Flucht ins Herrenzimmer Kabarettist Horst Schroth beantwortet in der Lagerhalle nicht nur Frauenfragen

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Giftig war nicht nur die Farbe des Anzugs von Kabarettist Horst Schroth bei seinem Auftritt in der Lagerhalle. Foto: Thomas OsterfeldGiftig war nicht nur die Farbe des Anzugs von Kabarettist Horst Schroth bei seinem Auftritt in der Lagerhalle. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Update nach zehn Jahren: Kabarettist Horst Schroth klärt mit seinem mutmaßlich vorletzten Programm in der Lagerhalle auf, was eigentlich Sache ist, „wenn Frauen immer weiter fragen“.

Ob oberflächliche Comedy oder tiefgründiges Kabarett: Die vermeintlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind ein schier unerschöpflicher Quell für Pointen, die es einem in der Regel gemischtgeschlechtlichen Publikum leichtmachen, sie mit eigenen Erfahrungen abzugleichen. So war es auch im Saal der nahezu voll besetzten Lagerhalle, als Kabarett-Urgestein Horst Schroth ganz im Gegensatz zu jüngeren Comedy-Kollegen nicht nur mehr oder minder witzige, diesbezügliche Beobachtungen und Erfahrungen mitteilte, sondern diese auch so klug wie großväterlich charmant einzuordnen wusste. Den zwar stets „hyperthermophilen“, aber zum Ausgleich mit warmen Meta-„Premium-Gefühlen“ ausgestatteten Frauen attestierte er dabei, „professionelle Kümmerinnen“ zu sein. Männern als einfaches, „geschlossenes binäres System“ sei dagegen naturgemäß „vieles egal“, was sich meist in einem resignierten Achselzucken oder einem knappen „Isso“ äußern würde. 

Räume ohne Verbindung

Als metaphorischer Überbau dieser Manifestierung von Geschlechterklischees diente Schroth die Beschreibung des männlichen Gehirns als Haus eines Clubs, dessen Besitzer das einzige Mitglied ist. Zwischen den einzelnen Themenräumen etwa für Kind, Familie, Frau oder, etwas differenzierter, Weltfußball und Bundesliga gebe es allerdings „keinerlei Verbindungstüren“. Deshalb hätten Männer nicht immer sofort Antworten. Sie müssten oftmals wochenlang den entsprechenden Raum suchen und würden darüber schlimmstenfalls die Frage schon wieder vergessen, illustrierte Schroth exkursiv die Unfähigkeit des Mannes, komplexe Zusammenhänge sofort zu verstehen und Multi-Tasking zu betreiben. Kürzere und schnellere Wege seien den Frauen vorbehalten, deren Gehirn stets mit dem „allerneuesten Betriebssystem“ ausgestattet sei und mit „Milliarden Kilometer“ von Glasfaserkabeln, durch die „Gedanken in Lichtgeschwindigkeit“ sausen und alles miteinander „vernetzt und verknüpft“ ist – vor allem auch mit ihren Gefühlen, was es für den Mann nicht leichter macht, denn die müssten ja schließlich „bedient“ werden. 

Im Spiegel von Klischees

Schroth selbst tat das, indem er bedauerte, dass es immer mehr Rüpel und immer weniger Kavaliere gibt. Das hätten sich die Frauen allerdings auch in Teilen selbst zuzuschreiben, wenn jedes Türaufhalten oder In-den Mantel-Helfen gleich als männliche Dominanzgeste gedeutet wird. Seinen Geschlechtsgenossen riet er, das „Abfummeln“ durch ehemalige „Wisch- und Spuckmuttis“ nicht länger in „Fusselstarre“ zu erdulden und das demütigende Handtaschen-Halten während des Einkaufs abzulehnen. Kein Wunder, dass Schroth das sogenannte Herrenzimmer als Lieblingsraum im „Oberstübchen“ des Mannes ausmachte: Dort sei „nichts“ ist und man könne „abschalten“. Während dieser Flucht in die innere Emigration sei man für die Frau „lediglich körperlich anwesend“. Bei so viel Spiegelvorhaltung hätte sich wohl mancher Mann in der Lagerhalle gewünscht, statt Schroths Kabarett-Lektion lieber im Foyer das an diesem Abend ausgeschriebene Bierdiplom zu bestehen – um die Urkunde dann schön über den Sessel im Herrenzimmer aufzuhängen.


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