Wie das Problem gelöst werden soll Landärzte in der Region Osnabrück finden kaum Nachfolger

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Osnabrück. Der Landarztmangel in der Region Osnabrück verschärft sich. 20 Hausärzte wollen ihre Praxen in unserer Region laut Kassenärztlicher Vereinigung gerne an einen Nachfolger übergeben, finden aber keinen und führen sie daher vorerst selbst weiter. Wie der Osnabrücker Bezirkschef der Ärztekammer Landärzte in unsere Region locken will.

Dr. Gisbert Voigt, Vorsitzender der Bezirksstelle der Ärztekammer und Kinderarzt in Melle, geht als Vorbild voran. Denn er trägt mit seiner Familie selbst zur Lösung des Problems bei. „Ein Sohn und eine Schwiegertochter werden sich in Melle niederlassen“, berichtet er stolz.

Drei-Punkte-Programm

Beeindruckt hat dabei das Engagement der Stadt Melle. Die größte Stadt im Kreis weiß, dass sie sich besonders ins Zeug legen muss, denn mit sechs unbesetzten Hausarztsitzen ist der Landarztmangel in unserer Region nirgendwo größer. „Die Stadt hat innerhalb von einem halben Tag zwei Krippenplätze und einen Kindergartenplatz besorgt“, lobt Voigt. Die Ärztekammer habe sich ein Drei-Punkte-Programm gegen den Landarztmangel vorgenommen: Familienfreundlichkeit, Quereinstieg und Telemedizin.

Familienfreundlichkeit

Kommunales Engagement und familienfreundliche Rahmenbedingungen hält er für sehr bedeutend, um junge Mediziner, die etwa in Hannover oder in anderen Städten studiert haben, wieder in die Heimatregion zurückzuholen. „Wir müssen mit Studierenden aus der Region im Gespräch bleiben und gute Bedingungen für die Kinderbetreuung schaffen.“ Er spielt darauf an, dass nicht zwingend ein ganzer Hausarztsitz, sondern auch etwa ein halber besetzt werden kann, wenn Hausärzte nur in Teilzeit arbeiten möchten. Zudem könnten Sprechzeiten in Gemeinschaftspraxen miteinander abgestimmt werden. Insgesamt könne der Dienst als Hausarzt so in der Regel deutlich flexibler gestaltet werden als etwa der Dienst im Krankenhaus.

Verkürzter Quereinstieg

Zudem gebe es in Facharztbereichen auch ein Überangebot — dazu zählt er etwa Anästhesisten. Diese möchte Voigt für einen Quereinstieg in die Allgemeinmedizin motivieren. Normalerweise benötige ein Quereinstieg in die Allgemeinmedizin fünf Jahre – über Anerkennungen bisheriger Weiterbildungen könne diese Zeit auf drei oder vier Jahre verkürzt werden. Doch da die Resonanz wegen dieser Zeitspanne bislang gering sei, werde die Ärztekammer Niedersachsen voraussichtlich noch im November beschließen, den Quereinstieg zum Facharzt für Allgemeinmedizin auf zwei Jahre zu verkürzen. „Dadurch wird es künftig deutlich mehr Quereinsteiger geben, die Hausarzt werden wollen“, prognostiziert Voigt.

Telemedizin entlastet

Einen wichtigen Faktor zur Entlastung der Landärzte sieht Voigt in der Telemedizin. Deshalb hofft er, dass die Krankenkassen künftig die Kosten für das in unserer Region erprobte Telemedizin-Modell übernehmen und das Projekt so eine realistische Chance hat, auf ganz Niedersachsen ausgeweitet zu werden: „Die Vergütung der Telemedizin muss natürlich so gestaltet werden, dass sich das für die Praxis rechnet “, fordert Voigt.

Neues Telemedizin-Projekt ab 2019 in Region Osnabrück

Beim bisherigen Telemedizin-Modell ging es darum, dass speziell ausgebildete Arzthelferinnen die Hausbesuche vornehmen und der Arzt bei Bedarf per Videotelefonie zugeschaltet wird. Für 2019 wird noch ein neues Telemedizin-Modell geplant. Dabei sollen Altenheime die Möglichkeit bekommen, den Hausarzt per Videotelefonie anrufen zu können und akute Probleme vorzustellen. Viele lange Wege für Patientenbesuche könnten sich die Hausärzte dadurch sparen.


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