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08.11.2018, 16:53 Uhr MEINUNG

Syrischen Jungen aufgenommen: Eine gute, aber teure Tat

Kommentar von Jörg Sanders

Symbolfoto: imago/Marius SchwarzSymbolfoto: imago/Marius Schwarz

Osnabrück. 4160 Euro und 118 Euro Hinterziehungszinsen soll Alan Sabri der Familienkasse zurückzahlen – das ist eine Menge Geld für eine gute Tat.

Schließlich nahm die Familie einen fremden Menschen in ihrem Zuhause auf, damit der minderjährige Abdullah aus Syrien nicht in irgendeine anonyme Unterkunft gesteckt wird. Er lernte Deutsch, erreichte seinen Realschulabschluss, arbeitet im Klinikum und gilt als integriert. Es ist fraglich, ob Abdullah heute da stehen würde, wenn die Familie Sabri ihn nicht aufgenommen hätte. Dafür gebührt ihr Dank und Respekt.

Und dennoch gilt wohl auch hier leider die bekannte Binsenweisheit: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Die Sabris kämpfen gerade gegen Windmühlenflügel. Es ist unwahrscheinlich, dass sie diesen Kampf gewinnen. Schließlich kann die Familienkasse eine rein formal offenbar berechtigte Rückforderung von mehr als 4000 Euro an Steuergeld nicht einfach in der Schublade verschwinden lassen.

Nun gibt es Stimmen, die den Sabris Naivität unterstellen, getreu dem Motto: selbst schuld. Klar, sie wären gut beraten gewesen, wenn sie sich im Vorfeld besser hätten beraten lassen. Aber sie versichern glaubwürdig, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben. Wer nun voller Häme ist, weil die Familie dem Staat eine wichtige Aufgabe abnahm – im Übrigen auch finanziell – sollte sich lieber in Zurückhaltung üben. Selbst wenn die Familie einen Fehler gemacht hat – der kommt sie schon teuer genug zu stehen.


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