Premiere im Theater Osnabrück „Der brave Soldat Schwejk“ kam beim Publikum gut an

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Auf dem Weg zur Front: Die Osnabrücker Schauspieler Philippe Thelen, Stefan Haschke und Klaus Fischer in „Der brave Soldat Schwejk“. Foto: Kerstin SchomburgAuf dem Weg zur Front: Die Osnabrücker Schauspieler Philippe Thelen, Stefan Haschke und Klaus Fischer in „Der brave Soldat Schwejk“. Foto: Kerstin Schomburg

Osnabrück. Freudiger Applaus beim Premierenpublikum: Im Osnabrücker Theater am Domhof wurde am Dienstagabend die aus Krankheitsgründen verschobene Uraufführung von „Der brave Soldat Schwejk“ nach einem Roman von Jaroslav Hašek und in einer Fassung des zeitgenössischen Dramatikers David Gieselmann nachgeholt, die Regisseur Thomas Dannemann und das Ensemble noch einmal bearbeitet haben.

Osnabrück Ein hohes, mehrstöckiges Holzgerüst, steile hölzerne Stiegen, auch mal Westernstiefel zum Kampfanzug und viel männlich-barsches Imponiergehabe: Raffiniert rückt Regisseur Thomas Dannemann die im Ersten Weltkrieg angesiedelte Szenerie um Jaroslav Hašeks Roman in die Nähe des Westerns. Hat er nicht recht, verfallen Regierungen nicht auch heute allzu leicht wieder in autoritäres,säbelrasselndes Cowboy-Gebaren, sobald Konflikte in der Luft liegen?

Einer bleibt standhaft

Aber da gibt es einen, der innerlich standhaft bleibt bei allen Einschüchterungsversuchen: Josef Schwejk. Der Osnabrücker Schauspieler Stefan Haschke ist dafür genau der Richtige in der Uraufführung von „Der brave Soldat Schwejk“ im Osnabrücker Theater am Domhof. Erst gibt er frei von der Leber weg und so gar nicht obrigkeitsgläubig Kommentare zur politischen Lage kurz vorm Ausbruch des Weltkriegs kund.

Als er deswegen verhaftet wird als Vaterlandsverräter, wiederholt er einfach mit „melde gehorsamst“ und Unschuldsmiene Befehle und Beschimpfungen seiner Vorgesetzten, deren Absurdität auf diese Weise erst so richtig kenntlich wird. Schade eigentlich, dass es die freie Meinungsäußerung heute hier und da wieder so schwer hat, dass man die Geschichte vom braven Soldaten Schwejk wieder spielen sollte. Von einem Soldaten, der mit seinem passiven Widerstand gar nicht so brav ist, zumindest nicht in der Fassung des Stoffs von David Gieselmann, die Thomas Dannemann und das Osnabrücker Ensemble mit dem Autor gemeinsam noch einmal bearbeitet haben.

Amüsant und leicht grotesk geht es auf der Bühne des Theaters am Domhof zu, wenn ein Schwarm weiß bekittelter Ärzte und fantasievoll uniformierter Militärs den ach so gefährlichen Josef Schwejk aus dem Verkehr zieht: erst ins Irrenhaus und dann an die Front. Ein Feuerwerk kleiner, witziger Regieeinfälle geht auf die Zuschauer nieder, das aber besonders im ersten Teil der knapp dreistündigen Inszenierung Längen nicht ganz verhindert.

Schauspielerische Highlights setzen in der Premiere neben Haschke Dietmar Pröll als knorrig polternder, dabei schon ziemlich schräger Oberst Schröder und Philippe Thelen als Oberleutnant Lukasch, der vielleicht wegen seiner militärischen Zackigkeit manche Worte doppelt spricht. Auch Klaus Fischer sorgt für köstlich skurrile Auftritte, wenn er als in Amtswürde verknöcherter, greiser General über die Bühne schleicht oder seinen Krückstock auf Schwejks nackten Allerwertesten setzt.

Wenn Hirsche röhren

Den finalen Dreh in Richtung Heiterkeit bekommt die Inszenierung beim Publikum mit dem unsinnigen Dechiffrierungscode für militärische Anweisungen aus einem Ludwig-Ganghofer-Roman. Jetzt wird viel gelacht bei der Premiere, auch wenn der geniale Western-Saloon (Bühne und auch großartige Kostüme: Justus Saretz) nun als Zug in Richtung Front rattert und die Granateneinschläge näher rücken.

Wobei Schwejk und seine Mitsoldaten anfangs nicht etwa ins Schlachtgetümmel, sondern in ein röhrendes Hirschbrunftgeschehen geraten sind – noch so ein ironischer Kommentar des Regisseurs zu uralten Konstanten kriegerischen Handelns. Wenn am Ende Cornelia Kempers als allgegenwärtiger Autor Hašek tot umfällt, verdrückt sich Josef Schwejk still von der Bühne. Immerhin mit schuldbewusstem Blick zurück – köstlich. Freudiger Zuschauerjubel für ihn und eine Inszenierung, in der sich Leichtigkeit und Intelligenz miteinander verbünden.


Weitere Aufführungen: 14., 15. und 20. November. Kartentel. 0541-7600076.

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