Verlust 2013: knapp zehn Millionen Der FMO fliegt tiefer in die roten Zahlen

<em>Nicht gerade in die Luft</em> gehen die Geschäftszahlen beim Flughafen Münster-Osnabrück: Die 15 Gesellschafter müssen die Kapitalerhöhung für den FMO vorziehen. Foto: dpaNicht gerade in die Luft gehen die Geschäftszahlen beim Flughafen Münster-Osnabrück: Die 15 Gesellschafter müssen die Kapitalerhöhung für den FMO vorziehen. Foto: dpa

Osnabrück. Der Flughafen Münster/Osnabrück braucht frisches Geld: Die 15 Gesellschafter der FMO GmbH , zu denen die Stadt Osnabrück mit 17 Prozent und der Landkreis mit 3 Prozent zählen, werden die Ende vergangenen Jahres beschlossene Kapitalerhöhung um insgesamt 26,6 Millionen Euro vermutlich nicht wie zunächst vorgesehen in fünf Tranchen bis 2016 durchführen, sondern vorziehen. Der FMO hat schnelleren Kapitalbedarf, da ein Ende der jährlichen Verluste noch nicht abzusehen ist.

Für 2013 wird trotz Ryanair ein nochmaliger Anstieg des Defizits auf knapp zehn Millionen Euro erwartet, nachdem das Defizit im vergangenen Jahr 5,4 Millionen betragen hatte. Danach wird bis 2016 mit einer Verbesserung des Ergebnisses gerechnet. 2014 soll das Minus auf 8,3 Millionen sinken, sich im Jahr darauf bei der Marke 6,8 Millionen bewegen und 2016 noch 4,9 Millionen Euro betragen. Das sind die Zahlen, die dem Aufsichtsrat des Flughafens präsentiert wurden und sich auch in der Vorlage für den nicht-öffentlichem Sitzungsteil des Osnabrücker Rates am kommenden Dienstag finden, wo die Vorziehung der Kapitalerhöhung auf der Tagesordnung steht.

Die Stadt muss von ihrem ursprünglichen Anteil von 4,679 Millionen nach der geleisteten ersten Fünftel-Tranche von 935 910 Euro in den Jahren 2014 und 2015 jetzt jeweils 1,87 Millionen Euro an die Flughafen GmbH überweisen. Der Gesamtbetrag des Landkreises beträgt 1,5 Millionen Euro.

Die nochmalige Verschlechterung des zunächst mit mehr als sieben Millionen Euro veranschlagten Defizits für 2013 kommt nach den Halbjahreszahlen, bei denen der FMO mit einem Rückgang um 19 Prozent auf 362000 Passagiere den größten Fluggast-Verlust aller 22 deutschen Airports mit Auslandsverbindungen ausweist, nicht überraschend.FMO-Chef Gerd Stöwer hat zum Ryanair-Engagement im Vorfeld auch betont: „Das wird das Jahr nicht rausreißen, bietet aber für die Zukunft Perspektiven.“

Er ist weiter optimistisch, dass der Low-Cost-Carrier, der seit Juni ab Münster/Osnabrück die Strecken Malaga und Girona dreimal in der Woche bedient, die angebotenen Flugziele ab FMO ausweiten wird. Die Auslastung der Malaga-Maschinen soll sich dem Vernehmen nach im Durchschnitt bei über 90 Prozent bewegen und bei Girona etwas unter dieser Marke liegen.

Aufgrund des Erfolgs wird die Verbindung nach Malaga auch im Winterfahrplan zweimal angeboten, was zunächst nicht geplant war.“ FMO-Pressesprecher Andrés Heinemann hofft jetzt, spätestens im November eine Ausweitung des Ryanair-Engagements am Flughafen in Greven bekannt geben zu können: „Solange brauchen die Ryanair-Planer noch für ihre Entscheidungen.“

Für die FMO-Kritiker wird aber auch dies nichts an der schwierigen wirtschaftlichen Situation des Flughafens ändern, da mit dem irischen Billigflieger letztlich wenig zu verdienen sei. Sie befürchten, dass der FMO dauerhaft rote Zahlen schreiben wird und die Gesellschafter dann jährlich eine Verlustabdeckung vornehmen müssen. Während die Grünen seit Jahren auf die wachsenden finanziellen Risiken beim FMO hinweisen, haben sich, wie zu hören ist, jetzt Vertreter der SPD-Fraktionen aus Münster, Steinfurt und Osnabrück - den Städten, die größte FMO-Gesellschafter sind - für 2014 verabredet, einmal grundsätzlich die Perspektiven des Flughafens zu erörtern.

Die kritischen Fragen nehmen zu. Das zeigt auch, dass im Vorfeld des Kapitalerhöhungsbeschlusses Ende vergangenen Jahres, Osnabrücks damaliger Oberbürgermeister Boris Pistorius mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank Henning intensive Überzeugungsarbeit bei den Münsteraner Genossen leisten mussten, damit die Mehrheit für die zu beschließende Kapitalzuführung stand.

Die Liquidität des FMO sicher zu stellen, dürfte die Anteilskommunen weiter beschäftigen. Die maßgeblichen Geschäftsbanken in der Flughafengesellschaft haben signalisiert, den Flughafen mit Darlehn liquiditätsmäßig zu unterstützen“, heißt es in der Osnabrücker Ratsvorlage. Voraussetzung sei jedoch die Erwartungshaltung gewesen, dass die Gesellschafter zukünftig durch Kapitalzuführungen gewährleisten, dass die Darlehnslast der Flughafengesellschaft kontinuierlich reduziert werde und nicht wie zurzeit weiter anwachse. Allein knapp 20 Millionen Euro sind hier in den letzten Jahren in Planung und Grunderwerb für die Startbahnverlängerungspläne geflossen. Insgesamt rund 90 Millionen Euro Altschulden muss der FMO inzwischen finanzieren. Die Kapitalbelastungen sowie die geringe Eigenkapitalquote machen es schwer, in absehbarer Zeit wieder in die Gewinnzone zu fliegen.


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