Schönes Familienlehrstück Höllenspaß mit Happy End: Michael Endes „Wunschpunsch“ im Osnabrücker Theater

Tierischer Aufschrei gegen üble menschliche Machenschaften und Umweltsünden: David Krzysteczko als Rabe Jakob (links) und Daniele Veterale als Kater Maurizio im Theater am Domhof. Foto: Uwe LewandowskiTierischer Aufschrei gegen üble menschliche Machenschaften und Umweltsünden: David Krzysteczko als Rabe Jakob (links) und Daniele Veterale als Kater Maurizio im Theater am Domhof. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Wenn tierische Zweckfreundschaft teuflische „Menschereien“ vereitelt: „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ von Michael Ende feierte am Martinstag im Theater am Domhof eine gelungene Premiere als lehrreiches Stück für die ganze Familie.

Es blitzt, es dampft und es brodelt: Mit viel Tempo und buchstäblichen Knalleffekten rührt Regisseur Gregor Turecek im großen Haus den Theater-„Wunschpunsch“ für die Weihnachtszeit an. Dabei ist Michael Endes umweltbewegtes und -besorgtes Vermächtnis aus dem Jahr 1989 eher ein Silvestermärchen. Denn es handelt davon, dass der böse Hexer Beelzebub Irrwitzer noch kurz vor Ende der Jahresfrist sein vertragliches Soll an Umweltzerstörungen erfüllen muss, um nicht buchstäblich in Teufels Küche zu kommen. 

Es braut sich was zusammen

Da kommt es ihm gerade recht, dass seine Geld zaubernde Tante Tyrannja Vamperl ihm anbietet, dagegen doch gemeinsam ihr eigenes Süppchen zu kochen in Form des „Punsches aller Pünsche“, dessen fehlendes Rezeptteil sie besitzt und der ausschließlich in der wunschbetrunkenen Silvesternacht alle guten Wünsche in ihr Gegenteil verkehrt – allerdings nur bis zum ersten mitternächtlichen Glockenschlag. Das wiederum machen sich der schlau gestutzte Rabe Jakob Krakel und der eitle, blasierte Kater Maurizio di Mauro zunutze, die im Auftrag des „Rates der Tiere“ als Hausspione der von Viola Heeß und Soheil Emanuel Boroumand adäquat diabolisch gespielten Menschen deren bösen Plan zu durchkreuzen wissen – mit Hilfe des ordentlich heiligen Sankt Sylvester. Die beiden Oskar-Schauspieler David Krzysteczko und Daniele Veterale liefern sich als tierisches Duo eine Kissenschlacht zu beschwingter Musik, bevor am Ende ein ganz bestimmter Ton die Musik und ihre Mission Weltrettung möglich macht. 

Durch den Feind geeint

Die bösen, zerstörerischen Menschen hier, die guten, unschuldigen Tiere dort: Das ist die simple Dichotomie, mit der Endes Mahnstück seine Botschaften vermittelt. Dabei ist es nicht nur die aktueller denn je erscheinende Umweltthematik, um das sich das runde, kompakte und zweigeschossige Bühnenbild von Juliette Collas buchstäblich dreht. Der „Wunschpunsch“ ist ebenso eine Geschichte über eine Freundschaft, die entgegen aller natürlichen Differenzen Rabe und Kater zusammenschweißt, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Im Gegensatz zu den Menschen geht es ihnen dabei nicht nur darum, vom Egoismus getrieben sich selbst zu retten, sondern den gesamten Planten vor einer Umweltkatastrophe zu bewahren. 

Botschaft für den Nachhauseweg

Eine zweite Chance bekommen ihre verteufelt menschlichen Widersacher im Theater am Domhof nicht. Der von Lutz Faupel gespielte Advocatus Diaboli in Gestalt des höllischen Gerichtsvollziehers Maledictus Made führt sie ihrer gerechten Strafe zu. Und nicht nur für Kater Maurizio erfüllt sich dessen Traum, ein Sänger zu sein. Alle fünf Darsteller geben dem begeisterten Publikum noch eine gesungene Botschaft mit auf den Nachhauseweg, die im Ohr bleibt – dank Komponist Michael Barfuß, der auch die von Franzy Deutscher choreografierten Kampfszenen musikalisch passend illustrierte. Die Kämpfe haben sich gelohnt: Für ein „fürchterlich gutes“ Ende einer furchtlos guten Inszenierung, die Michael Endes „Wunschpunsch“ kinder- und familienfreundlich zubereitet.


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