Gefahren bei Hochwasser? Widerstand gegen neue Siedlung in Osnabrück-Hellern

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Ein Plan für Hellern: Bis zu drei Geschosse sind für das geplante Baugebiet am Kampweg vorgesehen. Dieser Entwurf soll aber noch offen für Veränderungen sein, heißt es im Fachbereich Städtebau. Zeichnung: Stadt OsnabrückEin Plan für Hellern: Bis zu drei Geschosse sind für das geplante Baugebiet am Kampweg vorgesehen. Dieser Entwurf soll aber noch offen für Veränderungen sein, heißt es im Fachbereich Städtebau. Zeichnung: Stadt Osnabrück

Osnabrück. Neue Häuser am Kampweg? Die Stadtplaner arbeiten an einer Idee für Hellern: Auf einem drei Hektar großen Gelände könnte eine neue Siedlung entstehen. Viele Anwohner sind dagegen – und argumentieren vor allem mit Gefahren im Zusammenhang mit Hochwasser.

Die Stadt hatte in die Turnhalle der Grundschule Hellern zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung eingeladen. Stadtplaner Franz Schürings erläuterte den 75 Teilnehmern, weshalb die Verwaltung westlich des Kampwegs den Bau einer Siedlung erwägt. Der Bedarf sei groß, der Wohnraum knapp und „die Mietpreise explodieren geradezu“.

„Wir stehen noch ziemlich am Anfang“

Die Idee der Stadtplaner ist es, eine drei Hektar umfassende Siedlung an die bestehenden Strukturen anzugliedern.

Die Planung werde aber „nicht über Nacht entschieden“, versicherte Schürings. „Wir stehen noch ziemlich am Anfang.“ Und: „Es liegen noch nicht alle Untersuchungsergebnisse vor.“ Viele Gutachten müssten noch erstellt und ausgewertet werden. Dann würden die Bürger erneut beteiligt.

Getrübte Vorfreude auf neue Nachbarn

Aber die Vorfreude auf neue Nachbarn vor der Flusslandschaft scheint getrübt zu sein. Anwohner sorgen sich um zusätzliche Gefahren bei Überschwemmungen und Hochwasser. Vom „Bauen auf einem Schwamm“ war die Rede. Eine Anliegergemeinschaft vom Kampweg, vom Tongrubenweg und aus der Lipper Straße kritisiert, dass nach dem Hochwasser 2010 kein Schutz entlang der Düte eingerichtet wurde. Sie sind überzeugt davon, dass die Grenzen des Überschwemmungsgebietes veraltet sind. Es müsse zunächst sichergestellt werden, dass Neubauten nicht in einem zukünftigen Überschwemmungsgebiet gebaut werden. Die Anliegergemeinschaft hatte der Verwaltung zwölf Fragen zugesandt, von denen sich alleine neun mit dem Thema Wasser beschäftigen – vor allem geht es dabei um Versickerung, Grundwasser, Starkregen und um Einleitungsmengen in die Düte. Anwohner befürchten außerdem überflutete Keller.

Fragen bleiben offen

Schürings erläuterte, dass die zuständige Landesbehörde das Gelände am Kampweg nicht als Risikogebiet eingestuft habe. Diese Auskunft nimmt vielen aber nicht die Sorge: Der Helleraner Ralph Lübbe prognostizierte, das statistische 100-jährige Ereignis werde öfter eintreten. Viele Fragen der Anwohnergemeinschaft bleiben jedoch offen. Stadtplaner Schürings berichtete, die Verwaltung könne sie in diesem frühen Stadium noch nicht beantworten: „Sie werden im Laufe der Zeit abgearbeitet.“

Vorwürfe und Tränen

Die Verwaltung hatten in drei Ecken der Turnhalle Stationen aufgebaut: Stadtplanerin Annette Kleinostendarp-Cziráky informierte über gesamtstädtische Planungen, Lars Bielefeld beschrieb verschiedene Haustypen für den Kampweg, Christiane Balks-Lehmann vom Fachbereich Umwelt und Klimaschutz beschäftigte sich mit Themen rund um Natur und Wasser. An allen drei Stationen überwogen kritische Fragen – teils kopfschüttelnd vorgetragen, teils mit Vorwürfen und manchmal mit Tränen.

„Rausgeschmissenes Geld“

Am Ende lieferten sich Kerstin Albrecht vom Bund Osnabrücker Bürger (BOB) und der SPD-Politiker Heiko Panzer ein kurzes Wortgefecht: Albrecht warf der Verwaltung vor, sie fange bei der Planung „nicht bei A, sondern bei Z an“, was sie als „Geld rausschmeißen“ bezeichnete. Panzer erwiderte, es gehe es der Verwaltung doch darum, zunächst mit den Bürgern zu sprechen. Und: „Es passiert doch im Moment gar nichts. Wir gucken uns eine Fläche an.“


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