Infektionsherd in Achmer Länderübergreifende Übung zu Tierseuchenausbruch

Von Angelika Hitzke

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


ahi/pm Bersenbrück/Steinfurt. Was tun, wenn die Afrikanische Schweinepest (ASP) kommt? Mit einer großen Tierseuchenübung haben die Veterinäre der Landkreise Osnabrück und Steinfurt gemeinsam mit der Feuerwehr, der Polizei und der Jägerschaft im neuen Logistikzentrum Nord in Bersenbrück jetzt den Ernstfall geprobt.

Ausgangspunkt der Übung war der angenommene Fund eines infizierten toten Wildschweines auf dem ehemaligen Militärgelände in Bramsche-Achmer. Kreisrat Winfried Wilkens zog am Ende des ersten Tages der Übung eine positive Bilanz: „Wir haben gesehen, dass unser Krisenstab das Geschehen gut im Griff hat. Wir haben aber auch einige kleine Dinge gesehen, die sich optimieren lassen.“

Digitale Unterstützung

Nach der Meldung des angenommenen positiv getesteten Wildschweinfundes wurde vor Ort der Kadaver gesichert und im Logistikzentrum Nord der Krisenstab einberufen. Dabei ging es in erster Linie darum, im Zusammenspiel von Behörden, Jägerschaft und Landwirten Maßnahmen gegen eine Ausbreitung der Seuche mit digitaler Unterstützung und länderübergreifend zu koordinieren, wie die Pressestellen der beiden Kreise mitteilten und der ebenfalls beteiligte Halener Jäger und Schweinehalter Hartmut Meyer bereits im Vorfeld der mehrtägigen Übung erläutert hatte.

Schutzzonen und Sperrgebiete

Die Vorgehensweise zur Bekämpfung der ASP ist in Deutschland in der Schweinepest-Verordnung geregelt: Neben der Tötung und unschädlichen Beseitigung aller Schweine des betroffenen Betriebes werden großflächige Schutzzonen mit strengen Handels- und Transportverboten eingerichtet. Im Falle der ASP bei Wildschweinen wie in der Übung angenommen werden Sperrgebiete (Restriktionszonen) mit einem Radius von rund 15 Kilometern und einer Pufferzone von 30 Kilometern um den Fundort eingerichtet.

Fundort in Grenznähe

Da der angenommene Fundort des infizierten Wildschweins in Achmer nahe der Landesgrenze zu NRW und den Grenzen der Kommunen Bramsche, Lotte und Westerkappeln lag, umfasste der Aktionsradius neben diesen Gemeinden auch Mettingen und Recke. Neben dem Krisenstab im Logistikzentrum in Bersenbrück, dessen Arbeit am ersten Tag der Übung im Mittelpunkt stand, probte am zweiten Tag schwerpunktmäßig der Steinfurter Krisenstab im dortigen Kreishaus, wie dessen Pressesprecherin Kirsten Weßling auf Nachfrage berichtete: „Dabei haben uns die Kollegen aus Niedersachsen über die Schulter geguckt und umgekehrt,“ sagte sie und betonte: „Aus unserer Sicht ist das sehr gut gelaufen.“

Ähnlich positiv über die grenzübergreifende Zusammenarbeit äußerte sich Burkhard Riepenhoff, Pressesprecher des Landkreises Osnabrück: „Das Grundgerüst hat funktioniert bis auf ein paar kleine Unwuchten.“ Aber genau dafür sei so eine Übung ja da, um diese zu erkennen und im Ernstfall zu vermeiden.

Zäune, Schilder, Jagdverbot

Riepenhoff erläuterte auf Nachfrage auch, welche Maßnahmen konkret im Falle eines infizierten Wildschweins die Ausbreitung der Seuche verhindern sollen: Zusammen mit den Jägern, die aus ihrer Erfahrung wissen, wie sich das Schwarzwild auf welchen Wegen bewegt, werde festgelegt, wo an welchen Landmarken (Straßen, Brücken, Gewässern) im Sperrgebietsradius Elektro- und Wildzäune in welcher Höhe gezogen und Warnschilder aufgestellt werden. Gleichzeitig werden so schnell wie möglich alle Schweinehalter in der Restriktions- und Pufferzone informiert, damit sie verschärfte Hygienemaßnahmen treffen können, und eine Jagdruhe verhängt. „Die Jagdstrategie hängt vom Verlauf ab“, so Riepenhoff. Gegebenenfalls kämen auch noch Einschränkungen für den Handel und Transport von Schweinen hinzu.


Die Afrikanische Schweinepest – und wiejeder vorbeugen kann

Die Infektion mit Afrikanischer Schweinepest (ASP) führt sowohl bei Haus- als auch bei Wildschweinen zu einer schweren Erkrankung, die fast immer tödlich ist. Verursacht wird die Erkrankung durch ein Virus. Die Afrikanische Schweinepest ist anzeigepflichtig und kann klinisch nicht von der Klassischen Schweinepest (KSP) unterschieden werden. Da eine Ansteckung vornehmlich über Blut, bluthaltige Flüssigkeiten und bluthaltige Gewebe erfolgt, breitet sich die Infektion oftmals nur sehr langsam aus. Dabei reichen jedoch sehr geringe Blutmengen für eine Ansteckung aus.

Für den Menschen und andere Haustierarten ist die Afrikanische Schweinepest nicht gefährlich. Selbst der Verzehr infizierten Schweinefleisches birgt kein gesundheitliches Risiko. Ein Impfstoff gegen ASP ist nicht verfügbar. Eine Einschleppung nach Deutschland hätte schwerwiegende Folgen für die Gesundheit unserer Wild- und Hausschweinebestände und in der Folge für die landwirtschaftliche Produktion.

Um einer Einschleppung nach Deutschland vorzubeugen, sollte Folgendes vermieden werden: der Import von Lebensmitteln, die Schweinefleisch oder Wildschweinefleisch enthalten, welches nicht erhitzt wurde; die Einfuhr von Teilen von Schweinen oder Wildschweinen (z. B. Häute, unbehandelte Jagdtrophäen);

Gegenstände und Fahrzeuge, die Kontakt zu Schweinen oder Wildschweinen hatten (z. B. Kleidung, Jagdwaffen) undesinfiziert ins Land zu bringen, ebenso lebende Schweine oder Wildschweine.

„Personen, die aus betroffenen Regionen zu uns kommen oder diese besuchen, müssen unbedingt auf die Gefahren der Verbreitung der ASP hingewiesen werden.Bitte informieren Sie sich vor einer Auslandsreise, insbesondere vor einer Jagdreise, über den Tierseuchenstatus, wenn Sie Kontakt zu Haus- oder Wildschweinen haben werden“, appelliert das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) an alle.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN