Bärbel Rosensträter im Porträt Die mächtigste Frau des Landkreises Osnabrück

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Den „familiären Gedanken“ hält Bärbel Rosensträter auch im Job für wichtig. Daran erinnern sie ihre Kinder, die sie im Büro als bunte Wärmebildaufnahmen hinter sich hat.Foto: Michael GründelDen „familiären Gedanken“ hält Bärbel Rosensträter auch im Job für wichtig. Daran erinnern sie ihre Kinder, die sie im Büro als bunte Wärmebildaufnahmen hinter sich hat.Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Eine Erste Kreisrätin hat es beim Landkreis Osnabrück noch nicht gegeben – bis Bärbel Rosensträter kam. Seit diesem Monat ist sie die mächtigste Frau, die je in der Kreisverwaltung gearbeitet hat. Sie lebt vor, dass Karriere und Familie sich nicht ausschließen, und erläutert, warum „der familiäre Gedanke“ auch in ihrem Beruf wichtig ist. Ein Porträt.

Mit ihrer warmen Ausstrahlung und dem gewinnenden Lächeln wirkt die 48-Jährige so ganz anders als ihr Vorgänger Stefan Muhle, der nun Staatssekretär im niedersächsischen Wirtschaftsministerium ist. Statt einer Krawattensammlung prägen nun Familienfotos das Büro der Ersten Kreisrätin. Ihre Kinder lächeln sie nicht nur aus kleinen gerahmten Bildern auf ihrem Schreibtisch an, sondern auch von großen, bunten Wärmebildaufnahmen an den Wänden.

„Ich bin zweifache Mutter. Das ist mein erster Job“

Wenn sie über ihre beiden Kleinen spricht, die mittlerweile schon die sechste Klasse besuchen, schlägt sie die Hände übereinander, strahlt und sagt: „Ich bin zweifache Mutter. Das ist mein erster Job.“ Andere, besonders männliche Führungskräfte hätten wohl Angst, diese familiäre Seite so zu akzentuieren, weil sie ihnen im Geschäftsleben vielleicht als Schwäche oder falsche Prioritätensetzung ausgelegt werden könnte, doch Rosensträter ist da anders. Sie würde „auch jedem Mann empfehlen, diese familiäre Seite von sich öffentlich zu zeigen“.

Die Pflicht, sich abzustimmen

Denn die Werte, die in einer Familie gelebt werden, empfindet sie auch als hilfreich, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. „Insofern würde ich diesen familiären Gedanken gar nicht als weichen, sondern eher als cleveren Faktor bezeichnen“, erläutert sie. Eine Familie etwa habe „die Pflicht, sich abzustimmen“.

Landkreis stimmte sich mit den Bürgermeistern nicht ab

In diesen Tagen hat diese Aussage von einer hochrangigen Vertreterin des Landkreises eine besondere Qualität, denn der Landkreis hat sich mit den kreisangehörigen Gemeinden zuletzt eben nicht abgestimmt. Er wirkte nicht wie ein Partner, sondern eher wie ein Gegner. Bürgermeister hatten den Landkreis erst in der vergangenen Woche scharf kritisiert, weil er versuche, finanzielle Forderungen von Bürgermeistern der kreisangehörigen Kommunen im Keim zu ersticken. Dieser Eindruck erhärtete sich durch eine interne E-Mail, die unserer Redaktion zugespielt wurde und aus einer nicht öffentlichen Sitzung mit dem Landrat und den regierenden Kreistagsfraktionen berichtete. Darin hieß es, dass die Bürgermeister mit ihrer eigenen finanziellen Forderung hohen Druck auf den Landkreis ausüben würden und die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD sowie der Landrat ihnen daher mit einem gemeinsamen Pressebericht „vorgreifen“ müssten.

Es ging um die Kreisumlage, also das Geld, das der Landkreis von den 21 kreisangehörigen Städten, Gemeinden und Samtgemeinden verlangt, um den eigenen Finanzbedarf zu decken. Der Landkreis wollte durchsetzen, dass die Kreisumlage nur um 1,5 Prozentpunkte gesenkt wird, was die Kommunen um sechs Millionen Euro entlasten würde, die Bürgermeister fordern eine doppelt so hohe Entlastung – auch weil der Kreis zuletzt 177 Millionen Euro an Kreisumlage eingenommen hat und damit 16 Millionen Euro mehr als noch 2016. Ein Bürgermeister sprach davon, dass der Kreis die Bürgermeister „kompromittiert“, auch andere kritisierten den Politikstil des Kreises und forderten endlich eine Bereitschaft zur Diskussion. Rosensträter war an dem Vorgang nicht beteiligt, denn zu dem Zeitpunkt, als die interne Absprache getroffen und die Pressemitteilung verschickt wurde, war sie als Erste Kreisrätin noch nicht im Amt.

Seit 31 Jahren beim Landkreis

Vielleicht liegt es auch daran, dass sie keiner Partei angehört und sich in den vergangenen 31 Jahren beim Landkreis nicht der Kommunalpolitik gewidmet, sondern ihren Job gemacht hat, dass sie so anders denkt und spricht. 1987 hatte sie ihre Ausbildung im mittleren Verwaltungsdienst in der Personalabteilung des Landkreises begonnen, nach dem Studium zur Verwaltungsfachwirtin stieg sie in den gehobenen Dienst auf, arbeitete in der Personalabteilung sowie später im Fachdienst Planen und Bauen, begleitete als Verwaltungsleiterin im Gesundheitsdienst die Fusion zum gemeinsamen Gesundheitsdienst von Stadt und Landkreis und war seit 2014 Leiterin des Fachdienstes Ordnung. Dabei fiel sie nach dem großen Flüchtlingszustrom 2015 auch als organisatorische Leiterin der „Taskforce Flüchtlinge“ des Landkreises auf und koordinierte zusammen mit den Kommunen die vielen strategischen und schnellen Entscheidungen, die in dieser Zeit gefällt werden mussten. Rückblickend ist sie stolz darauf, dass die Flüchtlinge zu mehr als 80 Prozent dezentral in Wohnungen untergebracht werden konnten. „Das ist ein sehr großer Vorteil für die Integration der Menschen im Landkreis.“

Als kommunale Familie denken

Durch die „sehr intensive, aber zeitgleich auch strategische und effektive Arbeitsweise“ habe sie „die kommunalen Partner“ sehr gut kennengelernt. Entsprechend wertschätzend sagt sie: „Wir sollten als kommunale Familie denken.“ Die Bürgerinteressen in Fragen der Aufgaben- und Finanzverteilung sollten daher im Mittelpunkt stehen. „Es gibt keinen Quadratzentimeter im Landkreis Osnabrück, der nicht auch ein Quadratzentimeter einer Kommune ist.“ Sie versichert, dass es zur Kreisumlage noch reichlich Möglichkeiten zum Gespräch mit den Bürgermeistern geben wird und dass sie künftig sehr an der kommunalen Familie interessiert sein wird. Es werde aber nicht nur um Finanzdiskussionen, sondern auch um entsprechende Aufgaben gehen, die entsprechend finanziert werden müssen. Die Frage sei, wer welche Aufgabe effektiv erledigen kann und dafür auch die entsprechenden finanziellen Mittel bekommen muss.

Die Kritik der Bürgermeister ärgert sie nicht, denn kritisch denkende Menschen sieht sie als Gewinn und sagt: „Nur 360-Grad-Entscheidungen, die von allen Seiten einmal beleuchtet sind, sind gute.“ Dann fügt sie hinzu: „Aber am Ende entscheiden natürlich der Landrat und der Kreistag.“

„Nun setze ich das eben selbst um“

Um den Job beworben hat sich die bodenständige Mellerin besonders aus einem Grund: In 31 Jahren Verwaltungsarbeit hätte sie sich gewünscht, dass verschiedene Sachen umgesetzt worden wären. „Nun habe ich die Chance ergriffen und setze das eben selbst um“, sagt sie und denkt dabei etwa an Mitarbeiterbeteiligung. Eine Verwaltung mit mehr als 1200 Mitarbeitern brauche auch nach innen ein gutes Personalkonzept und eine gute Personalentwicklung. Zudem sind ihr drei weitere Themen wichtig: Die Digitalisierung der Lebenswelten und die Gesundheit auf dem Lande zu gestalten und die Finanzkraft der kommunalen Familie sicherzustellen.


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