Digitaler Mittelstand Minister hält Datenschutz für Wissenstransfer-Bremse

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Bei der Digitalisierung des Mittelstands will Osnabrück eine nationale Vorreiterrolle spielen. Was das für den Hochschulstandort und die Wirtschaftsregion bedeutet, war Thema einer Podiumsdiskussion mit dem niedersächsischen Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU), zu der die Universitätsgesellschaft eingeladen hatte. Foto: Stefan BuchholzBei der Digitalisierung des Mittelstands will Osnabrück eine nationale Vorreiterrolle spielen. Was das für den Hochschulstandort und die Wirtschaftsregion bedeutet, war Thema einer Podiumsdiskussion mit dem niedersächsischen Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU), zu der die Universitätsgesellschaft eingeladen hatte. Foto: Stefan Buchholz

Osnabrück. Wie sieht es aus mit der Digitalisierung der Wirtschaft in der Region Osnabrück? Die Universitätsgesellschaft lud Praktiker zum Talk. Auch Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) redete mit.

Unter dem Motto "Digitaler Mittelstand: Osnabrück – Wo denn sonst?" schlugen zunächst die Forscher eine Bresche. Sie erklärten, dass es sich bei Osnabrück und Umgebung zwar um Deutschlands viertgrößte Mittelstandsregion handele, in Sachen Digitalisierung hier aber Nachholbedarf herrsche. "70 Prozent des Mittelstands wollen in Künstliche Intelligenz investieren, aber nur 20 Prozent fühlen sich bereit dazu", sagte Gordon Pipa vom Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück.

Hackathon-Teams helfen bei Digitalisierung

Helfen könnten hier Verfahren wie Hackathon. Das Kunstwort, zusammengesetzt aus Teilen eines englischen Begriffs für Programmieren (Hack) und dem Wort Marathon, beschreibt eine Praxis, bei der junge Wissenschaftler in maximal 72 Stunden mit Firmenteams Impulse, Lösungen und Visionen zum maschinellen Lernen herausarbeiten. "Das hilft den Unternehmen, Vertrauen in die eigene Expertise zu gewinnen", so Pipa.

Einem Hackathon haben sich etwa die Amazone-Werke Hasbergen gestellt. Entwickelt wurde ein Programm (Beratung zur Fruchtfolge für Landwirte), dass durch Bündelung vorhandener Daten die Kundenzufriedenheit steigern sollte. Die Beratung selbst erfolgt nun via Chat-Bot, einer Maschine mit natürlich klingender Stimme.

Attraktiv für Firmen ist ein Hackathon auch deshalb, weil er für wenig Geld (maximal 10.000 Euro) zu bekommen ist, sagte Amazones Datascience-Leiter, Florian Rahe, beim anschließenden Podiumstalk.

Ältere Generation verliert Erfahrungsmonopol

Was macht der Mensch in der digitalisierten Welt, deren Funktionsgesetze er nicht versteht, sondern zu vollziehen hat?, fragte Moderator Felix Osterheider. Eine Antwort darauf gab es nicht, immerhin: Erstmalig sei eine Schwierigkeit zu beobachten, dass nicht mehr die ältere Generation den größeren Erfahrungsschatz besitze, meinte Achim Stephan, Professor für die Philosophie der Kognition.

Noch einmal Wissenstransfer, nun aber negativ gewendet: Wie lässt sich verhindern, dass die in Osnabrück top ausgebildeten Digitalisierungsspezialisten die Region verlassen?, wollte Osterheider vom Wirtschaftsinformatiker Oliver Thomas wissen. "Wir deuten auf die Fakten hin und klären auf, dass man hier in der Region eine gute Karriere im Mittelstand machen kann."

Zentrum für digitale Innovation geplant

Spielt die Politik eine fördernde Rolle, wenn es um den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft geht?, wandte sich Osterheider an Björn Thümler, Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur. Der Christdemokrat outete: "Das größte Problem, das uns hindert, ist der Datenschutz. Der schützt nicht, sondern hebelt alles aus."

Thümler empfahl seine jüngsten Eindrücke einer Inforeise nach Estland. Dort sei man bei der Umsetzung digitaler Prozesse mutiger. "Probleme werden während des Prozesses gelöst."

Der Minister kündigte an, dass mit Beginn des kommenden Jahres das sogenannte Zentrum für digitale Innovation Niedersachsen an den Start gehe. "Das wird die Klammer der Digitalisierungsbemühungen aller Standorte im Land sein."


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