Ein Leben für die Armen Schwester Josefo verlässt nach 19 Jahren die Wärmestube

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Schwester Josefo fand beim Töpfern in der Wärmestube Ruhe und Ausgleich. Sie hat viele Krippenfiguren modelliert. Foto: Jens LintelSchwester Josefo fand beim Töpfern in der Wärmestube Ruhe und Ausgleich. Sie hat viele Krippenfiguren modelliert. Foto: Jens Lintel

Osnabrück. In der Wärmestube an der Bramscher Straße geht eine Ära zu Ende: Schwester Josefo zieht sich zurück. Sie ist eine der drei Thuiner Franziskanerinnen, die 1999 als erste Ordensfrauen die Leitung der Hilfsstelle übernommen hatten.

Schwester Josefo habe sich mit großer menschlicher Wärme den Menschen in Not zugewandt, sagte Generalvikar Theo Paul während einer Messe zur Verabschiedung der Ordensfrau. Ihn habe es stets beeindruckt, wie vertraut Schwester Josefo mit den Namen, Geschichten und Anliegen der Besucher der Wärmestube gewesen sei. Not sei für Schwester Josefo nicht anonym und nicht bloß ein Sozialbericht gewesen, sondern sie habe um alle Einzelheiten aus den Geschichten der Besucher der Wärmestube gewusst und sei dabei auch mit mancher Aussichtslosigkeit konfrontiert worden. Schwester Josefo sei den Hilfsbedürftigen aber immer mit großem Respekt begegnet und habe ihnen Hilfe nicht einfach übergestülpt. Auch bei den Veränderungsprozessen in der Wärmestube sie in den vergangenen 19 Jahren „immer mitten dazwischen“ gewesen, meinte Paul.  

Schwester Josefo verzichtete bei ihrer Abschiedsfeier auf ein Grußwort. Alles was sie zu sagen habe, sei in einer Karte zusammengefasst, die auf den Esstischen ausliege. Darin bedankt sie sich in wenigen Zeilen bei den Ehrenamtlichen, für viele gute Begegnungen und wünscht mit einem Pabst-Zitat „Pace e Bene“: Frieden und Gutes.

Bevor sie in die Wärmestube kam, hatte Schwester Josefo über 30 Jahre lang Kinder aus benachteiligten Familien in einer Jungendwohngruppe des Franziskanerinnenordens in Hamburg betreut. Nach dem Realschulabschluss machte sie zunächst eine Ausbildung als Erzieherin in einer Einrichtung des Franziskanerinnenordens in Freiburg. Im Alter von 19 Jahren trat sie in den Orden ein.

Sie sei dem „Ruf Gottes“ gefolgt, sagte die Schwester im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich war damals auf der Suche, und es war ein ganz starker Ruf, dem ich nicht widerstehen konnte.“ Auch das religiöse Leben im Elternhaus und besonders ihrer Mutter sowie der frühe Tod des Vaters hätten eine Rolle gespielt. Natürlich habe es Situationen gegeben, in denen sie das Leben im Orden infrage gestellt habe. Aber sie habe sie alle gemeistert, und ihre Liebe zu Gott und Jesus sei dabei immer nur stärker geworden.

Der Wechsel der Ordensfrauen nach Osnabrück, damals ein neues Einsatzfeld für die Thuiner Franziskanerinnen, sei im Rückblick gar kein so großer Schritt gewesen. „Es war gut, dass wir hierher gekommen sind“, sagte Schwester Josefo. Die Franziskanerinnen hatten die Leistung der rein aus Spenden und ehrenamtlicher Mitarbeit getragenen Hilfsstelle 1999 übernommen, nachdem Bruder Otger, der Gründer der Wärmestube, plötzlich gestorben war. Der Orden aus Thuine stellte drei Schwestern für die Leitung ab, und der Bischöfliche Stuhl sicherte nach der Auflösung des Männerklosters die Immobilie.

Es sei eine gute Arbeit gewesen, die sie gern verrichtet habe, sagte Schwester Josefo, die überall Hand anlegte – in der Küche, in der Kleiderkammer, in der Töpferei. Das Töpfern war für sie immer auch ein Mittel, um Ruhe zu finden. Sie modellierte mit großer Hingabe und Kunstfertigkeit Krippenfiguren, die auf den Adventsbasaren der Wärmestube verkauft werden.

Die Franziskanerin ist aus der Schwestern-WG im Gebäude der Wärmestube nach Schwagstorf in eine Altenwohneinrichtung des Ordens umgezogen. Dort lebt auch Schwester Rudolfinis, die frühere Küchenchefin der Wärmestube, die ebenfalls zur ersten Frauen-Belegschaft gehörte. Die beiden freuen auf die gemeinsame Zeit – und wenn es sie an ihr altes Einsatzfeld zieht, gibt es einen Bus, der aus Schwagstorf nach Osnabrück pendelt und direkt vor der Wärmestube hält.


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