Warum der Bund das Projekt ausbremst Bahnstrecke von Osnabrück nach Holland wird doch nicht ausgebaut

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In weniger als drei Stunden mit dem Zug aus Osnabrück nach Berlin. Das soll nach Investitionen in verschiedene Projekte möglich werden. Der Ausbau der Bahnstrecke Bad Bentheim - Osnabrück - Löhne wurde jedoch ausgebremst. Foto: Soeren Stache/dpaIn weniger als drei Stunden mit dem Zug aus Osnabrück nach Berlin. Das soll nach Investitionen in verschiedene Projekte möglich werden. Der Ausbau der Bahnstrecke Bad Bentheim - Osnabrück - Löhne wurde jedoch ausgebremst. Foto: Soeren Stache/dpa

Osnabrück. Bahnreisende zwischen Osnabrück und Amsterdam dürfen vorerst doch nicht auf eine schnellere Verbindung hoffen. Noch vor zwei Jahren hatte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, erwartet, dass die Bahnstrecke Bad Bentheim - Osnabrück - Löhne zur Hochgeschwindigkeitsstrecke ausgebaut wird. Warum der Staatssekretär sich geirrt hat.

Wegen der „wichtigen Ost-West-Verbindung“ des Teilstücks von Bad Bentheim über Osnabrück nach Löhne war Ferlemann 2016 bei einem Treffen mit EU-Vertretern und der regionalen Wirtschaft davon ausgegangen, dass das Vorhaben auf der Prioritätenliste der Bundesregierung hochgestuft wird. Nachdem Gutachter das Projekt in den vergangenen Monaten jedoch untersucht hatten, kamen sie zu dem ernüchternden Ergebnis: nicht wirtschaftlich.

Geplant war Tempo 200

Der Schienenexperte der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos), Gerd Stolle, hatte bereits im Vorfeld darauf hingewiesen: „Je aufwendiger die geplanten Maßnahmen sind, umso eher ist mit Verzögerungen bei Planung und Umsetzung der Maßnahmen zu rechnen.“ Der Plan der Bundesregierung war, dass die Züge auf dieser Strecke nicht mehr nur mit Tempo 140, sondern mit Tempo 200 fahren können. Allerdings hatte Stolle in einer ersten Stufe Tempo 160 vorgeschlagen, was deutlich günstiger sei. Bei einem Ausbau zur Hochgeschwindigkeitsstrecke mit Tempo 200 hätten die beschrankten, höhengleichen Bahnübergänge beseitigt versehen werden müssen - ein immenser Aufwand. Die erste Ausbaustufe auf Tempo 160 in Verbindung mit dem Einsatz von Loks, die sowohl im deutschen als auch im holländischen Stromsystem fahren können, werde bereits 20 Minuten Zeitersparnis bringen.

Projekt hätte einen höheren Stellenwert verdient

Die von der Bundesregierung beauftragten Gutachter kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass „nur geringe Potenziale für eine Fahrzeitverkürzung von insgesamt sechs Minuten ermittelt werden“ konnten. Diese alleine würden keinen Ausbau rechtfertigen. „Stadt und Landkreis Osnabrück bedauern dieses Ergebnis“, sagt Stolle. Gemeinsam mit weiteren Partnern in der Region hatten sie sich für diese Ausbaumaßnahme stark gemacht. Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff fügte hinzu: „Dass der Bund nicht schon jetzt positive Nägel mit Köpfen gemacht, sondern das erwähnte Eisenbahnprojekt leider nicht in den vordringlichen Bedarf gehoben hat, ist bedauerlich.“ Der Landkreis werde sich ungeachtet dessen aber weiter mit voller Kraft für Beschleunigungsoptionen auf der Ost-West-Achse einsetzen. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, Marco Graf, betonte: „Die Politik verpasst hier eine wichtige Chance.“ Dieses Projekt hätte einen höheren Stellenwert und damit eine schnelle Realisierung verdient, kritisiert Graf, blickt aber bereits voraus: „Da dies nun auf unabsehbare Zeit nicht gelingt, muss die West-Ost-Achse durch andere Maßnahmen attraktiver gemacht werden.“ Hierzu würden an erster Stelle qualitativ hochwertige Züge sowie der Ein-Stunden-Takt im IC-Verkehr gehören.

In weniger als drei Stunden nach Berlin

Planos-Schienenexperte Stolle weist darauf hin, dass der Streckenabschnitt Bielefeld-Hannover im vordringlichen Bedarf sei und verspricht sich von dieser Maßnahme schnellere Fahrzeiten auf der Strecke von Osnabrück nach Hannover. Zudem macht ihm der Entwurf des sogenannten „Deutschland-Taktes“ Hoffnung, mit dem lange Umsteigezeiten abgeschafft und Fahrpläne besser abgestimmt werden sollen. Das neue Projekt sehe für die Region erhebliche Verbesserungen vor. „So sind für die West-Ost-Achse eine verbesserte Reisezeit im Fernverkehr nach Berlin von unter 3 Stunden sowie zusätzliche Regionalexpress-Züge nach Hannover mit Anschluss nach Berlin vorgesehen“, erläutert Stolle. Allerdings wird das neue Fahrplanmodell „Deutschland-Takt“ wohl erst in zehn bis 20 Jahren realisiert, weil zunächst die nötige Infrastruktur geplant und gebaut werden muss.

Lokwechsel an holländischer Grenze soll entfallen

Schneller könnten Maßnahmen greifen, auf die eine Bahnsprecherin auf Anfrage unserer Redaktion hinwies. Obwohl die Pläne für den Ausbau der Strecke zwischen Bad Bentheim und Löhne verworfen wurden, plant die Bahn, in der Zukunft auf mehrsystemfähige Loks zu setzen. Diese sind dringend erforderlich, weil die aktuell eingesetzten Züge nicht in den Stromsystemen beider Länder fahren können. Bisher kostet der Lokwechsel aktuell noch etwa zehn Minuten an der niederländischen Grenze. Diese Wartezeit würde somit künftig entfallen. Die Reisezeit zwischen Amsterdam und Berlin betrage derzeit rund sechseinhalb Stunden und soll durch den Einsatz der neuen Fahrzeuge um 20 bis 30 Minuten verkürzt werden. Den Einsatz der neuen Fahrzeuge plant die Bahn ab dem Jahr 2023. Es müssten noch umfangreiche „Anpassungen und damit Kompromisse“ mit den Fahrplänen von Zügen anderer Eisenbahnverkehrsunternehmen entlang des innerdeutschen Streckenabschnitts gefunden werden.


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