Gedenkfeier zum 9.November 1938 Osnabrücker Schüler fordern: Dem Hass entgegentreten

Von Markus Strothmann

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Am Mahnmal an der Alten Synagogenstraße wurden Kränze niedergelegt. Die Schüler der Remarque-Realschule brachten ihre Plakate aus der vorausgegangenen Aufführung mit. Foto: Thomas OsterfeldAm Mahnmal an der Alten Synagogenstraße wurden Kränze niedergelegt. Die Schüler der Remarque-Realschule brachten ihre Plakate aus der vorausgegangenen Aufführung mit. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Die Gedenkfeier zur Erinnerung an die Pogrome des 9. November 1938 fand am Freitag in der Universitäts-Aula im Osnabrücker Schlosses statt. Die Schüler des Jahrgangs 10 der Erich-Maria-Remarque-Realschule gestalteten die Veranstaltung.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert begrüßte die Gäste und lobte, dass sich die Gedenkfeier zu diesem Anlass in der Aula inzwischen fest etabliert habe: "Es ist eine junge, aber schon gefestigte Tradition, dass die Gedenkfeier von den Schulen gestaltet wird." Der Gedenktag sei besonders im Jahr 2018 ein wichtiger Termin. "Dieses Jahr markiert den Beginn des Dreißigjährigen Krieges vor 400 Jahren, wie auch das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren."

Nichts zeichne die deutsche Erinnerungskultur so aus wie das Gedenken an die Verbrechen im Nationalsozialismus, so Griesert. "Unsere Geschichte sensibilisiert uns für gesellschaftliche Fehlentwicklungen, mit denen wir heute wieder konfrontiert sind." Durchschnittlich vier politisch motivierte Straftaten pro Tag gebe es in Deutschland, 90 Prozent davon gingen auf das Konto von Tätern aus dem politisch rechten Spektrum. "Wenn heute rechtsextreme Gruppen Hass schüren, müssen wir dem entgegentreten."

Darauf folgte das collagenartige Stück unter der Überschrift „Wir erinnern uns, wir handeln!“, das die Schülerinnen und Schüler der Erich-Maria-Remarque-Realschule gestaltet hatten. Folgende Themen griffen sie unter anderem auf: Hasskommentare im Internet, das Buch "Adressat unbekannt" der Autorin Kressmann Taylor und die Aktion "Yolocaust" des Künstlers Shahak Shapira. Welche Antworten die Schüler auf Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung geben wollen, zeigten sie zum Schluss auf Schildern mit Aufschriften wie "Ich schaue nicht weg!" oder "Ich beziehe Stellung". Die Gäste quittierten das Stück mit stehenden Ovationen.

"We remember" versicherten die Schüler – "wir erinnern uns". Foto: Thomas Osterfeld


Im Anschluss an die Gedenkfeier gingen die Teilnehmer gemeinsam zum Ort des zerstörten jüdischen Gotteshauses an der Alten Synagogenstraße, um am dortigen Mahnmal feierlich einen Kranz abzulegen.  

Begleitet wird das Gedenken an den 9. November 1938 durch ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Konzerten, Vorträgen und Ausstellungen. Im Foyer der neuen Universitätsbibliothek am Westerberg wird etwa bis zum 20. Dezember die Ausstellung „Alles brannte!“ gezeigt. Sie dokumentiert jüdisches Leben und seine Zerstörung in den preußischen Provinzen Hannover und Ostpreußen. Am 15. November um 19.30 Uhr spielen Studenten des Instituts für Musik das Konzert „Entartet? Zur Musikzensur im 20. Jahrhundert“, Ort des Konzerts ist das Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde Osnabrück.


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