Zeitloses und Zwischenmenschliches Proben für „märchenhafte“ Loriot-Abende im Piesberger Gesellschaftshaus

Eheprobleme glattgebügelt: Darsteller der Amateurtheatergruppe „Die Märchenhaften“ proben Szenen von Loriot im Piesberger Gesellschaftshaus. Foto: Swaantje HehmannEheprobleme glattgebügelt: Darsteller der Amateurtheatergruppe „Die Märchenhaften“ proben Szenen von Loriot im Piesberger Gesellschaftshaus. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. „Feierabend – und andere dramatische Geschichten“ von Loriot präsentiert die Osnabrücker Theatergruppe „Die Märchenhaften“ Ende November sowie im Januar im Piesberger Gesellschaftshaus.

Der Name "Die Märchenhaften" ist in diesem Fall nicht Programm: Die mehr als ein Dutzend verschiedenen Szenen, die das derzeit zehnköpfige Amateurtheater-Ensemble auf die Bühne bringen wird, sind alles andere als Märchen. Ganz im Gegenteil: Wohl jeder hat sich – oder andere – schon einmal in den Geschichten von Loriot wiedererkannt, dessen Werk wie kaum ein zweites der bürgerlichen bundesrepublikanischen Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Obwohl sich die Welt verändert hat, zeigten Vicco von Bülows Szenen auch heute noch, auf welche vielfältige Art und Weise man sich missverstehen kann, betonte Anja Mewes jetzt bei den Proben im großen Saal des Piesberger Gesellschaftshauses die allgemeingültige Zeitlosigkeit der Texte. Die dürften zwar von Rechts wegen nicht inhaltlich verändert und somit an die Jetztzeit angepasst werden, wohl aber gäbe es Freiräume bei der Inszenierung, verriert die langjährige Spielleiterin der seit 15 Jahren bestehenden „Märchenhaften“. 

Bunter Sketch-Reigen

So steht ein Bügeltisch im Mittelpunkt der Bühne, der immer wieder neu „verkleidet“ und an die unterschiedlichen Szenen angepasst wird. Andere Requisiten und auch Kostüme bringen die Darsteller zum Teil von zuhause mit. Auf einen aufwändigen Textilwechsel wird verzichtet. Auf der Grundfarbe Schwarz wird lediglich mit aussagekräftigen Accessoires gespielt. Vom Konzertbesuch mit komplizierter Platzwahl, der den Loriot'schen Sketch-Reigen publikumsnah eröffnen wird, über die Eheberatung inklusive Kussanleitung bis hin zum lyrischen Ausklang passend zur beginnenden Adventszeit, spannt die neue Produktion den Bogen. 

Immer noch aktuell

Einen stetigen, kurzweiligen Wechsel zwischen langen und kurzen, allseits bekannten und weniger bekannten Szenen versprach Mewes, die bei den Proben die Laienschauspieler des Öfteren dazu anhielt, „expressiver“ zu spielen – etwa bei der Illustration der zungenbrecherischen Anmoderation einer englischen Fernsehserie durch eine TV-Ansagerin (berühmt geworden durch Loriots langjährige Spielpartnerin Evelyn Hamann).

Auch die politischen Satiren des 2011 verstorbenen Humoristen – etwa in Form eines Abgeordneten-Interviews oder einer Bundestagsrede – finden Platz in der Inszenierung der "Märchenhaften". Die Namen hätten sich zwar geändert, aber die Art und Weise von Politikern, sich auszudrücken und in Stereotypen und Phrasen zu reden, spiegele auch der aktuelle Politikbetrieb wider, sagte Mewes. Man darf also auf einen Abend gespannt sein, der auf vergnügliche Art auch Zeitdiagnose ist – obwohl der Autor schon seit mehr als sieben Jahren nicht mehr unter uns ist.

Aufgeführt wird "Loriots – Feierabend und andere dramatische Geschichten“ am Freitag, 23., und Samstag, 24. November 2018 sowie am 11. Und 12. Januar 2019 im Piesberger Gesellschaftshaus und am Sonntag, 27. Januar 2019 im Emma-Theater. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Weitere Informationen auf die-maerchenhaften.de.


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