Bürgermeisterin im Plastikwahn Osnabrücker Schüler inszenieren Theaterstück zur Plastikproblematik

Gemeinsam gegen den Plastikmüll: Schüler der Ursulaschule aus den Jahrgangsstufen sieben und acht haben das Stück selbst geschrieben und beeindruckten damit jetzt mehr als 280 Zuschauer nachhaltig.Foto: Thomas OsterfeldGemeinsam gegen den Plastikmüll: Schüler der Ursulaschule aus den Jahrgangsstufen sieben und acht haben das Stück selbst geschrieben und beeindruckten damit jetzt mehr als 280 Zuschauer nachhaltig.Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Um ein Thema, das weltweit für Aufsehen sorgt, geht es in „Plasticbusters“, einem Theaterstück, das nun in der Aula der Osnabrücker Ursulaschule uraufgeführt wurde: Umweltverschmutzung, speziell durch Plastikmüll. 14 Klimabotschafter aus den Jahrgangsstufen sieben und acht haben das Stück selbst geschrieben und beeindruckten damit mehr als 280 Zuschauer nachhaltig. Unterstützt wurde das Projekt von Wolfgang Gerdes, im Hauptberuf Lehrer an der Geschwister-Scholl-Oberschule in Bad Laer.

Gesa Lilith Feldmann (12) spielt die selbstverliebte, plastikliebende Bürgermeisterin Violet Purpleplum, die um ihre Wiederwahl kämpft. Um das leidige Problem mit dem Plastikmüll zu lösen, will sie aus dem Material Statuen bauen lassen – natürlich Statuen ihrer selbst. Dabei hofft sie auf die Unterstützung der Plasticbusters (englisch für Plastikbekämpfer). Die Rechnung wäre auch fast aufgegangen, hätte es nicht Jean gegeben: Jakob Haferkamp (12) brilliert in seiner Rolle als Idealist, als Kämpfer, der sich gegen die Obrigkeit stellt. Er weist die Plasticbusters auf den Widerspruch zwischen ihrem Namen und Tun hin und überzeugt die Gruppe, sich für eine Welt ohne Plastik einzusetzen. Gemeinsam statt einsam, so das Leitmotiv, verweist man die Bürgermeisterin in ihre Schranken und gelangt zusammen zu der Erkenntnis, dass es nie zu spät ist die Welt zu verändern.


Problem der Gegenwart in Theaterstück aufgegriffen

Mit Foto-Einspielern von vermüllten Stränden und Meeren, Vögeln mit Plastikteilen im Schnabel, überquellenden Abfalltonnen und Fragen wie „Möchtest Du, dass in Zukunft mehr Müll als Fische im Meer sind? Muss erst das Mikroplastik bei uns im Körper wieder ankommen?“ regen die 14 Schauspieler das Publikum immer wieder zum Nachdenken an. „Uns geht es nicht darum zu sagen: du bist schlecht nur weil du Plastik verwendest. Vielmehr möchten wir animieren, Plastik zu reduzieren und den Konsum gering zu halten“, erklärt Haferkamp und Emily Sophie Glomb ergänzt, die Botschaft des Stückes sei das „Wir“-Konzept.

Tobias Romberg, seit 2011 Initiator und Leiter der AG in der über 40 Schüler aktiv sind, hatte im März die Idee zu dem Klimastück. Wolfgang Gerdes, Theaterpädagoge und Geschäftsführer des Fachverbandes Schultheater - Darstellendes Spiel in Niedersachsen und Lehrer an der Geschwister-Scholl-Oberschule in Bad Laer, sicherte ihm  Unterstützung zu. „Ich kenne Gerdes noch aus gemeinsamer Studienzeit, er bot sofort an, die Themen Plastik und Theater zusammenzubringen“, erzählt Romberg. Über mehrere Monate wurden die Grundlagen des Theaterspiels geprobt, ästhetische Mittel besprochen, Ideen entwickelt, Texte zusammengeschrieben und Performances überlegt. „Es war eine spannende Aufgabe und die Gruppenprozesse ließen eine Persönlichkeitsentwicklung erkennen“, betont Gerdes und kündigt an, dass er die Gruppe auch in Zukunft gerne in beratender Funktion unterstützen würde.



Plastik ist auch in uns

„Tobias Romberg als wirklicher `Plasticbuster` der Ursulaschule und der Stadt Osnabrück, die Schauspieler, Wolfgang Gerdes und Christian Koltermann haben uns mit viel Herzblut und Engagement das Thema nahegebracht und seit letzter Woche wissen wir, Plastik ist auch in uns“, so Schulleiterin Daniela Boßmeyer-Hoffmann nach der Uraufführung, zu der das Publikum stehend Beifall spendet.

„Bürgermeisterin Violet hat uns Politikern den Spiegel vorgehalten. Durch das Theaterstück kann jeder sein eigenes Handeln hinterfragen“, findet auch Bürgermeister Burghard Jasper und fügt hinzu: „Die Klimabotschafter haben bereits Impulse in der Ratsarbeit gesetzt“.

Osnabrück Strohhalm-frei

Laut Europäischer Kommission hinterlässt in Deutschland jeder Einwohner jährlich im Durchschnitt 37,4 Kilogramm Plastikmüll. Millionen Tonnen der Plastikflut landen jedes Jahr in den Ozeanen, schaden Tieren und der Natur.  Der Plastikmüll kommt als Mikropartikel in unsere Körper zurück; wie gesundheitsschädlich das ist, ist noch nicht geklärt. Plasticbuster Romberg und seine Klimabotschafter jagen derweil weiter nach Plastik und setzen sich ab dem 10. November für ein Strohhalm-freies Osnabrück ein.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN