Personalmangel und keine Parkplätze Osnabrücker Restaurant Fricke Blöcks hat geschlossen

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Die Tür zum Restaurant Fricke Blöcks im Katharinenviertel bleibt seit Dienstag geschlossen. Foto: Jana HenschenDie Tür zum Restaurant Fricke Blöcks im Katharinenviertel bleibt seit Dienstag geschlossen. Foto: Jana Henschen

Osnabrück. Erschöpft und traurig zeigt sich Tobias Neumann, der als Geschäftsführer sein Restaurant "Fricke Blöcks" im Katharinenviertel geschlossen hat. Unserer Redaktion erzählte er, wie es dazu kam.

Teller und Gläser packen Neumann, seine Frau und die Eltern in Kartons und räumen die Sachen in einen Transporter. Seit Dienstag ist das Restaurant im Katharinenviertel zu. Möglichst schnell soll hier jetzt alles abgewickelt werden. "Das ist für uns Geschichte. Wir werden kein zweites Tagesgeschäft machen", sagt der 33-Jährige unserer Redaktion. Er werde sich jetzt ganz auf sein Restaurant "Steakmeisterei" am Wall konzentrieren.

"Ich bin traurig, zu schließen, aber freue mich, wieder etwas Privatleben zu haben", sagt der ausgebildete Koch, der das traditionsreiche "Fricke Blöcks" an der Herderstraße vor zehn Jahren übernahm, modernisierte und neu ausrichtete – von der leicht abgerockten Szenekneipe zum gehobenen Restaurant. Den Gästen bot er fortan Gerichte aus regionalen und saisonalen Produkten sowie eine umfangreiche Weinkarte aus rund 70 Positionen. "Unsere Stammgäste wussten, dass sie hier ein gutes Produkt bekommen", sagt er rückblickend.

Gastronom leidet unter Fachkräftemangel

Doch der allgegenwärtige Mangel an Personal und Fachkräften in der Gastronomie habe letztlich zum Aus geführt. "Wir wollen nicht mehr der Spielball der Mitarbeiter sein", sagt Neumann, "der Leidensdruck der Gastronomen ist in puncto Personal zu groß". So sei vor ein paar Wochen ein Mitarbeiter an verschiedenen Tagen einfach ohne Begründung nicht zum Dienst erschienen. Eine Woche später habe er dann eine 120-prozentige Gehaltserhöhung gefordert und wollte sein Geld zudem künftig täglich im Voraus erhalten. Daraufhin habe er die fristlose Kündigung erhalten. Neumann hatte zudem mit weiteren Ausfällen zu kämpfen: Anfang des Jahres kündigte sein Küchenchef, weil er sich persönlich und beruflich umorientieren wollte. Im Laufe des Jahres gingen dann weitere langjährige Mitarbeiter, aus verschiedensten Gründen.

In den vergangenen Wochen sei es ohne die Unterstützung seiner Familie, die Waren einkaufte oder in der Küche aushalf, nicht gegangen, erzählt Neumann. Am Wochenende habe er sich dann dazu entschlossen, das "Fricke Blöcks" zu schließen. Seine Entscheidung verkündete er auf Facebook – für die Stammgäste wie aus heiterem Himmel. Eine Kundin kommentierte: "Danke, dass ich meine Geburtstage bei Euch feiern durfte und für das weltbeste Schnitzel. Ihr werdet fehlen!" Mit diesen Reaktionen hatte der Gastronom wohl nicht gerechnet: "Ich hatte damit heute ganz schön zu kämpfen", gibt er zu. "Ich freue mich über das Lob. Das macht einen stolz."

Gute Nachbarschaft im Katharinenviertel

Doch in Summe sei die Entscheidung richtig. Denn zu dem Personalmangel komme der gestiegene Wettbewerb, sagt Neumann. In Osnabrück gebe es mittlerweile einige weitere Restaurants, die auf einem ähnlichen Level arbeiteten. "Das Kuchenstück für jeden einzelnen wird kleiner." Zudem lägen die anderen Restaurants an besser erreichbaren Standorten mit genügend Parkplätzen. Der Standort des "Fricke Blöcks" sei in dieser Hinsicht nicht optimal. Vermissen werde er die Umgebung trotzdem: "Im Katharinenviertel haben wir tolle Nachbarn, die uns sofort willkommen geheißen haben und mit denen wir nie Stress hatten, auch wenn mal länger gefeiert wurde."

Was mit den von Neumann gemieteten Räumen wird und ob dort möglicherweise bald ein anderer Betreiber eine Gaststätte eröffnet, konnte der Gastronom nicht sagen. Das Haus Herderstraße 26 hat eine lange gastronomische Tradition, die möglicherweise sogar bis ins Jahr 1901 zurückreicht. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie von Ferdinand Fricke unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg eröffnet wurde, „in einem vornehmeren Viertel von Osnabrück“, wie es in einer Familienchronik heißt. Das Haus soll Fricke 1908 erworben haben. 

1959 wurde aus der "Gaststätte Fricke" die Gaststätte "Fricke Blöcks". Damals heiratete nämlich ein gewisser Fritz Fricke ein Fräulein Leni Blöcks. Im Laufe der Jahre folgten zahlreiche Betreiber- und Konzeptwechsel. (Weiterlesen: Osnabrücker Bioladen „Kathrinchen“ im Katharinenviertel schließt endgültig)


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