Verliebte auf der Suche Was geschieht mit den entfernten Liebesschlössern in Osnabrück?

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Udo Rietmann von der Stadt Osnabrück bewahrt die Vorhängeschlösser im Lager für den städtischen Malerbedarf auf. In der Schlachthofstraße können die aufgeknackten Liebesschlösser abgeholt werden. Foto: Michael GründelUdo Rietmann von der Stadt Osnabrück bewahrt die Vorhängeschlösser im Lager für den städtischen Malerbedarf auf. In der Schlachthofstraße können die aufgeknackten Liebesschlösser abgeholt werden. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die Stadt Osnabrück ließ im September die Liebesschlösser an Osnabrücks Brücken abkneifen. Seitdem liegen über tausend Vorhängeschlösser abholbereit beim städtischen Mitarbeiter Udo Rietmann – allerdings nicht mehr lange.

Schon vor einem Jahr hat die Stadt Osnabrück beschlossen, die Liebeschlösser von Osnabrücks Brücken zu entfernen. Den Auftrag vom Fachbereich Städtebau bekam Udo Rietmann. Eigentlich verwaltet er die Handwerksdienste. Konkret: Seine 24 Handwerker kümmern sich um die Gebäude der Stadt. Sie reparieren Fenster, malern und halten die Gebäude in Stand. In den vergangenen Wochen hatte Rietmann noch einen weiteren Job: Schlossverwalter.

Der Schlossverwalter Udo Rietmann im Vordergrund; im Hintergrund der Schlossknacker Jörg Huge. Foto: Michael Gründel

Auf zwei langen Tapeziertischen liegen in der Malerwerkstatt rund 1200 Schlösser, die noch vor wenigen Wochen an der Brücke Öwer de Hase bei Galeria Kaufhof hingen. Die anderen Schlösser bewahrt er nach Brücken sortiert in verschiedenen Eimern auf. Oben drauf liegt immer ein Zettel, damit er noch weiß, welche Schlösser zu welcher Brücke gehören.

Die Schlösser sind nach Brücken in den Eimern sortiert. Foto: Michael Gründel

Schlösser fix finden?

Jede Woche bekomme er Anrufe von Verliebten, die ihr Schloss abholen wollen. "In den Eimern kann man nicht wühlen, deshalb haben wir die Schlösser hier ausgelegt", sagt Rietmann und zeigt auf die Tapeziertische.

Das mehr oder weniger stark rostende Metall ist sehr gefragt. Seit der Veröffentlichung unseres ersten Artikels hat Rietmann jede Woche ein bis zwei Anrufe bekommen und schon 50 nach Liebe Suchende haben sich auf den Weg zu ihm gemacht. Ein Pärchen kam sogar extra aus Nordhorn.

"Direkt am Tag nach dem Erscheinen des Artikels hat mich um 8 Uhr morgens der Erste angerufen", berichtet Rietmann. Und als erstes gekommen sei eine 70-Jährige aus Osnabrück. Ihr Enkel und seine Freundin wohnen in Süddeutschland und hätten ihr das Schloss genau beschrieben – und sie hat es gefunden. Ohnehin habe bisher jeder bis auf einen älteren Herren sein Schloss wiedergefunden. "Die Leute wissen exakt wie es aussah", so Rietmann.

"Ich liebe dich so sehr! Für immer eins" steht auf einem Liebesbeweis. Foto: Michael Gründel

Ein Pärchen hat das gesuchte Liebesstück nach nur 20 Sekunden gefunden. "Das habe ich nachmittags einer anderen jungen Dame erzählt. Die ist dann rein gekommen, hat sich vor den Tisch gestellt und ihr Schloss hochgehalten. Drei Sekunden ist der Rekord", sagt der Schlossverwalter und muss lachen.

Bis Jahresende deponiert

Doch für immer werden die Liebesversprechen nicht in der Malerwerkstatt bleiben können. Die Maler seien zwar ohnehin die meiste Zeit zum Streichen an den jeweiligen Orten und nicht in der Werkstatt, aber ab und zu müssten auch hier Streicharbeiten erledigt werden. Bis Ende des Jahres will Rietmann die Schlösser noch deponieren. Danach kommen alle in Eimer oder Kisten und werden zur Seite gestellt.

Die Liebesschlösser liegen auf dem Tapeziertisch in der Malerwerkstatt. Foto: Michael Gründel

Auch wenn so manche Liebe schon rosten mag, weggeworfen werden die Metallschlösser nicht. Denn der Fachbereich Kultur plant ein Kunstwerk aus den alten nicht abgeholten Schlössern. Und eventuell auch einen Platz, an dem Verliebte neue Liebesbeweise aufhängen können.

Kunstwerk für alte und neue Schlösser?

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt hat sich Anfang des Jahres mit einer eiförmigen Konstruktion bestehend aus einem Geflecht von Edelstahlstäben beschäftigt, das an der Neuen Mühle aufgestellt werden sollte. In dem Entwurf des Künstlers Volker-Johannes Trieb sollte das alte Metall zu einer Standplatte verarbeitet werden. An dem Geflecht darüber statt an den Brücken dürfen Verliebte dann ihr Schloss verankern – und hier darf es auch hängen bleiben. Das Kunstwerk soll über Sponsoren finanziert werden.

Der Standort an der Neuen Mühle wurde aber verworfen. Aktuell sei der Fachbereich Kultur noch auf der Suche nach einem geeigneten Ort, so Patricia Mersinger aus dem Fachbereich. Der Standort solle in der Nähe eines Flusses sein, damit der Schlüssel der Tradition nach ins Wasser geworfen werden kann.

Hier können nach Liebe Suchende fündig werden. Foto: Michael Gründel

Verliebte, die ihr Schloss nicht mehr an einer der Brücken vorfinden, können sich bei Udo Rietmann unter Telefon 0541/323-4215 melden, um einen Termin zur Abholung zu vereinbaren.

Lesetipp: Das erlebte Jörg Huge, als er die Liebesschlösser für die Stadt entfernte


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