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Tod nach vier Stunden in Obhut Säugling in Osnabrück erschlagen – Vater ab heute vor Gericht

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Die Spurensicherung vor dem Haus des Paares. Archivfoto: Festim BeqiriDie Spurensicherung vor dem Haus des Paares. Archivfoto: Festim Beqiri 

Osnabrück. Nur wenigen Stunden nach der Entlassung von der Entbindungsstation aus einem Osnabrücker Krankenhaus soll ein damals 24-jähriger Vater seinen vier Tage alten Sohn erschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor. Ab heute muss er sich vor dem Landgericht Osnabrück verantworten.

Das Landgericht eröffnete das Verfahren gegen den 25-Jährigen, bestätigte Gerichtssprecherin Katrin Höcherl auf Anfrage unserer Redaktion. Prozessauftakt ist am Mittwoch, 7. November 2018. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor Anklage wegen Totschlags beim Schwurgericht erhoben. Sie wirft ihm vor, sein Baby mit Schlägen gegen den Kopf getötet zu haben. 

Hundeattacke erfunden

Anfangs hatten der Angeklagte und seine Lebensgefährtin eine Hundeattacke erfunden. Mediziner und Ermittler widerlegten diese Aussage, schnell geriet der Vater in Verdacht und sitzt seit dem 17. Mai 2018 in Untersuchungshaft.

Massive Gewalt gegen vier Tage altes Baby

Die Obduktion ergab: Der Säugling starb an Schlägen gegen den Kopf. Die Mutter des Kindes deckte die Lüge offenbar. Als sie am 15. Mai 2018, vier Tage nach der Geburt, im Schlafzimmer gewesen sein soll, habe der Angeklagte das Baby im Badezimmer gewaschen. Als der Junge nicht still hielt, soll der Vater ihm mehrfach mit der Hand mit äußerster Kraft beidseitig gegen den Kopf geschlagen haben. Billigend soll er dabei den Tod in Kauf genommen haben, so die Anklage.

Anschließend habe der Mann das Baby in ein Handtuch gewickelt, dabei soll es bereits leblos gewesen sein. Die Mutter, die hinzukam, habe angenommen, es schlafe. Eine blaue Stelle am Kopf komme vom Hund, der in dem Haus lebte und das Baby am Kopf getroffen habe, soll der Angeklagte die Verletzung zu erklären versucht haben.

Kind geschüttelt

Als die Mutter das Haus daraufhin verließ, soll der Junge kaum noch geatmet haben. Im Mund habe sich Blut befunden. Als der Vater es mit einem Finger entfernen wollte, soll er seinem Sohn dabei eine weitere stark blutende Wunde zugefügt haben. Als er das merkte, habe er das Baby geschüttelt, um es wieder zu Bewusstsein zu bringen.

Als die Mutter zurückkehrte, soll der Junge nicht mehr bei Bewusstsein gewesen sein und kaum noch Lebenszeichen von sich gegeben haben. Der Notarzt wurde gerufen, das Baby kam ins Krankenhaus. Dort starb es am 22. Mai 2018.

Auf dieser Wiese soll es zu dem Hundeangriff gekommen sein. Dieser stellte sich später als erfunden heraus. Archivfoto: Wilfried Hinrichs

Wiederholt Aussage geändert

Nach dem Auffliegen der Lüge um die Hundeattacke hatte der Mann angegeben, das Baby sei ihm beim Wickeln heruntergefallen. Danach wiederum habe er der Staatsanwaltschaft zufolge ausgesagt, mit dem Baby überfordert gewesen zu sein und mehrmals gegen dessen Kopf geschlagen zu haben. Danach sagte er, das Baby sei gestürzt, und er habe es reanimieren wollen.

Jugendamt hatte Kontakt zu Eltern

Das Baby wurde vier Tage alt und hatte sich nach der Entlassung der Familie von der Entbindungsstation aus einem Osnabrücker Krankenhaus nur vier Stunden in der Obhut der Eltern befunden. Es erlitt Hämatome am gesamten Körper, eine Schädelfraktur sowie eine Hirnblutung, die letztlich zum Tode führte. 

Das Jugendamt hatte schon zuvor einen Hinweis aus der Familie erhalten, dabei war es dem Amt zufolge aber nicht um Gewalt gegangen.

Am ersten Verhandlungstag wird die Anklageschrift verlesen. Der Angeklagte bekommt die Möglichkeit, sich dazu zu äußern.

Das Landgericht setzte acht Verhandlungstage bis in den Januar hinein an.


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