„Das Publikum mitnehmen“ Wolfgang Herrndorfs „Bilder Deiner Großen Liebe“ im Emma-Theater

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Regiedebütantin Rona Ludin (links) inszeniert „Bilder Deiner Großen Liebe“, Johanna Franke spielt Isa.   Foto: Swaantje HehmannRegiedebütantin Rona Ludin (links) inszeniert „Bilder Deiner Großen Liebe“, Johanna Franke spielt Isa. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Raumfüllend, performativ und buchstäblich etwas verrückt vom vermeintlich Normalen: So inszeniert Regiedebütantin Rona Ludin Wolfgang Herrndorfs „Bilder Deiner Großen Liebe“ als Ein-Personen-Stück im Emma-Theater.

Und so ist auch Isa, die bereits in „Tschick“ eingeführt wurde und im unvollendeten Nachfolge-Roman mit der Erzählung ihrer ganz eigenen Geschichte „Einblicke in ihre Innenwelt“ erlaubt, wie Dramaturgin Karin Nissen-Rizvani beim Vorgespräch betont. Dass die Dialoge mit Menschen, die Isa auf ihrem barfüßigen Weg aus einer Anstalt in die äußere, freie Welt begegnen, in einen Monolog eingebaut werden, der auch deshalb kein klassischer ist, geschieht nicht nur aus pragmatischen Gründen. 

Ambivalente Figur

Darstellerin Johanna Franke soll die Zuschauer im doppelten Sinne mitnehmen auf Isas emotionale Reise. Zum einen körperlich, indem das Publikum durch seine nicht statische Verteilung im Raum mitgehender Teil ihres Weges wird. Zum anderen im Kopf, wo im Idealfall Bilder entstehen, die der Autor mit einer Sprache malt, die viel Poesie und „riesige Schachtelsätze“ enthält, dann aber auch wieder „auf den Punkt“ kommt, wie Franke einen Text beschreibt, der ebenso ambivalent erscheint wie dessen Ich-Erzählerin. Auf der einen Seite könne man durchaus Verständnis für Isa entwickeln, da sie eine interessante, „verzerrte Perspektive“ entwickelt, die „in jedem von uns steckt“, auf der anderen Seite frage man sich aber auch immer wieder, warum sie ausgerechnet jetzt „komplett durchdreht“, sagt Ausstatterin Lan Pham, die erstmals für das Bühnen- und Kostümbild verantwortlich zeichnet. 

Auseinandersetzung mit Andersartigkeit

Permanent „zwischen Abgrund und Euphorie“ bewege sich die im bereichernden Sinne „überfordernde“ Figur, ergänzt die Dramaturgie: Ihre radikale Kompromisslosigkeit und ihr „Freiheitsbewusstsein“ steigere sich im Verlauf einer Reise, die den Zuschauer in ein eigenes Universum von Weltsichten und Auslegungen entführt. Unabhängig davon, ob Isas darauf bezogenen, mitunter extremen Erlebnisse nun tatsächlich erfahren oder erfunden sind, werden die Zuschauer zur Auseinandersetzung mit Andersartigkeit animiert – und im Ergebnis bestenfalls zu einer „entspannteren Sichtweise auf die Welt“, wagt ihre Darstellerin zu hoffen.


Weitere Vorstellungen im Emma-Theater neben der bereits ausverkauften Premiere am Freitag gibt es am Samstag, 24.11., um 21.45 Uhr, und am Freitag, 28.12. um 19.30 Uhr.

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