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07.11.2018, 17:54 Uhr zuletzt aktualisiert vor MEINUNG

Vater des toten Babys: Eine gescheiterte Existenz

Kommentar von Jörg Sanders

Foto: Jörn MartensFoto: Jörn Martens

Osnabrück. Nur vier Tage alt durfte der kleine Liam werden, und wie genau er nun auch immer starb: Es ist verstörend, welche Abgründe sich am Mittwoch am Landgericht auftaten.

Gebetsmühlenartig wiederholte der Angeklagte, überfordert gewesen zu sein. Mit seinem Leben, mit den Eltern, mit der „nervenden Schwiegermutter“, mit seiner Beziehung, mit der Situation nach dem Sturz des Kindes – so sich dieser überhaupt zugetragen hatte. Nahezu im gleichen Atemzug sagte er – und nicht nur einmal –, dass er es nicht leiden könne, wenn sich andere in sein Leben einmischten.

Nun wird es wieder Stimmen geben, die fragen: Warum schritt niemand ein? Es gab zumindest klare Anzeichen, dass der Angeklagte nicht zum Vater taugte. Seine Drogensucht war Freundin, Familie und ihm selbst zufolge sogar dem Jugendamt bekannt. Die Wohnung war verdreckt und kaum möbliert, und trotz Kontakt zum Jugendamt war dieses noch nicht dort gewesen. Aber wie auch: Gerade einmal vier Stunden hatte Liam dort verbracht.

So derart unreif, wie der Angeklagte wirkt, ist seine Überforderung nicht verwunderlich. Sein Auftreten wirft die Frage auf, ob er nicht vor ein Jugendgericht gehört, doch dafür ist er zu alt. Die Frage der Schuldfähigkeit wird das Gericht mit einem Psychologen klären müssen.


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