Legendäres aus der Krautrock-Ära Guru Guru gastieren zum 50-Bandjubiläum im Rosenhof

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Mit 77 Jahren immer noch auf Tour mit Guru Guru: Schlagzeuger Mani Neumeier. Foto: Frank SchindelbeckMit 77 Jahren immer noch auf Tour mit Guru Guru: Schlagzeuger Mani Neumeier. Foto: Frank Schindelbeck

Osnabrück. 1968 gründete Schlagzeuger Mani Neumeier mit zwei Kollegen die Band Guru Guru. Anlässlich des 50-jährigen Bandjubiläums sprachen wir mit dem Kultmusiker über Politik, das Altern, über den „Elektrolurch“ und seine Wachsfigur in einem Tokioter Museum.

Herr Neumeier, im Moment scheinen Sie mit Ihrer Band Guru Guru ziemlich aktiv zu sein. Hat das einen besonderen Grund?

Wir feiern mit unserer Band das 50-jährige Jubiläum. Daher sind wir jetzt auf Tour, das heißt, jedes Wochenende spielen wir zwei bis drei Konzerte. Insgesamt werden das 66 Gigs in diesem Jahr sein. Die meisten finden in Deutschland statt, aber auch einige in der Schweiz und in Österreich. Vor ein paar Tagen sind wir im Allgäu aufgetreten.

Es hört sich so an, als planten Sie zwischendurch immer ein paar freie Tage zum Ausspannen ein.

Richtig, wenn wir die nicht hätten, wäre ich schon nach einem Monat tot umgefallen. Unsere Liveauftritte waren immer schon anstrengend, auch schon vor 30 Jahren. Jetzt sind wir allerdings ein ganzes Stück älter und dadurch wird das Ganze nicht leichter. Wir entfachen nach wie vor starke Energie und haben viel Freude auf der Bühne. Das überträgt sich so intensiv auf das Publikum, dass uns die Leute hinterher reihenweise umarmen.

Wie halten Sie sich denn körperlich fit?

Naja, ich laufe manchmal ein bisschen im Wald rum oder mache manchmal ein paar gymnastische Übungen. Unser Gitarrist, der Roland Schaeffer, der spielt Tennis und fährt Ski. Wir anderen halten es mehr mit der Musik, wenn es um körperliche Ertüchtigung geht.

Sie sind jetzt 77 Jahre. Offenbar kann man mit Jazzmusik und Rock gut alt werden.

Natürlich, dafür gibt es ja viele Beispiele. Lionel Hampton habe ich gesehen, da war er 84, und das war ein fantastisches Konzert. B. B. King habe ich mit 83 gesehen, und das war super. Für mich selbst wünsche ich mir, dass ich in ein paar Jahren immer noch gute Musik machen kann.

Auch in Japan? Offenbar haben Sie eine besondere Beziehung zum Land der aufgehenden Sonne.

Mit Guru Guru haben wir einmal dort gespielt, und zwar 1996, als im Tokyo Tower meine Wachsfigur aufgestellt wurde. Seither war ich häufiger dort, aber alleine, um mit japanischen Musikern zu spielen. Es ist toll dort. Mich fasziniert das ganze Land, die Kultur.

Wie erklären Sie es sich, dass Sie als Krautrock-Musiker im Tokioter Wachsmuseum neben Koryphäen wie Jimi Hendrix, John Lennon und den Beatles ausgestellt sind?

Die Museumsleitung schätzt mich als wichtigen, einflussreichen europäischen Musiker. Viele Japaner haben ja einen engen Bezug zur Musik aus dem Westen, egal ob Klassik oder Hardrock. Interessant ist, dass, wenn japanische Musiker Stilistiken von uns übernehmen, dann ganz extrem, mit gewaltigerem Effekt als das Original.

Sprechen wir über Ihren Auftritt in Osnabrück. Gibt es schon eine Setlist oder wird improvisiert?

Es gibt eine Liste. Von dem aktuellen Album „Rotate“, das wir zum Jubiläum aufgenommen haben, werden wir zwei oder drei neue Stücke vorstellen. Ansonsten werden wir auch Klassiker wir „Ooga Booga“ oder den „Elektrolurch“ spielen. Besonders der Lurch wird stark variiert zu hören sein. Der darf ja nicht verstauben. Ansonsten wird in den Stücken natürlich viel improvisiert.

Früher sind Sie bei politischen Veranstaltungen aufgetreten, zum Beispiel für den SDS, den Sozialistischen Deutschen Studentenbund. Machen Sie das heute auch noch?

Erstens gibt es den SDS nicht mehr, außerdem gibt es keine passende Bewegung außer Rock gegen Rechts, an die wir uns dranhängen könnten. Will heißen: Wir schwenken keine grünen Fähnchen, schwarze sowieso nicht, wir schwenken nur noch das Guru Guru-Fähnchen.

In den 80er Jahren gründeten Sie das Finkenbach Festival im hessischen Oberzent. Gibt es das „Finki“ immer noch?

Ja, es lebt. Wir hatten in diesem Jahr bombiges Wetter, das Festival war ausverkauft und alle alten Bekannten waren da: Amon Düül II, Kraan, Jane, Birth Control, Embryo, zwei junge Bands und viele andere.

Das hört sich nach einer Art Klassentreffen an.

Klar, das kann man so sagen. Alle waren versammelt, es herrschte einfach tolle Stimmung. Und wer weiß, wie oft wir das noch machen können. Wir werden ja alle nicht jünger.


Guru Guru live: Donnerstag, 8. November, 20 Uhr, Rosenhof

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