Sinfoniekonzert am Montag Konzert für einen einarmigen Pianisten bei Musica pro pace

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Liebt das Klavierkonzert für die linke Hand von Maurice Ravel: Alexander Krichel, der Solist beim diesjährigen Musica-pro-pace-Konzert. Foto: Henning RossLiebt das Klavierkonzert für die linke Hand von Maurice Ravel: Alexander Krichel, der Solist beim diesjährigen Musica-pro-pace-Konzert. Foto: Henning Ross

Osnabrück. Das diesjährige Konzert Musica pro pace steht im Zeichen des Ersten Weltkriegs, der vor 100 Jahren zu Ende ging. Auf dem Programm steht Musik von Ravel und Brahms.

Wenn ein Pianist von einem Hund gebissen wird, und zwar in die rechte Hand, dann ist das in der Regel nicht wirklich lustig. Alexander Krichel aber hat seiner Golden-Retriever-Dame Cassy schnell verziehen: Die hat unlängst zugebissen – aus Versehen, wie Krichel versichert – und einen Fingernagel der rechten Hand so lädiert, dass er beim Spielen gestört hat. Die glückliche Pointe dabei: Krichel übte in der Phase gerade das Klavierkonzert für die linke Hand von Maurice Ravel. Das Konzert, mit dem Krichel kommenden Montag beim Sinfoniekonzert in der Osnabrückhalle gastiert. Weiterlesen: Alexander Krichel im Sendesaal von Radio Bremen

Der Erste Weltkrieg aus Sicht der Musik

Die Entstehungsumstände des Konzerts sind indes alles andere als lustig: Der Pianist Paul Wittgenstein hat dieses Werk bei Maurice Ravel in Auftrag gegeben, nachdem er im Ersten Weltkrieg den rechten Arm verloren hatte. Das fügt sich in den Kontext des Konzerts, das gleichzeitig das diesjährige Musica-pro-pace-Konzert bildet. "Natürlich beschäftigt sich Musica pro pace im Jahr 2018 mit dem Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren", sagt Stefan Hanheide. Der Musikwissenschaftler an der Universität Osnabrück plant seit vielen Jahren Musica pro pace als musikalischen Beitrag zu den Osnabrücker Friedensgesprächen. Das Klavierkonzert von Ravel drängt sich ihm förmlich auf, weil darin "der Krieg allgegenwärtig ist", wie Hanheide den Pianisten Pierre-Laurent Aimard zitiert.

Krichels Deutung fällt ein bisschen milder aus. "Es zeigt Licht", sagt der 29-jährige Hamburger. "Das Ende ist aber nicht positiv." Wie auch - nach dem Ende des schrecklichen Krieges. "Es gibt einen lyrischen Teil", sagt Krichel weiter, kommt aber doch zu dem Fazit: "Insgesamt ist das Werk sehr düster." Das steht aber keineswegs im Gegensatz zur musikalischen und pianistischen Brillanz. "Hört man es blind, wird nicht ersichtlich, dass es nur für die linke Hand komponiert wurde." Eine Solopassage zeigt gleich am Anfang, "was die linke Hand alles kann." Diese kompositorische Klasse überzeugt auch Hanheide - das Konzert sei "das wirkungsvollste Werk", das Wittgenstein in Auftrag gegeben hat, sagt er. Weiterlesen: Musica pro pace 2017

Hommage mit verstörendem Schluss

Von Ende und Auflösung erzählt auch das zweite Werk des Musica-pro-pace-Konzerts, "La Valse", ebenfalls von Maurice Ravel. Ursprünglich als Hommage an Wien, den Walzer und den Walzerkönig Johann Strauß konzipiert, endet das Werk mit einem "verstörenden Schluss", der nichts mehr mit Strauß, wohl aber "mit Krieg" zu tun hat. Wie der erste Weltkrieg der Donaumonarchie ihr Ende bereitet hat, steht am Ende von "La Valse" "Katastrophenstimmung".

Nun entlassen Chefdirigent Andreas Hotz und das Osnabrücker Symphonieorchester aber ihre Zuhörer nicht in dieser düsteren Stimmung in die Nacht. Im Gegenteil: Mit der zweiten Sinfonie von Johannes Brahms steht ein ausgesprochen heiteres Werk am Ende des Programms. Wie passt das? 

Argumente für diesen Stimmungsumschwung hat Hanheide in Konzertprogrammen deutscher und österreichischer Orchester aus der Zeit des Ersten Weltkriegs gefunden. Was wurde 1918 gespielt, hatte er sich gefragt – und Antworten gefunden, die nur auf den ersten Blick überraschend sind. "In Leipzig standen gleich zwei Zyklen mit allen vier Brahms-Sinfonien auf den Programmen", sagt Hanheide. Denn man habe sich mithilfe der Musik "eine Gegenwelt geschaffen". Nicht die heitere Grundstimmung der D-Dur-Sinfonie war dabei ausschlaggebend; "das war kein Trost, sondern nichts als reine Musik." Mit Brahms zog sich das Publikum zurück in eine Welt des Unpolitischen – vermutlich, weil die Politik da längst an ihr Ende gekommen war.


2. Sinfoniekonzert:

Montag, 12. November, 20 Uhr, Osnabrückhalle. Kartentelefon: 0541/7600076 Onlinetickets: www.theater-osnabrueck.de

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