Klangexperiment im Kirchenschiff Orgeltöne ohne Orgel in der Kunsthalle Osnabrück

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Foto: Hermann PentermannFoto: Hermann Pentermann

Osnabrück. „Heute hat die Orgel wieder schön gespielt“ lautet der Titel einer Klangperformance, die bis zum Januar in der Kunsthalle Osnabrück zu erleben ist.

Die Kunsthalle Osnabrück macht ihrem Ruf als Ort für Performancekunst alle Ehre. Zur Eröffnung der neuen „Ausstellung“ ist im Kirchenschiff keine Kunst zu sehen. Aber zu hören. Aus sechs Lautsprechern schallen Orgeltöne. Gewöhnungsbedürftige Orgeltöne. Weder Bach noch Schubert wird geboten. Stattdessen drängen einzelne Töne an die Trommelfelle oder ein leiser Akkord, dann wiederum zieht der Organist alle Register. Aber auch Geräusche erfüllen den Raum: Es klappert, jault, ächzt und manchmal sirrt es alarmartig in den höchsten Sphären.

Verantwortlich für diese außergewöhnliche Komposition zeichnet William Engelen. Der Niederländer machte sich mit Arbeiten einen Namen, die bildende Kunst und Musik in sich vereinen. Auf Einladung von Kunsthallenleiterin Julia Draganovic war der Künstler mehrere Male in Osnabrück zu Besuch, um ein Werk zu kreieren, das auf die besonderen Gegebenheiten vor Ort eingeht.

„Wo ist denn die Orgel“, sei die erste Frage gewesen, die Engelen gestellt habe, so Draganovic in ihrer Begrüßungsrede. Gemeinsame Recherchen ergaben, dass die Original Klausing-Orgel, die vor 300 Jahren in der Dominikanerkirche gespielt wurde, 1819, während der Säkularisierung der Kirche durch Napoleons Truppen, in die St. Matthäus-Kirche in Melle transportiert und dort installiert wurde.

Darauf baut nun das Konzept der aktuellen Klangperformance „Heute hat die Orgel wieder schön gespielt“ auf: In Melle ließ Engelen den Kirchenmusiker Stephan Lutermann eine 76-minütige Komposition spielen, die aufgezeichnet wurde und jetzt in der Kunsthalle zu hören ist. So transloziert der Künstler die historische Orgel, bringt sie virtuell an ihren ursprünglichen Ort zurück.

Videos von dem Originalkonzert in Melle, in denen unter anderem die „Arbeit“ Engelens an dem manuellen Balgenwerk zu beobachten ist, ergänzen im Foyer der Kunsthalle das Klangerlebnis, das subtil mit der Erwartungshaltung der Zuschauer und Zuhörer spielt. Dort ist dann auch der Organist zu sehen, der in der Kirche normalerweise im Verborgenen agiert. Gemeinsam erforschten Künstler und Organist die Kapazitäten des Instruments und die akustischen Potentiale des Raumes.

Neben den unkonventionellen Notationen, die der Komposition zugrunde lagen, ist im „Aquarium“ genannten Anbau der Kunsthalle eine audiovisuelle Dokumentation der Performance „Gebrauchsspuren“ zu erleben. Es handelte sich um eine Art „Warm Up“ im September dieses Jahres, bei dem der kanadische Pianist Benoit Gagnon eine experimentelle Komposition Engelens im Lortzinghaus spielte, die ausschließlich auf dem Platz vor dem Gebäude zu hören war.


Kunsthalle Osnabrück: „Heute hat die Orgel wieder schön gespielt“. Klangperformance und Videoinstallation von William Engelen. Bis 20. Januar, Di. 13-18 Uhr, Mi., Do. und Fr. 11-18 Uhr, Sa. und So. 10-18 Uhr.

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