Leise Kritik und lauter Klischees Paul Panzer mit Ladehemmungen in der Osnabrück-Halle

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Nur selten kämpferisch: Paul Panzer als vom Pech verfolgter „Glücksritter“ in der Osnabrück-Halle. Foto: Thomas OsterfeldNur selten kämpferisch: Paul Panzer als vom Pech verfolgter „Glücksritter“ in der Osnabrück-Halle. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Auf die Suche nach dem Glück machte sich Comedian Dieter Tappert in seiner Paraderolle als Paul Panzer im ausverkauften Europasaal der Osnabrück-Halle. Der vom Pech verfolgte „Glücksritter“ kämpfte dabei aber oft mit stumpfer Klinge.

Irgendwie wollte es nicht so recht zusammenpassen, als der kleine Anti-Held mit zerzaustem Haar, zerkratzter Brille und buntem Hemd sich vor der mächtigen Burgkulisse aus Pappmaché samt Brunnen neben sein überlebensgroßes Ebenbild stellte, um von seiner Familie zu erzählen, bei der das Glück allenfalls mal „Gast“ ist, aber niemals „für lange“. Schwer zu schaffen macht Paul Panzer nicht nur seine Frau Hilde, die ihr kleines, flüchtiges und vergängliches Glück im „Shopsing“ sucht („Haben ist besser als Brauchen“). Sondern auch deren verhasste „Mädelsabend“-Freundin Eugenia, die sie gegen ihn zu „beeinflutzten“ versucht, der „unnötige“ Sohn Bolle, der gern filmt und „seit einigen Jahren voll auf Drohne“ ist, und allen voran Tochter Susaska, die gerade in einer für ihn schwierigen „Patty“-Phase ist. Deshalb gerät er beim Abholen aus der heutzutage cool „Club“ genannten „Dikso“ auch schon mal mit „tätschowierten Schikorees“ aneinander – vor allem, wenn er den zu kurz geratenen Türsteher im „Konfirmationsanzug“ unvorsichtigerweise „Sicherheitshalber“ nennt.  

Falsch ausgesprochen glücklich

Die größten Lacher erntete Paul Panzer immer dann, wenn er sich verhaspelte oder liebenswert unbeholfen Wörter falsch aussprach. Dabei trauerte er einer Zeit hinterher, in der „Kommunikation noch Sprache hieß“ und durch das tatsächliche, nämlich fest an die Wand geschraubte „Festnetz“ dafür sorgte, dass man stets wusste, wo das Telefon ist – „und nicht umgekehrt“, klärte er nicht nur den 15-jährigen Sebastian auf. Gestrig zeigte sich Paul Panzer leider auch, als er beim wohl unvermeidlichen Comedy-Thema der Geschlechterdifferenzen zu einer Kaskade an groben Klischees ausholte: Hier der grobschlächtige Mann, dort die feinsinnige Frau. „Essen macht glücklich, solange Männer und Frauen getrennt essen“, behauptete er. Und Tochter Susaska, die sich „vom Flexitarier zum Frutarier“, der „wartet, bis der Baum den Apfel freigibt“, noch einmal „verschlechtert“ habe, riet er, doch zumindest „Crashtarier“ zu werden und ausschließlich Fleisch von Tieren zu essen, die überfahren worden sind.  

Konsumkritik und Küchenphilosophie

Zwischendurch blitzte indes auch immer wieder Tapperts ernsthaftes Bemühen auf, den Zuschauern für ihr Glück etwas mitzugeben. Dafür zitierte er Goethe („Leidenschaft geht, Liebe bleibt“) oder plädierte dafür, auch einfach einmal Nein zu sagen und weniger konsum- und besitzfixiert zu sein. Denn nein, mit Geld habe Glück nichts zu tun und den Hinweis auf die Sucht, unabhängig davon, ob man es braucht oder nicht, etwas haben zu wollen, nur weil es „im Angebot“ ist, konnte man wohlwollend schon fast als leise Kapitalismuskritik interpretieren. Mit einer Zugabe an der Gitarre samt improvisierten Liedtexten in zugerufenem Fantasie-Englisch, -Französisch und -Niederländisch demonstrierte Paul Panzer, dass auch Musik glücklich machen kann – selbst, wenn man sie nicht richtig spielen kann und sie traurig ist. All das wird die Glücksforschung zwar nicht gerade über die bekannten küchenphilosophischen Allgemeinplätze hinaus vorantreiben. Aber darum geht es bei Comedy ja auch nicht. Und Spaß gemacht und gleichzeitig sogar ein wenig zum Nachdenken angeregt hat der verhinderte „Glücksritter“ allemal.


Zusatztermin

Wegen der großen Nachfrage wird die Paul Panzer-Show "Glücksritter - Vom Pech verfolgt" am Sonntag, 24. März 2019, um 20 Uhr noch einmal wiederholt.

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