Tagesticket für Bus und Bahn Niedersachsen-Ticket: Bald freie Fahrt im Landkreis Osnabrück?

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Viele Zugfahrkarten des Niedersachsentarifs berechtigen ab 9. Dezember 2018 zur kostenfreien Nutzung von Bussen, Straßen- und U-Bahnen am Start- und Zielort. Foto: Fotolia/Heike JestramViele Zugfahrkarten des Niedersachsentarifs berechtigen ab 9. Dezember 2018 zur kostenfreien Nutzung von Bussen, Straßen- und U-Bahnen am Start- und Zielort. Foto: Fotolia/Heike Jestram

Osnabrück. Eine Fahrkarte für alles: Das bei Tagesreisen mit dem Zug beliebte Niedersachsen-Ticket wird ab 9. Dezember 2018 nahezu landesweit auch in Bussen, Stadt- und Straßenbahnen vor Ort anerkannt. Der Geltungsbereich vergrößert sich um 18 Landkreise – Osnabrück gehört nicht dazu. Das dürfte sich aber schon bald ändern.

Mit dem Niedersachsen-Ticket können Fahrgäste einen Tag lang alle Nahverkehrszüge in Niedersachsen, Bremen und Hamburg nutzen. In den größeren Verbundräumen und seit einigen Jahren auch im Stadtgebiet Osnabrück (einschließlich Belm) berechtigt es außerdem zur freien Fahrt mit Bussen, Stadt- und Straßenbahnen. Anders im Landkreis Osnabrück: Hier wird die Zugfahrkarte im örtlichen Nahverkehr bislang nicht anerkannt. Nach Recherchen unserer Redaktion zeichnet sich aber eine Lösung des Problems ab.

VOS-Partner stark an Kooperation interessiert

Wie die für das Niedersachsen-Ticket zuständige Niedersachsentarif GmbH (Nitag) auf Anfrage mitteilt, seien die Unternehmen der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) an einer Zusammenarbeit "sehr interessiert". Das zeige sich auch daran, dass ab dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 in den Bussen der VOS ein eingeschränktes Sortiment von relationsbezogenen Fahrscheinen des Niedersachsentarifs verkauft wird – also Bahntickets für Fahrten von A nach B. "Damit gehören Stadt und Landkreis Osnabrück zu den wenigen Verkehrsräumen in Niedersachsen, in denen Zugfahrkarten künftig schon direkt im Bus gekauft werden können", sagt Nitag-Sprecher Thilo Knoblich.

Niedersachsentarif und Niedersachsen-Ticket

Der Niedersachsentarif ist der gemeinsame Tarif für den Nahverkehr aller Eisenbahnunternehmen im niedersächsischen Schienenpersonennahverkehr (außerhalb der bestehenden Verbünde) sowie zwischen Niedersachsen, Bremen und Hamburg. Das Niedersachsen-Ticket und das "Niedersachsen-Ticket plus Groningen" sind Fahrkartenangebote des Niedersachsentarifs. 
Mit dem Niedersachsen-Ticket können bis zu fünf zahlende Fahrgäste einen Tag lang zum Festpreis mit sämtlichen Nahverkehrszügen in der zweiten Wagenklasse durch Niedersachsen, Bremen und Hamburg reisen. Der erste Fahrgast zahlt 23 Euro, bis zu vier weitere Mitfahrer jeweils 4 Euro. Zusätzlich können bis zu drei Kinder unentgeltlich mitfahren, wenn sie nicht älter als 14 Jahre sind. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 erhöht sich der Fahrpreis auf 24 Euro für eine Person und 5 Euro pro Mitfahrer.
Das Niedersachsen-Ticket ist montags bis freitags von 9 bis 3 Uhr des Folgetages gültig, samstags und sonntags sowie an niedersächsischen Feiertagen, Heiligabend und Silvester von 0 bis 3 Uhr des Folgetages. 


ÖPNV vor Ort kostenlos mitnutzen

Darüber hinaus würden Stadt und Landkreis Osnabrück von einer weiteren Neuerung profitieren. So ist es ab 9. Dezember hier wie in weiten Teilen des Landes einschließlich Bremen und Hamburg möglich, die Busse am Start- und Zielort mit dem Niedersachsentarif zu nutzen. Das bedeutet: Für Inhaber von Einzel-, Hin- und Rückfahrkarten sowie Gruppenfahrkarten des Niedersachsentarifs ist die Fahrt zum und vom Bahnhof automatisch und ohne Aufpreis inbegriffen. Die erweiterte Nutzungsmöglichkeit wird durch einen Zusatz auf der Fahrkarte deutlich gemacht. "Vergleichbar ist das mit dem Angebot +City von DB Fernverkehr, nur dass die Tarifintegration im Niedersachsentarif an allen Stationen und nicht nur in den großen Städten gelten wird", erklärt Knoblich.  

Damit nicht genug: Inhaber von Wochen- oder Monatskarten sowie von Abos des Niedersachsentarifs können sich beinahe landesweit – unter anderem im gesamten VOS-Gebiet – je nach Bedarf künftig eine Zeitkarte zur regelmäßigen Nutzung des Nahverkehrs am Start- und/oder Zielort zu einem deutlich ermäßigten Preis dazukaufen. Der Rabatt beträgt im Regelfall rund 50 Prozent auf den Preis der örtlichen Zeitkarte.

Region nur noch bis zum Frühjahr ein weißer Fleck

Für die angrenzenden Verkehrsräume in Nordrhein-Westfalen ist laut Nitag eine tarifliche Integration von Bahn und Bus mit der Zugfahrkarte zum 1. April 2019 geplant. Bis dahin müssen Fahrgäste im Landkreis Osnabrück wohl auch noch auf eine Anerkennung des Niedersachsen-Tickets in Bussen warten und separate Fahrscheine kaufen. Denn während die wegen ihrer Pauschalpreise (zurzeit 23 bis 35 Euro, demnächst 24 bis 40 Euro) besonders bei Alleinreisenden, Familien und kleinen Gruppen beliebte Bahn-Tageskarte in Kürze fast im gesamten Bundesland auch im örtlichen Nahverkehr gilt, ist der Landkreis Osnabrück "leider einer der wenigen, für den wir eine Anerkennung noch nicht zum 9. Dezember 2018 vereinbaren konnten", bedauert Knoblich.

Bei Bahnreisen nach NRW aufpassen

Grund dafür sei, dass bis zum Stichtag "nicht alle Sorgen und Bedenken der beteiligten Unternehmen, insbesondere zur finanziellen Auskömmlichkeit, ausgeräumt werden" konnten. Jedoch stehe die Nitag "in guten und vertrauensvollen Gesprächen" mit den einzelnen VOS-Partnern. "Wir sind optimistisch, dass wir zum nächstmöglichen Termin 1. April 2019 auch für den Landkreis Osnabrück zu einer guten Regelung kommen werden", sagt Knoblich. Dann könnte das Niedersachsen-Ticket auch hier endlich zu jener "Mobilitäts-Flatrate" werden, wie sie die Nitag angesichts der bevorstehenden Ausweitung des Anerkennungsbereichs um 18 Landkreise bereits für den fast kompletten übrigen Nordwesten anpreist.

Keine Änderungen beim Niedersachsen-Ticket sind dem Sprecher zufolge allerdings für den Bereich NRW geplant. Bahnreisende mit Zielen wie Münster und Bielefeld müssen also weiterhin gut aufpassen, um nicht unfreiwillig zu Schwarzfahrern zu werden: Denn Münster ist mit dem Niedersachsen-Ticket von Osnabrück aus nur mit Umstieg in Rheine erreichbar, Bielefeld und Halle überhaupt nicht.


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