Alkoholkranker Ex-Profi hält Vortrag Uli Borowka beeindruckt Schüler des Osnabrücker GSG

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Alkoholkranker Ex-Fußball-Profi: Uli Borowka sprach im Osnabrücker Graf-Stauffenberg-Gymnasium über seine Suchtkarriere. Foto: Elvira PartonAlkoholkranker Ex-Fußball-Profi: Uli Borowka sprach im Osnabrücker Graf-Stauffenberg-Gymnasium über seine Suchtkarriere. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Jahrelang trank er täglich eine Kiste Bier und zwei Flaschen Schnaps – trotzdem war er Leistungsträger bei Werder Bremen. Mit bewundernswerter Offenheit hat der Ex-Fußballprofi Uli Borowka jetzt in der Aula des Osnabrücker Graf-Stauffenberg-Gymnasiums von seiner schweren Alkoholsucht berichtet.

Vielleicht werden Kinder in einigen Jahren solche Vorträge gar nicht mehr zu sehen bekommen; vielleicht beschließt die überbeschützende Gesellschaft irgendwann, dass 14-Jährige nicht hören sollen, wie ein Mann davon erzählt, dass er jahrelang auf einer vollgekotzten Matratze geschlafen und den Kopf seiner Frau gegen die Wand geschlagen hat.

Bis dahin wird Uli Borowka weiter die Schulen des Landes bereisen und seine jugendlichen Zuhörer so fesseln, wie er es jetzt am Osnabrücker Graf-Stauffenberg-Gymnasium getan hat. Der Förderverein der Schule hatte den alkoholkranken Ex-Profi engagiert, damit er den Jahrgängen acht bis elf ein mahnendes Beispiel sei; Borowkas Auftritt in der Aula stand unter dem Motto „Prävention“.

„Ich war mal Millionär und habe alles verloren“

Und der Mann, der ob seiner Spielweise einst den Spitznamen „die Axt“ trug, lieferte genauso zuverlässig ab wie einst bei Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen. Schon nach ein paar Minuten hatte Borowka die volle Aufmerksamkeit seines jungen Publikums, mit Sätzen wie: „Ich war mal Millionär und habe alles verloren“ wusste er die Schüler zu fesseln. Sein 2012 erschienener Bestseller „Volle Pulle: Mein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker“ spielte dabei nur eine Nebenrolle. Borowka las wenig und erzählte stattdessen lieber frei von seiner Fußball- und seiner Suchtkarriere.

Begonnen hatte die Sucht während seiner Ausbildung zum Maschinenschlosser. Dort hätten ihn die älteren Kollegen sofort mit Bier und Apfelkorn vertraut gemacht – und er habe mitgetrunken, um dazuzugehören. Der Fußball tat dann sein Übriges: „Vereine sind prädestiniert, um junge Leute an den Alkohol zu bringen. Da wird oft gesoffen, dass die Heide wackelt.“

Enorme Entgiftungskapazität

Dass er den Suff, dem er nach und nach verfiel, auch als Leistungssportler aufrechterhalten konnte, hat Borowka seiner enzymatischen Ausstattung zu verdanken. Jeder Mensch hat eine individuelle Entgiftungskapazität, und seine, so Borowka, sei laut Untersuchungen enorm. „Ich habe bis 3 Uhr gesoffen und stand trotzdem ohne ,Schädel‘ um 10 Uhr wieder auf dem Trainingsplatz.“

Die Kurve bekam der heute 56-Jährige erst, als sein ehemaliger Mitspieler Christian Hochstätter hinter seinem Rücken einen Platz in einer Entzugsklinik für ihn besorgte. Mittlerweile ist Uli Borowka seit vielen Jahren trocken, sämtliche Schulden sind abbezahlt, und er kümmert sich täglich darum, Menschen mit einem ähnlichen Schicksal zu helfen.

Uli Borowka im Gespräch mit Björn Meyer vom Förderverein des Osnabrücker Graf-Stauffenberg-Gymnasiums. Foto: Elvira Parton

Von Borowkas Angebot, ihm jede Frage stellen zu können, machten die GSG-Schüler reichlich Gebrauch. Der Ex-Profi beantwortete dann auch tatsächlich alles – und bekam für seinen eineinhalbstündigen Auftritt einen nicht enden wollenden Applaus.


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