Neues Leben zwischen alten Gräbern Rosenplatzschüler pflanzen Blumen auf dem Johannisfriedhof

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Neues Leben zwischen alten Gräbern: Kinder pflanzen Blumen auf dem Johannisfriedhof.  Foto: Jörn MartensNeues Leben zwischen alten Gräbern: Kinder pflanzen Blumen auf dem Johannisfriedhof. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Seit einigen Jahren findet auf dem Johannisfriedhof und dem Hasefriedhof unter dem Titel „Neues Leben zwischen alten Gräbern“ ein vielseitiges Kulturprogramm statt. Beide Friedhöfe sind nicht mehr im Betrieb und werden als Parkanlagen genutzt. Der Besuch zeigt: Der Johannisfriedhof sorgt für ein einzigartiges Lernerlebnis – nicht nur für Kinder.

Freitagmorgen, Abteilung 5 auf dem Johannisfriedhof. Statt Stille herrscht hier ausgelassene Stimmung: Kinder der 1. und 3.Klasse der Rosenplatzschule wuseln zwischen Grabsteinen und Labyrinth hin und her. Gemeinsam mit weiteren Helfern greifen die Kinder zu Pflanzschaufeln, um den in der Erde ruhenden Frühblühern einige Blumenzwiebeln zur Seite zu stellen, die ihre Blütenpracht im Juni entfalten sollen. 

Bereits zum fünften Mal sind die Schüler eifrig bei der jährlich stattfindenden Pflanzaktion dabei. Als Eva Güse, Abteilungsleitung Friedhöfe und Bestattungswesen beim Osnabrücker Servicebetrieb, einen Aufruf in Kitas und Schulen startete, sagte Lehrerin Birgit Gerken sofort zu: „Es ist ein tolles Naturerlebnis. Wir sorgen im Sachunterricht oder in Deutsch für viele thematische Anknüpfungen“. Auch mit den vierten Klassen kämen sie jedes Jahr. Die Kinder, die sich auf das Steckenpferdrennen vorbereiten und somit mit dem 30-jährigen Krieg auseinandersetzen, besuchen die Gräber der Kriegsgefallenen. Das Labyrinth dient als Zeitstrahl, um Zeitspannen zu visualisieren. „Der Johannisfriedhof ist ein Park mit ganz besonderem Charakter,“ so Güse.

Für die Veranstaltungsreihe „Neues Leben zwischen alten Gräbern“ ist aus der Bürgerstiftung Osnabrück die „Treuhandstiftung historisches Bewahren denkmalgeschützter Friedhofskultur hervorgegangen. Helmtraud Willuhn, seit 2012 Mitglied bei der Bürgerstiftung, sei von Anfang an begeistert gewesen über das Projekt. Bei den Pflanzaktionen sei sie immer dabei, die Blumenzwiebeln habe sie gestiftet. „Es geht ums ‚Wir‘“, sagt sie. Die Pflanzaktion stelle ein ganzheitliches Erlebnis dar. 

Das Labyrinth, das aus alten Steinen des Friedhofs besteht, ist 2014 aus einem Wettbewerb der Hochschule hervorgegangen. Das Ziel: Ein Ort für Achtsamkeit, Ruhe, aber auch zum Trauern. Das Hospiz Osnabrück zeichnet sich für die Pflege verantwortlich und veranstaltet hier an jedem letzten Freitag des Monats einen offenen Trauertreff mit Kreativangeboten und Impulsen. „Es ist viel Idealismus dabei“, sagt Ursula Frühauf, Psychosoziale Leitung, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Jessica Schwarz die Runden leitet und einen Brückenschlag für die Schüler ermöglicht. Zum Abschluss der Pflanzaktion haben die beiden etwas vorbereitet, „damit die Kinder inhaltlich was mitnehmen“. Doch zunächst verteilen sie zur Stärkung der Nachwuchsgärtner warmen Tee und selbstgebackenen Kuchen.


Die Veranstaltungsreihe "Neues Leben zwischen alten Gräbern" wird als Gemeinschaftsprojekt realisiert: Bürgerstiftung Osnabrück, Treuhandstiftung historisches Bewahren denkmalgeschützter Friedhofskultur, BUND, FOKUS e.V., Bingo Umweltstiftung, egerland stiftung, Hochschule Osnabrück, Osnabrücker Servicebetrieb. Für Kinder wurde ein Spiel- und Lernheft veröffentlicht, das spielerische Annäherung an den Friedhof ermöglicht und zu einer Entdeckungsreise in Geschichte und Natur einlädt. Erhältlich unter Telefon 323-3300 beim Osnabrücker ServiceBetrieb.

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