Leidenschaft für Seemannslieder Shanty-Chor im Schreberstübchen

Von Markus Strothmann

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Gitarren, Mandoline und Akkordeons verleihen dem Klang des Shanty-Chors Osnabrück zusätzlichen Schwung. Untypisch für einen Shanty-Chor ist die große Zahl von Sängerinnen. Foto: Markus StrothmannGitarren, Mandoline und Akkordeons verleihen dem Klang des Shanty-Chors Osnabrück zusätzlichen Schwung. Untypisch für einen Shanty-Chor ist die große Zahl von Sängerinnen. Foto: Markus Strothmann

Osnabrück. Der Shanty-Chor Osnabrück hat eine ungewöhnliche Gründungsgeschichte. Wie kommt ein Haufen Osnabrücker dazu, in traditioneller, blau-weißer Kleidung Seemannslieder zu singen? Die Antwort liegt tatsächlich auf See.

"1946 traf sich die Crew eines Zerstörers, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hatte, um über den Scheißkrieg zu reden", so Hermann-Josef Meyer zur Entstehungsgeschichte des Chors. Daraus entstand ein Singekreis, der sich um 1975 zum Shanty-Chor Osnabrück formierte. Von den Marinesoldaten der Urbesetzung ist heute keiner mehr am Leben. Hermann-Josef Meyer ist mit 83 Jahren das älteste Chormitlied. 

Rund 30 Sängerinnen und Sänger zählt der Chor heute. 6 von ihnen bilden außerdem die Begleitband: Bassgitarre, Mandoline, zwei Akustikgitarren und zwei Akkordeons verleihen dem Klang des Ensembles Schwung und seemännisches Flair.

Der Leiter in der Mitte

Musikalischer Leiter des Shanty-Chors Osnabrück ist Norbert Schmitz. Allerdings ist er nicht auf den ersten Blick als solcher zu erkennen, denn er sitzt in der Reihe der Instrumentalisten mit seinem Akkordeon auf dem Schoß, statt den Sängern gegenüber zu stehen, wie die meisten Chorleiter es bevorzugen.

Als echter Shanty-Chor singt die Gruppe ausschließlich Stücke aus dem großen Fundus der Seemannslieder und nahe verwandter Stile: "Hein Mück aus Bremerhaven", "Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise", "Kleine Möwe, flieg nach Helgoland". Des Öfteren sind Solisten gefragt, wie bei "Mary-Ann", mit knarziger Stimme gesungen von Rolf Bockelmann.

Das Repertoire besteht zur Zeit aus etwa 75 Stücken, die der Chor aus dem Stand parat hat, wie Hermann-Josef Meyer sagt. Und es werden mehr. Aktuell steht auf dem Lehrplan etwa das Stück "Möwe, du fliegst in die Heimat". Beim ersten Durchgang summen einige leise mit, wie Norbert Schmitz singt und spielt. Beim zweiten klingt es schon ganz amtlich. "Gut. Das Lied kommt ins Programm", sagt Chorleiter Schmitz.

Die Seemannslieder verlangen weniger melodische Präzision als die vierstimmigen Sätze der meisten Chöre, die zudem in der Regel ohne Instrumentalbegleitung singen. Die Shanties haben sich entwickelt aus Arbeitsliedern der Matrosen, die sich damit selbst anfeuerten und bei Laune hielten während der anstrengenden Maloche auf See. Entsprechend geht es hier vor allem um Schwung und Energie.

Regelmäßige Auftritte

Trotzdem wird hier nicht nachlässig geprobt. "Wenn wir neue Stücke einüben, achten wir sehr genau auf Takt, Tempo und Melodie", sagt Hermann-Josef Meyer. Schließlich tritt der Chor auch regelmäßig auf: gut 15 Konzerte im Jahr seien normal, so Meyer, oft auf Festen in verschiedenen Altersheimen. "Die feiern Frühjahr-, Sommer- Herbst- und Weihnachtsfeste, und dann wollen die natürlich Musik."

Der Shanty-Chor ist aktiv und gut besetzt, aber neue Sängerinnen und Sänger sind trotzdem immer gesucht. Wer noch stimmliche Kapazitäten hat, und wer sich vorstellen kann, Lieder über Ferne, Sehnsucht, das Meer und Johnnys Kneipe zu singen, der sollte dem Chor einen Besuch abstatten im Vereinsheim "Zum Schreberstübchen".


Die Eckdaten

Name: Shanty-Chor Osnabrück

Musikalischer Leiter: Norbert Schmitz

Mitgliederzahl: rund 30

Proben: jeden 2. Mittwoch im Vereinsheim "Zum Schreberstübchen" 

Kontakt: www.shantychor-osnabrueck.de oder 0541 5 51 68

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