Judenhass zerstörte eine Familie Das leere Haus in der Osnabrücker Herderstraße – und was auf den Artikel folgte

Von Corinna Berghahn und Kathrin Pohlmann

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Das Haus Herderstraße 22 in Osnabrück verfällt weiter – doch die Geschichte seiner ehemaligen Bewohner berührt weiterhin die Osnabrücker. Foto: Gert WestdörpDas Haus Herderstraße 22 in Osnabrück verfällt weiter – doch die Geschichte seiner ehemaligen Bewohner berührt weiterhin die Osnabrücker. Foto: Gert Westdörp 

Osnabrück. Vor genau einem Jahr erschien der Artikel über ein seit Jahren leer stehendes Haus an der Herderstraße 22 in Osnabrück. Seitdem hat sich vieles getan: Die Nachfahren besuchten die Stadt, ein altes Familienstück tauchte wieder auf, Bürger organisierten sich, um das Haus zu retten – und eine Akte zeigt, wie sehr die Betroffenen um Wiedergutmachung kämpfen mussten.

Es ist die Geschichte einer Familie, deren dunkles Kapitel erst aufgeschlagen werden musste, um ans Licht zu kommen. Es geht um das Leben von Hans Flatauer, seinem älteren Bruder Kurt und ihren Eltern. Die Söhne wanderten aus und überlebten, die Eltern nicht: Raphael und Alma Flatauer wurden 1943 in Auschwitz ermordet. (Weiterlesen: Warum steht mitten im Katharinenviertel ein Haus seit Jahren leer?)

„Meine Eltern blieben in Deutschland. Ein Brief des Roten Kreuzes ist meine einzige Information, dass sie ins Konzentrationslager gekommen sind. Was ich nie verstehen kann, ist, warum die alten Leute dageblieben sind. Sie müssen wie vom Anblick einer Schlange gelähmt gewesen sein“, erzählte Hans Flatauer 1984 in einem Interview mit Martina Sellmeyer, der Autorin von „Stationen auf dem Weg nach Auschwitz“.  

Hans Flatauer will Entschädigung

Im Archiv in Hannover gibt es eine Akte über Hans Flatauer. Sie war lange Zeit verliehen und für unsere Redaktion daher nicht einsehbar. Doch Ende Oktober hatten wir einen Termin und bekamen Einsicht in die Unterlagen. Sie schildern den schwierigen Weg von Hans Flatauer und die Schikanen, die er erleben musste. Er konnte Deutschland noch rechtzeitig verlassen und entkam womöglich so dem Tod durch die Nazis. Nach Ende des Krieges versuchte er Deutschland auf Entschädigung zu verklagen. Sein Wunsch war, Abitur zu machen und anschließend Ingenieurwesen zu studieren. Nach der Machtübernahme der Nazis war das für viele jüdische Schüler nicht mehr möglich. Hans Flatauer erinnert sich, dass nach Beginn der NS-Zeit der Direktor der Schule die Eltern der jüdischen Schüler bat, von selbst um die Entlassung ihrer Kinder zu bitten.

Foto: Kathrin Pohlmann

Auch Hans musste das Realgymnasium – das heutige Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium – an der Lotter Straße verlassen. „Als Jude wurde ich 1933 aus der Schule ausgewiesen. Durch die Nazi-Gesetzgebung konnte ich meine Schulausbildung nicht vollenden und nicht – wie geplant – das Ingenieurwesen studieren, welches mein Vater als Teilhaber des Kaufhauses M. Conitzer & Söhne und des Geschäftes Flatauer und Co. leicht hätte finanzieren können. Ich wurde gezwungen, als Lehrling und unbezahlter Volontär ein Handwerk zu erlernen, und konnte meine Ausbildung nie vollenden“, schreibt er im Oktober 1956 in einer eidesstattlichen Erklärung an die deutsche Botschaft.

Zukunft im Ausland

Seine Ausbildung fing er bei den „Osnabrücker Aluminiumwerken“ in Herford an. „Hans Flatauer verlässt heute von sich aus unseren Betrieb, und unsere besten Wünsche begleiten ihn für seine Zukunft“, so steht es in seinem Abschlusszeugnis vom Juni 1936. Doch die Zukunft ist ungewiss. Er versucht es weiter in Leipzig. Dort arbeitet er rund ein halbes Jahr bei einer Maschinenbaufirma. Geld erhält er für die Arbeit nicht. Beim „Sozialamt der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig“ und beim jüdischen Pfadfinderbund kümmert er sich ehrenamtlich um jüdische Jugendliche, so steht es in seiner Entschädigungsakte.

Hans Flatauer - Leiter einer jüdischen Pfadfindergruppe - inmitten der Kinder auf dem Balkon in der Herderstraße 22 in den frühen 1930-er Jahren. Quelle: Stationen auf dem Weg nach Auschwitz

 „Man kann den Akten entnehmen, wie verzweifelt dieser junge Mensch gewesen sein muss. Um überhaupt irgendwo einen Beruf zu erlangen, hat er schließlich versucht, in den jüdischen Einrichtungen unterzukommen. Diese waren später oft die einzigen Einrichtungen, die jüdischen Menschen noch eine Beschäftigung geboten haben. Das Regime hat Juden damals systematisch ausgegrenzt“, sagt der Osnabrücker Historiker Sebastian Weitkamp.

Hans Flatauer im Jahr 1946 in England. Foto: Daniel Flatauer

Die finanzielle Situation ist schwierig, und Hans wird klar, dass seine Zukunft nicht in Deutschland liegt. „Ich selbst bin ausgewandert worden. In Leipzig gelang es mir, eines von achtzehn offenen Visa für die Auswanderung nach England zu bekommen, und so konnte ich im Januar 1939 nach England emigrieren“, sagt Hans Flatauer in dem Interview im Februar 1984. „Er hat Glück gehabt, dass er Deutschland noch rechtzeitig verlassen konnte. Dass er mit offenen Armen in Großbritannien empfangen wurde, das wage ich zu bezweifeln“, sagt Weitkamp.

Antrag auf Entschädigung

1956 stellt er den Antrag auf Entschädigung mit der Angabe „Schaden im beruflichen Fortkommen“ – so die Kategorie. Es geht um insgesamt 10 000 DM – in zwei verschiedenen Verfahren. Doch so einfach ist es nicht. Ausgerechnet die Schule, die ihn aufgrund seiner jüdischen Abstammung damals diskriminiert und verwiesen hat, bezweifelt anfangs, dass er aufgrund der Umstände gezwungen wurde, die Schule zu verlassen. 

Die Schulleitung will Beweise für seine jüdische Abstammung, die in seiner Geburtsurkunde von 1915 nicht stehen. Die belegt Hans Flatauer mit seinem Reisepass, der den Buchstaben J trägt. Der sogenannte „Judenstempel“ war ein von deutschen Behörden in deutschen Reisepässen angebrachter Stempel in Form eines roten „J“. Damit wurde der Passinhaber ab 1938 eindeutig als Jude gekennzeichnet.

Doch das reicht als Beleg offensichtlich nicht aus. So heißt es in einem Schreiben vom Februar 1958 vom damaligen Direktor des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums: „Der Antragsteller ist jüdischer Abstammung. Er gibt an, nachdem er das dortige staatliche Gymnasium mit der Realschule zu Osnabrück seit dem Jahr 1926 besucht hatte, dass ihm 1933 der weitere Schulbesuch aus Gründen der Rasse untersagt worden sei. Diese Angaben erscheinen mir unwahrscheinlich, dieses umso mehr, als sein mir vorliegendes Abgangszeugnis den Vermerk trägt: ‚Er verlässt die Anstalt, um eine Lehrstelle anzutreten‘.“

Die Abschrift des Abgangszeugnisses von Hans Flatauer. Er musste seine Schule auf Druck der Nationalsozialisten im Jahr 1933 verlassen. Foto: Kathrin Pohlmann

Hans Flatauers ehemaliger Mitschüler Hans Leo Hirtz unterstützt ihn und schreibt unter Eid: „Hans Flatauer besuchte mit mir gemeinsam das Reform-Real-Gymnasium. Er musste im Herbst 1933 diese Schule aus der Obersekunda aus rassistischen Gründen verlassen und ihm, wie mir, wurde ein Fortfahren des Studiums unmöglich gemacht.“ Hans Leo Hirtz war ebenfalls Sohn eines Osnabrücker Kaufmannes. Er emigrierte 1936 nach São Paulo.

In einem weiteren Schreiben der Schule an Hans Flatauer heißt es: „Irgendwelche Unterlagen, dass dem Obengenannten (Anm. d. R. Hans Flatauer) aus rassistischen Gründen der weitere Schulbesuch nach 1933 untersagt worden ist, sind nicht bei den Schulakten. Nach der Aussage eines ehemaligen Herrn aus dem Kollegium wurde damals den Schülern aber der Abgang nahegelegt. Herr Flatauer hat dann bei seinem Abgang angegeben, er wolle eine Lehrstelle antreten.“

Flatauer braucht Geld. Die Firma, in der er arbeitet, macht laut Akten seit einiger Zeit Verluste, und er ist gezwungen, das Unternehmen zu verlassen. Doch er hat ein Angebot der Schokoladenfabrik Mohnheim aus Aachen. Für sie soll er als Vertreter in England arbeiten. „Da ich kein eigenes Kapital besitze, um die ersten, unbedingt erforderlichen Schritte zur Gründung dieser Firma zu unternehmen, erkläre ich hiermit, dass ich die von mir beantragte Entschädigung dringendst benötige, um mir und meiner Familie eine neue Existenzmöglichkeit zu schaffen“, schreibt er 1957.

10.000 Deutsche Mark

Rund vier Monate später erhält Hans Flatauer 5000 DM von der Bundesregierung. Die weitere Zahlung von 5000 DM durch das sogenannte Schlussgesetz zur Wiedergutmachung erhält er 1966. Damit kann er sich in England etwas aufbauen, seine Vergangenheit hinter sich lassen und sich auf die Zukunft konzentrieren. Zu seinem Bruder Kurt besteht weiterhin Kontakt. Dieser war schon 1934 nach Palästina ausgewandert. Kurt änderte den Nachnamen in Palter und lebte fortan in einem Kibbuz, einer genossenschaftlichen Siedlung, in der es kein Privateigentum gibt.

Die Familie Flatauer in glücklichen Zeiten: 1925 machten Alma, Kurt, Hans und Raphael Urlaub auf Norderney. Foto: Palter

Seine Eltern sieht Hans dagegen nie wieder. „Meine Eltern fühlten sich ganz als deutsche Staatsbürger. Ich habe nach meiner Emigration noch ein-, zweimal von ihnen gehört.“ Beide Brüder gründeten Familien, doch der Verlust ihrer Eltern, ihres Wohlstands und ihrer Osnabrücker Herkunft wurde dort nie zum Thema gemacht, wie uns die Nachkommen erzählten. Zu schmerzhaft waren die Erinnerungen.

Der Besuch der Palters in Osnabrück

Für die Nachfahren von Kurt und Hans blieb vieles der eigenen Familiengeschichte daher lange im Dunkeln. Erst auf unsere Nachfrage und unseren Artikel erwachte die Neugier. Kurt Palters Sohn Guri lebt in Tel Aviv. Mit seiner Frau Aviva besuchte er im Dezember 2017 Osnabrück – und erfuhr Dinge über seinen Vater, die er vorher nicht für möglich gehalten hatte. Seine Osnabrücker Vergangenheit war ein gut gehütetes Geheimnis.

Die Enkel der Flatauers, Guri Palter und seine Frau Aviva, brachten bei ihrem Besuch in Osnabrück ein Fotoalbum mit. Foto: Gert Westdörp

Als Guri Palter im vergangenen Jahr zum ersten Mal vor dem Haus seiner ermordeten Großeltern an der Herderstraße stand, ging er auf die Knie, er hatte Tränen in den Augen. Nie zuvor hatte er das Haus aus der Kindheit seines Vaters gesehen. Im Gepäck hatte Guri ein Fotoalbum, das er erst nach dem Tod seines Vaters Kurt in den 1990er-Jahren fand. Viele der Bilder hatte Kurt selbst gemacht, vermutet sein Sohn. Plötzlich bekamen Alma und Raphael ein Gesicht, und ihr einst großbürgerliches Leben in der Hasestadt ließ sich für die Familie erahnen. 

Mehr als das Fotoalbum war den Nachfahren jedoch nicht von den einstigen Besitztümern der Familie geblieben, dachte Guri Palter. Doch er irrte.

Das wiedergefundene Familienstück

Kurz nach dem Besuch der Palters meldete sich die Osnabrückerin Roswitha Baumeister in unserer Redaktion. Sie ist die Enkelin des Tischlermeisters Heinrich Grunge, und dieser war einst mit den Flatauers befreundet. Grunge stellte für Kurt Flatauer in den 1930er-Jahren mehrere Holzkisten her, in die er seine Habseligkeiten für die Auswanderung nach Palästina verstaute. „Zum Dank dafür oder vielleicht auch zum Abschied schenkte Kurt meinem Großvater den siebenarmigen Leuchter“, so Baumeister. Seitdem befand sich die Menora, so die korrekte Bezeichnung für den siebenarmigen Leuchter, rund 60 Jahre in Familienbesitz.

Roswitha Baumeister übergibt die Menora Guri Palter. Foto: Jörn Martens

Doch als Baumeister die Geschichte des Hauses las, wusste sie: Der Leuchter gehört der Familie Flatauer. Baumeister beabsichtigte, ihn nach Israel zu schicken. Doch die Palters wollten ihn lieber persönlich in Empfang nehmen – und so kam es im Februar 2018 zu einem Treffen der Nachfahren der einstigen Freunde.

Die Geschichte von der Rückgabe der Menora griff kurze Zeit später sogar die „Jerusalem Post“, eine der größten israelischen Tageszeitungen, auf, und auch im israelischen Privatfernsehen fand die Geschichte Beachtung.

Die wiedergefundenen Verwandten

Selbst über Osnabrücks Grenzen hinaus zieht das Schicksal der Familie weiter Kreise: Die Frankfurterin Dagmar Hoffmann bat erst in diesem September um Kontakt zu den Palters. Sie betreibt Familienforschung und hatte über den Artikel herausgefunden, dass ihre Familie mit Alma Flatauer verwandt ist. Zwischen Frankfurt und Tel Aviv besteht seitdem reger Kontakt, und ein Familientreffen ist für die Zukunft geplant, erzählt sie uns am Telefon. 

„Manchmal können Artikel die Geschichte verändern – und in diesem Fall wurde die Geschichte unserer Familie komplett durcheinandergewirbelt“, sagt Hans’ Sohn Daniel Flatauer heute. Aviva Palter, Guris Ehefrau, sieht es ähnlich: „Die beiden Besuche und das Wissen über Alma und Raphael waren Meilensteine für unsere Familie.“

Auf den Spuren der Herderstraße

Das Schicksal der Familie Flatauer berührte auch viele Osnabrücker – und das bis zum heutigen Tag: „Seit dem Artikel ist das Interesse an dem Thema Judenverfolgung in Osnabrück wieder stark erwacht“, sagt Martina Sellmeyer. Sie veranstaltet regelmäßig Führungen zum Holocaust in Osnabrück – seit Mai dieses Jahres begibt sie sich auf die „Spuren der NS-Zeit im Katharinenviertel“. „Die erste Führung haben über 100 Leute besucht, seit der dritten muss man sich anmelden, damit die Gruppe nicht zu groß ist.“ 

Im April 2018 gingen über 100 Menschen auf die"Spuren der NS-Zeit im Katharinenviertel" - und besuchten dabei auch das Haus an der Herderstraße. Foto: Joachim Dierks.

Was die Menschen besonders interessiert: Das Haus in der Herderstraße: „Der lokale Faktor und die nachvollziehbare Familiengeschichte: Beides sorgt dafür, dass man nachfühlen kann, was damals in Osnabrück passiert ist.“ Für die Zukunft wünscht sich Sellmeyer, dass das Haus vor Verfall und Immobilienspekulanten gerettet wird: „Es wäre genau der richtige Ort, an dem in der Stadt an die vertriebene und getötete jüdische Gemeinde erinnert werden könnte – und dieses Erinnern mit privaten Bildern und vielen Dokumenten in den ehemaligen privaten Räumen tatsächlich fühlbar wird.“

Passanten haben Kerzen vor die Haustür des Hauses Herderstraße 22 abgestellt. Foto: Michael Gründel

Eine Idee, die auch dem Bürgerverein Katharinenviertel gefällt. Hartmut Böhm, Mitglied und unmittelbarer Nachbar des Hauses, hat mehrere Versuche gestartet, das Haus zu retten: „Ideal wäre ein Denkmalstatus. Aber meine Anfragen dafür wurden abgelehnt – mit der Begründung, dass das Haus zu verbaut sei, um als Bauhaus-Denkmal zu gelten.“ Nun will Böhm mit anderen Mitteln die Erinnerungen an die Flatauers wachhalten: „Geplant ist, die Familienbilder per Beamer an die Hauswände zu projizieren, um zu zeigen, wer die Menschen waren, die hier einst lebten.“

Am Ende blieb nichts

Seit Jahren ist das Haus unbewohnt und verkommt. Raphael und Alma Flatauer hatten es 1929 erbauen lassen. In der NS-Zeit musste das Paar die großzügige Villa verlassen und für einen Spottpreis verkaufen. Um Juden aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, enteigneten die Nationalsozialisten sie oder zwangen sie zur Aufgabe ihrer Immobilien, Besitztümer und Geschäfte. Die heutige Besitzerin des Hauses, die Tochter des damaligen Käufers, kümmert sich seit mehr als 20 Jahren nicht mehr um das einst prachtvolle Haus.

Die Stolpersteine für Raphael und Alma Flatauer wurden 2008 verlegt. Foto: Michael Gründel

An Raphael und Alma Flatauer erinnerten bis zur Veröffentlichung des Artikels nur noch die Stolpersteine, die 2008 vor ihrem ehemaligen Haus verlegt wurden. Dabei waren sie angesehene Osnabrücker Kaufleute: Raphael Flatauer und sein Bruder Siegfried betrieben die Tuchgroßhandlung „Flatauer und Co. KG“ in der Möserstraße 26 und die „Großgarage Osnabrück-West“ in der Adolfstraße 60/62. Darüber hinaus besaßen sie drei Häuser in der Großen Straße, Nummer 27 bis 29, die 1938 an L&T verkauft wurden, sowie weitere Ländereien. Von all dem blieb der Familie nichts.  

Pogromnacht in der Herderstraße 22

Von den Ereignissen der Pogromnacht vor genau 80 Jahren, am 9. November 1938, waren die Flatauers direkt betroffen: „Unter Bewachung von betrunkenen NS-Funktionären wurden die (jüdischen) Frauen (und Kinder des Viertels; Anm. d. R.) dann in der völlig verwüsteten Wohnung der Familie Flatauer in der Herderstraße zwischen Scherben und zertrümmerten Möbelstücken eingesperrt.“ Dort mussten sie mitansehen, wie antisemitische Nachbarn in das Haus eindrangen und Möbel kurz und klein schlugen, heißt es in „Stationen auf dem Weg nach Auschwitz“, dem Standardwerk über die Judenverfolgung in Osnabrück. (Weiterlesen: Wo in unserer Region die Synagogen brannten)

Und das Haus?

Nachdem der Artikel am 9. November 2017 erschienen ist, besuchte Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert die Besitzerin des Hauses und unterbreitete ihr ein Angebot. Kein Interesse. Sie wolle sich zu allem nicht äußern, hieß es damals. Doch auch ein Jahr nach dem Artikel bleiben immer noch Passanten vor dem immer mehr verfallenden Haus an der Herderstraße 22 stehen, stellen Kerzenlichter am Eingang ab oder verweilen.



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