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Senat wählt Susanne Menzel Universität Osnabrück bekommt erstmals eine Präsidentin

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Schlossherrin: Susanne Menzel (42) wird neue Präsidentin der Universität Osnabrück. Das hat der Senat am Mittwoch beschlossen. Foto: Michael GründelSchlossherrin: Susanne Menzel (42) wird neue Präsidentin der Universität Osnabrück. Das hat der Senat am Mittwoch beschlossen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Sie ist die erste Frau an der Spitze der Universität Osnabrück und zugleich jüngste Hochschulpräsidentin Deutschlands: Einstimmig hat der Senat am Mittwoch die 42-jährige Susanne Menzel zur Nachfolgerin von Präsident Wolfgang Lücke gewählt. Begleitet wurde die Wahl von zaghaften Studentenprotesten.

Die bisherige Vizepräsidentin für Forschung und Nachwuchsförderung erhielt bei der Wahl im Schloss die Stimmen aller 19 Senatsmitglieder. Dem höchsten Mitbestimmungsorgan der Uni Osnabrück gehören zehn Professoren an. Jeweils drei Senatoren sind wissenschaftliche Mitarbeiter, Angestellte aus Technik und Verwaltung oder Studenten.

Amtsübergabe am 1. Oktober 2019

Die Suche nach einem neuen Präsidenten war nötig geworden, nachdem Amtsinhaber Lücke im Februar angekündigt hatte, aus persönlichen Gründen keine Wiederwahl anzustreben. Sein Posten wurde damit zum 1. Oktober 2019 frei. Eine vom Senat eingesetzte Findungskommission sprach sich anschließend nach mehrmonatigem Auswahlprozess und hochschulöffentlicher Anhörung einstimmig für Menzel als Kandidatin aus. Insgesamt gab es 13 Bewerbungen auf den bundesweit ausgeschriebenen Chefposten. 

Präsidenten der Universität Osnabrück

  1. Heinz-Dietrich Doebner, kommissarischer Rektor 1973-74 
  2. Manfred Horstmann, kommissarischer Rektor 1974-75, Rektor 1975-79, Präsident 1979-90  
  3. Rainer Künzel, Präsident 1990-2004 
  4. Claus Rollinger, Präsident 2004-13 
  5. Wolfgang Lücke, Präsident seit 2013
Bis 1979 war die Amtsbezeichnung des Leiters der Universität Osnabrück Rektor, danach Präsident.


Ernennung durch das Ministerium

Mit der Wahl der Professorin für Biologiedidaktik gelingt erstmals einer Frau der Sprung an die Spitze der 1974 gegründeten Universität Osnabrück. Zugleich ist Menzel mit 42 Jahren die jüngste aller Hochschulpräsidenten in Deutschland. Formal steht ihre Personalie allerdings noch unter Vorbehalt: Mit dem Hochschulrat muss erst ein weiteres entscheidendes Uni-Gremium zu der Wahl Stellung nehmen. Die endgültige Ernennung erfolgt durch das niedersächsische Wissenschaftsministerium für eine Amtszeit von sechs Jahren.

Studenten befürchten Fächerabbau

Begleitet wurde die Präsidentenwahl am Mittwoch von zaghaften Studentenprotesten. Uni-Asta und Teile des Studierendenrats hatten dazu aufgerufen. Sie befürchten einen Abbau der bestehenden Fächervielfalt an der Universität Osnabrück. Als mahnendes Beispiel dient ihnen die Anfang des Jahres vom Präsidium verkündete Schließung des Fachs Kunstgeschichte. "Als nächstes trifft es die Lehramtsfächer, Jura und Wirtschaftswissenschaften. Es gibt keinen Bestandsschutz mehr", heißt es sorgenvoll in einem zu Wochenbeginn verteilten Flugblatt. Während der Senatssitzung am Mittwoch rollten Studenten dann ein Transparent mit der Aufschrift "Bildungslücke" aus.

Von der Juniorprofessorin zur Präsidentin

Susanne Menzel wurde im Juni 1976 in Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein) geboren. Sie studierte von 1996 bis 2002 die Fächer Biologie, Pädagogik und Englisch an den Universitäten Münster, Dakar (Senegal) und dem College of William and Mary in Virginia (USA). Nach ihrer Promotion 2007 an der Georg-August-Universität Göttingen kam Menzel im Jahr 2008 als Juniorprofessorin nach Osnabrück und erhielt drei Jahre später nach Rufablehnungen in Gießen und Köln die Professur für Biologiedidaktik. Seit Oktober 2016 ist sie im Präsidium zuständig für Forschung und Nachwuchsförderung. Als solche wirkte sie maßgeblich am "Zukunftskonzept UOS 2020" mit: ein profilbildendes Programm, mit dem die Uni Osnabrück im Wettbewerb der Hochschulen bestehen will. Susanne Menzel ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit ihrer Familie in Münster.


Die designierte Präsidentin Menzel erklärte dazu auf Anfrage unserer Redaktion, von der Protestankündigung der Studenten "getroffen" gewesen zu sein. Zugleich verteidigte sie die von ihr damals mitgetragene Entscheidung in Sachen Kunstgeschichte. Für die Zukunft signalisierte Menzel Gesprächsbereitschaft. Ihr persönlicher Draht zu den Studenten sei "immer gut gewesen", betonte die Professorin. 

Uni stärker international ausrichten

Als verantwortliche Hochschulleiterin strebe sie unter anderem eine stärke internationale Ausrichtung der Uni Osnabrück an. Erfolge sollen sichtbarer gemacht werden, besonders auf politischer Ebene. Denn als verhältnismäßig kleine Hochschule werde die Uni Osnabrück mit ihren gut 14.000 Studenten systematisch benachteiligt, so Menzel. Darüber hinaus müsse die Uni ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und sich den Bürgern weiter öffnen. Ob Osnabrücker Campus Nacht, Wissensforum oder Friedensgespräche: "Wir wollen Wissen attraktiv machen", gab die Präsidentin in spe als Parole aus.

"Meine Laufbahn als Wissenschaftlerin bekommt durch die Präsidentschaft ganz klar einen Knick. Aber das Risiko gehe ich ein."Susanne Menzel, designierte Präsidentin der Uni Osnabrück


Bei all dem setze sie auf die Unterstützung ihrer bisherigen Vizepräsidenten-Kollegen. "Wir ergänzen uns optimal. Ich möchte sie unbedingt alle in meinem Team behalten", sagte Menzel. Mit Blick auf ihre steile Karriere als Wissenschaftlerin räumte sie ein, dass die Zeit im Präsidium "ganz klar einen Knick" bedeute. "Aber das Risiko gehe ich ein." Bleibt es bei einer Amtszeit, könne sie mit dann 49 Jahren auf ihrem Gebiet voraussichtlich wieder einsteigen. Nach einer zweiten Amtszeit, die bis Ende 2033 dauern würde, wäre das hingegen "sicher nicht mehr möglich".


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