Wahlkampf im "Grand Hotel" Martin Sonneborn unterhält in Osnabrück mit Spontan-Auftritt

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Macht gerne Witze über Osnabrück: Der Europaabgeordnete und Satiriker Martin Sonneborn, in grauer Vorzeit ein Abiturient der Ursulaschule. Foto: Swaantje HehmannMacht gerne Witze über Osnabrück: Der Europaabgeordnete und Satiriker Martin Sonneborn, in grauer Vorzeit ein Abiturient der Ursulaschule. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Wahlkampf betreiben und dabei für Stimmung und Unterhaltung sorgen – das gelang dem Europaabgeordneten Martin Sonneborn in Osnabrück. Der Vorsitzende der Spaßpartei "Die Partei" trat mit seinem Programm „Trinker fragen – Politiker antworten“ in der Kneipe "Grand Hotel" auf.

Kommt ein Europaabgeordneter in die Eckkneipe und macht Wahlkampf – was schon für sich alleine wie der Anfang eines Witzes klingt, brachte die Gäste am Montagabend immer wieder zum Lachen. Mit einem großen Glas Bier saß der ehemalige Redakteur des Satiremagazins „Titanic“ auf seiner kleinen Bühne. „So sieht ein Mann aus, der in der Kneipe sitzt und Bier trinkt – danke, dass sie zuschauen“, eröffnete der Europaabgeordnete seinen Auftritt. Ganz im Stil seiner Spaßpartei „Die Partei“ unterhielt Sonneborn fast zwei Stunden mit Witz, Ironie und provozierenden Worten. Im Mai stehen die Europawahlen an, das Ziel des ehemaligen Osnabrückers ist klar: Er will wieder ins Parlament.

Für besonders viel Stimmung sorgten die Wahlplakate, die der Satiriker präsentierte. Eines sei für „Typen wie Sie, Umlandtypen“ gemacht, erklärte Sonneborn den zahlreichen Gästen. Das Plakat zierte die Schrift „Wer das liest ist dorf“ und sei eigens für die ländliche Bevölkerung gedacht. „Wir sind ja nicht an Inhalte gebunden“ erklärte Sonneborn, schon allein Plakat-Slogan „Ja zu Europa. Nein zu Europa“ verdeutliche das. Dementsprechend verhalte sich der Politiker auch im Europaparlament: „Ich stimme ja immer abwechselnd mit ja und nein“.

Dicke, weiße Männer ärgern

Was macht er im Parlament eigentlich? Das frage er sich auch, so Sonneborn. Seine Aufgaben sehe er erstens darin, die unseriösen Seiten der Politik zu zeigen – die seriösen Seiten zeigten andere schließlich bereits reichlich. Zweitens „ärgere ich dicke, weiße Männer, die die EU dahin gebracht haben, wo sie ist, nämlich in die Krise“. Drittens schwinge er große Reden vor einem überwiegend leeren Plenum. Vier Minuten habe er in den letzten vier Jahren gearbeitet, so Sonneborn. Als Beweis dafür zeigte er Videos von seinen einminütigen Reden – mehr Zeit bekomme er im Parlament für seine Ansprachen meist nicht zugebilligt.

Seine Reden sorgten sichtlich für Erheiterung, das Publikum kam aus dem Lachen kaum wieder heraus. Sonneborn wechselte stetig zwischen Witz und Beleidigung, dazwischen fanden sich auch ernste Position: Mal sprach der Europaabgeordnete davon, dass er es nicht in Ordnung finde, den Genozid an den Armeniern zu verbergen oder beschwerte sich darüber, dass Irland keine Steuern vom dort ansässigen Konzern Apple verlangt.

"Ein Politiker, der mit satirischen Methoden arbeitet"

Auf Nachfrage des Publikums – welches den Politiker wahlweise mit „Ihre Exzellenz“ oder „Herr Magister“ ansprechen sollte – erläuterte dieser sein Selbstbild: „Ich bin ein Politiker, der mit satirischen Methoden arbeitet“, erklärte er und lieferte direkt die Begründung für diese ungewöhnliche Attitüde: „Lustige Plakate werden öfter geteilt im Internet“. Er selbst glaube daran, dass die EU funktionieren könnte, nur: „nicht mit den Leuten“. Die Wähler müssten seiner Meinung nach mehr linke Parteien wählen.

Zum Schluss stellte ein Gast die Frage, ob sich Sonneborn als geborener Göttinger und ehemaliger Osnabrücker Ursulaschüler nicht vorstellen könnte, „Die Partei“ im niedersächsischen Landtag zu vertreten. Die Antwort fiel dem Politiker sichtlich leicht: „Nein.“ Die Erklärung: „Ich bin doch nicht verrückt und ziehe nach Hannover“. Er wolle unbedingt weiter in das Europaparlament, dort könne man schließlich „viel mehr Verwirrung stiften“.


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