Unabhängiger will Landrat werden Kreis Osnabrück: Bürgerinitiativen-Sprecher fordert Lübbersmann heraus

Der Sprecher der Bürgerinitiative „Keine 380-kV-Leitung am Teuto“, Frank Vornholt, will Landrat werden und fordert Michael Lübbersmann (CDU) heraus. Foto: Archiv/Conny RutschDer Sprecher der Bürgerinitiative „Keine 380-kV-Leitung am Teuto“, Frank Vornholt, will Landrat werden und fordert Michael Lübbersmann (CDU) heraus. Foto: Archiv/Conny Rutsch

Osnabrück. Der unabhängige Kandidat Frank Vornholt fordert Landrat Michael Lübbersmann (CDU) heraus. Bislang ist der Meller als Sprecher der Bürgerinitiative „Keine 380-kV-Leitung am Teuto“ bekannt. Der 46-Jährige beschreibt, warum er sich gute Chancen im anstehenden Wahlkampf ausrechnet und warum er die politische Unabhängigkeit als Stärke betrachtet

Die Arbeit der Bürgerinitiative habe dazu beigetragen, dass die Stromtrasse 16 von Bad Essen-Wehrendorf über Osnabrück-Lüstringen bis hinunter nach Gütersloh in das Energieleitungsausbaugesetz aufgenommen wurde. Damit sei die rechtliche Voraussetzung geschaffen worden, eine Erdverkabelung zu ermöglichen - was vorher kaum jemand für möglich gehalten habe. „Das zeigt, dass ich auch bei schwierigen Themen etwas bewegen kann“, sagt Vornholt. Zwar hat Amprion bislang erst einen vier Kilometer langen Erdkabelabschnitt zwischen Osnabrück-Lüstringen und Osnabrück-Voxtrup vorgesehen, doch Vornholt zeigt sich überzeugt, dass sich das in Bereichen wie etwa Melle-Wellingholzhausen noch ändern wird, weil Amprion den Auftrag des Gesetzgebers zur ergebnisoffenen Prüfung einer Erdverkabelung auf der gesamten Strecke nicht einmal ansatzweise umgesetzt habe. Der Polizeidirektor Vornholt erkennt zurzeit eine Politikverdrossenheit der Bürger und will genau an diesem Punkt ansetzen: „Die Bürger sollen wieder das Gefühl haben, dass die Probleme vor Ort angegangen werden.“ Er glaubt daher, „dass die Chance für einen Unabhängigen gekommen ist“.

30 Jahre bei der Bundespolizei

Seit 30 Jahren arbeitet Vornholt bei der Bundespolizei. Dort habe er von der Pike auf gelernt, wie man Probleme löst. Dabei sieht er als Vorteil, dass er nicht in politischen Abhängigkeiten steht und sich dadurch wirklich auf die politischen Probleme konzentrieren könne. Offenbar steht er in der aktuellen Diskussion um die Kreisumlage auf der Seite der Bürgermeister, die eine Senkung der Kreisumlage um drei Prozentpunkte fordern. Er sagt: „Das Geld muss an die Basis, denn dort wissen die Menschen am besten, wie es eingesetzt werden muss. Die Gemeinden müssen finanziell wieder so gut aufgestellt werden, dass sie ihre Probleme vor Ort lösen können.“ Mehr lässt sich Vornholt inhaltlich noch nicht entlocken.

Gespräche mit 21 Bürgermeistern bis zum Jahresende

Er verspricht, dass er bis Ende des Jahres zunächst einmal alle Bürgermeister der 21 Städte, Gemeinden und Samtgemeinden im Landkreis Osnabrück spricht. „Dort werde ich mir schildern lassen, welche Probleme zu lösen sind. Im Wahlkampf werde ich mich dann auf diese Themen konzentrieren.“ Zudem sieht er noch „mehr Potenzial bei den Themen Umwelt und Klimaschutz. Da will ich Impulse setzen“, kündigt er an. Als Herausforderung sieht er, dass er an den Werktagen beruflich bedingt zumeist in Berlin und oft nur am Wochenende in Melle ist. Allerdings kündigt er an, dass er mit seinem Arbeitgeber eine Lösung finden werde. „Ich werde mir punktuell Urlaub nehmen und versuche größtmögliche Präsenz in unserer Region zeigen.“ Er benötige etwas mehr als drei Stunden für die Fahrten zum Bundesinnenministerium nach Berlin und werde für Abendveranstaltungen nach Hause kommen.

Grünen-Fraktionschef unterstützt Frank Vornholt

Als Initialzündung für seine Kandidatur beschreibt der dreifache Familienvater ein Gespräch mit dem Grünen-Kreistagsfraktionschef Rainer Kavermann. Dieser zeigt sich überzeugt, dass Vornholt mehr kann, als sich für eine Erdverkabelung der geplanten Höchstspannungsleitungen in der Region einzusetzen: „Frank Vornholt kann Verwaltung. Das hat er an der Spitze der Bundespolizeiinspektion Bad Bentheim und aktuell im Referat für internationale grenzpolizeiliche Angelegenheiten des Bundesinnenministeriums gezeigt.“ Kavermann hat „die Nase voll davon, dass die guten Ideen zurzeit politisch von der Kooperation aus CDU/FDP/CDW und SPD/UWG ausgebremst werden. Die Masse ist einfach zu träge.“ Es sei an der Zeit für einen parteiunabhängigen Kandidaten, der allen politischen Fraktionen zuhöre. „Das ist besser als ein Landrat, der politisch ist und die Themen vorgibt. Der Landrat muss sich wieder mehr auf die Verwaltung konzentrieren und offen für neue Dinge sein. Mir fehlen hier die Visionen.“ Viele wichtige Zukunftsthemen würden derzeit einfach auf der Strecke bleiben. Dabei denkt Kavermann an Wohnungsbau, Klimaschutz und die Entwicklung hin zu einer Region Osnabrück. Mit neuen Mehrheiten lasse sich wieder „Schwung in die politische Arbeit bringen. Dazu brauchen wir einen parteiunabhängigen Verwaltungschef.“ Allerdings betont Kavermann, dass Vornholt bislang nur der Kandidat ist, den er unterstützt, der aber bislang noch nicht von allen Grünen unterstützt werde. „Ich werde vorschlagen, dass wir uns hinter den unabhängigen Kandidaten Frank Vornholt stellen. Wen die Grünen dann unterstützen oder nominieren, entscheiden letztendlich die Grünen-Mitglieder zusammen.“ Kavermann hofft, dass dieser Kandidat der Grünen bis Ende des Jahres endgültig feststeht.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN