Männer kriechen in Wassertanks Darum ist das Osnabrücker Nettebad zwei Tage lang geschlossen

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Oliver Tometzek reinigt per Hand die beiden 1500 Liter großen Warmwassertanks für die Duschen des Nettebads. Mit den Jahren haben sich dort Kalkablagerungen gebildet. Foto: Michael GründelOliver Tometzek reinigt per Hand die beiden 1500 Liter großen Warmwassertanks für die Duschen des Nettebads. Mit den Jahren haben sich dort Kalkablagerungen gebildet. Foto: Michael Gründel 

Osnabrück. Kaputte Fliesen, verkalkte Wassertanks und allerlei Technik, die ausgetauscht werden muss: Das erste Mal seit 13 Jahren ist das Osnabrücker Nettebad zwei Tage lang komplett wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. 200.000 Euro investieren die Stadtwerke, um das Bad wieder auf Vordermann zu bringen.

Wenn am Donnerstagmorgen die ersten Schwimmer ihre Bahnen im Osnabrücker Nettebad ziehen, ist ein gewichtiger Teil der sogenannten Revisionsarbeiten in Osnabrücks größtem Bad bereits abgeschlossen. In der Nacht zu Dienstag begannen die Stadtwerke mit der Instandhaltung, dazu wurde das Nettebad komplett heruntergefahren. "Schwimmbäder haben einen enormen Wartungsbedarf. Ich kann mich noch erinnern, dass beispielsweise das Niedersachsenbad früher für vier bis sechs Wochen komplett geschlossen war. Heute geht das natürlich nicht mehr", sagt Jürgen August, Bädertechnik-Leiter bei den Stadtwerken.

Revisionsarbeiten

Als Revisionsarbeiten bezeichnen die Stadtwerke quasi die Instandsetzungsarbeiten in ihren Schwimmbädern. Dabei werden beispielsweise Fliesen in den Becken ausgetauscht oder Leitungen erneuert. Auch die Überprüfung der Bädertechnik steht regelmäßig auf dem Programm. Die Revisionsarbeiten finden in regelmäßigen Abständen statt und werden von langer Hand geplant.

In der Regel schaffen es die Stadtwerke, kleinere Revisionsarbeiten außerhalb der normalen Öffnungszeiten zu erledigen – oder sie nutzen Tage wie beispielsweise Heiligabend, wenn die Bäder eh geschlossen haben. "Wenn andere unter dem Tannenbaum liegen, dann liegen unsere Mitarbeiter unter dem Schwimmbecken, um die Technik zu warten", sagt August. Weil sich beim Nettebad Einiges angestaut hatte und sich hinter den Kulissen das Bades ein komplexes System aus Pumpen, Speichern und viel Technik befindet, kamen die Stadtwerke nicht um eine zweitägige Schließung herum.

Im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten nun Stadtwerke-Mitarbeiter und Handwerksfirmen aus der Region Hand in Hand, damit das Nettebad pünktlich wieder hochgefahren werden kann. "Das ist natürlich ein schmales Zeitfenster, aber wir haben alles seit Monaten im Detail geplant. Es funktioniert auch nur, weil wir Betriebe aus der Region engagiert haben, denen wir zu 100 Prozent vertrauen", sagt der Bäderexperte.

Aus meinen Erfahrungen beim Technischen Hilfswerk weiß ich, dass Aufregung in solchen Situationen rein gar nichts bringt.Jürgen August, Leiter Bädertechnik

August, der in den Katakomben des Nettebades nach eigenem Bekunden jedes Rohr kennt, ist erstaunlich entspannt, obwohl doch alles binnen kurzer Zeit erledigt werden muss. "Aus meinen Erfahrungen beim Technischen Hilfswerk weiß ich, dass Aufregung in solchen Situationen rein gar nichts bringt. Außerdem sind wir gut vorbereitet."

Mitarbeiter einer Fachfirma bauen Frequenzumformer in Schaltschränke der Badtechnik ein. Foto: Michael Gründel

Ein Großteil der Technik, die aktuell auf Vordermann gebracht wird, liegt übrigens dort, wo früher die Turmspringer ins Wasser knallten, an den Wänden im Keller des Freizeitbades sind noch die Fliesen des alten Sprungbeckens zu sehen. Direkt daneben befindet sich ein Gewirr aus Rohren, Absperrventilen und mannsgroßen Wasserfiltern. Hier findet die Detailarbeit statt, eine Fachfirma kümmert sich beispielsweise um den Austausch von Frequenzumformern. Diese pralinenschachtelgroßen Geräte regeln grob gesagt unter anderem die Drehzahl der zahlreichen Pumpen, die 24 Stunden am Tag laufen. "Die Einstellung der Frequenzumformer ist aufwendig. Wir versuchen dabei, jede Wattstunde einzusparen", sagt August.

Freizeitbad ohne Wasser: So sieht es aus, wenn die Stadtwerke ihre Schwimmbecken im Osnabrücker Nettebad saniert. Foto: Michael Gründel

Etwas einfacher ist dann schon die Reinigung der Tanks, in denen das Warmwasser für die rund 120 Duschen vorgehalten wird. Mit den Jahren haben sich in den beiden 1500 Liter-Tanks Kalkablagerungen angesammelt, die per Hand entfernt werden. "In den Stoßzeiten, wenn die Duschen im Dauerbetrieb sind, reichen die 3000 Liter für fünf Minuten", sagt August im Vorbeigehen. Danach springt quasi ein Durchlauferhitzer an, der dafür sorgt, dass kein Badegast kalt duschen muss. Die Stadtwerke tauschen darüber hinaus auch rund drei Dutzend Absperrorgane im Rohrsystem aus.

Per Hand werden auch die Siebe gereinigt, die alles filtern, was man nicht im Schwimmbadwasser finden möchte. Foto: Michael Gründel

Gereinigt werden zudem die Siebe, die ständig Fremdkörper aus dem Badewasser filtern. Nicht immer ist das eine schöne Angelegenheit, wie August anmerkt. "Sie finden dort alles, was vom menschlichen Körper kommt. Fingernägel, Zähne, Haare und mehr. Die Siebe säubern wir übrigens per Hand."

Udo Gammert überprüft die frisch angelegten Fliesen im Freizeitbereich des Osnabrücker Nettebads. Foto: Michael Gründel

Die sichtbarsten Arbeiten finden jetzt und in den kommenden Tagen noch im Freizeitbad statt: Fachbetriebe bessern hier und da kaputte Fliesen aus, andere Bereiche werden komplett erneuert. Auch Duschen wurden abgebaut und gereinigt. Während die Loma-Sauna und der Sportbadbereich schon am Donnerstag wieder öffnen, ziehen sich die Arbeiten im Freizeitbad noch bis in die kommende Woche. 

Die Bademeister des Nettebades bauen momentan erst einmal die im Sommer angehäuften Überstunden ab. August und seine Kollegen sind dagegen neben der Betreuung der laufenden Arbeiten schon jetzt bei der Planung für den kommenden Sommer: Dann stehen die nächsten Revisionsarbeiten in den Osnabrücker Bädern an.


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