Name des entsprechenden Programms.. Die finanziellen Möglichkeiten dazu schafft die Egerland-Stiftung, die das Projekt mit 69.000 Euro fördert. "Wir freuen uns sehr darüber, weil diese Unterstützung uns ermöglicht, langfristig zu planen und an nachhaltigen Konzepten zu arbeiten", erläutert Christel Schulte den Stellenwert der Kooperation. 

Bewerbung steht allen offen

"Schüler für Schüler" findet dabei im Rahmen des regulären Schulunterrichtes statt, den die Projektklassen gemeinsam mit dem Team um Schulte bestreiten und dabei Zugänge zu verschiedensten Varianten von Kunst erlangen sollen - sei es nun musikalisch, darstellend oder konzeptionell. Am Ende des Schuljahres sollen dabei auch Ergebnisse stehen, die die Projektklassen den Mitschülern des nachfolgenden Jahrgangs vorstellen sollen. Mit dem folgenden Schuljahr wird das Projekt dann mit anderen Klassen weitergehen - die Bewerbung steht grundsätzlich allen Schulen offen, erklärt Schulte.

Aus Sicht der Egerland-Stiftung entspricht die Ausrichtung von "Schüler für Schüler" einem wesentlichen ihrer wesentlichen Förderkriterien, erläutert Vorsitzende Hildegard Oevermann. "Eines unser Ziele ist es, begabte junge Menschen im Bereich Kunst und Kultur zu stärken, gerade dann, wenn sie nicht aus kunstaffinen Elternhäusern stammen."

Konkurrenz zu anderen Angeboten

Das gleiche Ziel verfolgt die Egerland-Stiftung aktuell und Kooperation mit der Bürgerstiftung Osnabrück auch im Projekt "K3". Auch hier stammen die Mittel in Höhe von 158000 von der Egerland-Stiftung, während die Bürgerstiftung ihr Netzwerk in die städtische Kunstszene zur Verfügung steckte. Anders als "Schüler für Schüler" ist "K3" nicht am Schulunterricht angedockt, sondern versucht, Kinder an Orten wie dem Stadtteiltreff Haste anzusprechen oder in das Kunsthaus Hase 29 zu lotsen und dort für Möglichkeiten des kreativen Arbeitens zu begeistern. "Wir stehen dabei in Konkurrenz zu anderen Angeboten und müssen Kinder für unsere Projekte zunächst begeistern. Die Teams leisten aber eine ziemlich gute Ansprache", erläutert Elisabeth Lumme aus dem Vorstand der Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück, die für das Hase 29 verantwortlich zeichnet. 

Schwerpunkte von K3 sind dabei besonders integratives und inklusives Arbeiten. Die Theaterpädagogische Werkstatt und das Sozialpädriatische Zentrum etwa haben gemeinsam ein Theaterprojekt für Kinder mit Handicap ins Leben gerufen. Im Werkraum+ der Künstlerin Nele Jamin versuchen sich Kinder und Jugendliche an verschiedensten Werkstoffen und Formen bildender Kunst. Im Jugendzentrum Westwerk begleitet der Osnabrücker Musiker Heaven eine Gruppe bei ihren ersten musikalischen Gehversuchen. Auch die K3_Projekte sind zunächst auf drei Jahre angelegt, insgesamt beinhaltet das Programm sieben Angebote für Gruppen von sechs bis zwölf Teilnehmern. 


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