Osnabrücker Friedensgespräch Krisenerprobte Diplomaten berichten über ihre Arbeit

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„Wie Frieden gelingen kann“ – zu dieser Frage diskutierten die Diplomaten Markus Potzel (links) und Wolfgang Petritsch (rechts) mit der Politikwissenschaftlerin Dana Landau. Als Moderator fungierte Ulrich Schneckener. Foto: Thomas Osterfeld„Wie Frieden gelingen kann“ – zu dieser Frage diskutierten die Diplomaten Markus Potzel (links) und Wolfgang Petritsch (rechts) mit der Politikwissenschaftlerin Dana Landau. Als Moderator fungierte Ulrich Schneckener. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Wie können Kriege beendet werden? Unter dieser Überschrift stand das Osnabrücker Friedensgespräch im Schloss am Donnerstagabend. Auf dem Podium saßen zwei Diplomaten, die unmittelbar an Friedensprozessen beteiligt waren. Dazu berichtete eine Politikwissenschaftlerin von Erkenntnissen der Friedensforschung.

Das Datum für die Diskussion war passend gewählt: 25. Oktober 2018, genau 370 Jahre nach der Verkündigung des Westfälischen Friedens in Osnabrück. Martina Blasberg-Kuhnke, Professorin und Vizepräsidentin der Universität Osnabrück, die die Teilnehmer begrüßte, kam direkt vom Steckenpferdritt der 1400 Osnabrücker Viertklässler ins Schloss. Das Jahr 1648 ist zwar lange her – aber die fünf Jahre, die damals in Osnabrück und Münster verhandelt wurde, sind auch heute noch normal. Frieden braucht eben Zeit.

Was für Lehren konnten aus der Balkankrise gezogen werden? Der Österreicher Wolfgang Petritsch war von 1999 bis 2002 Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, dabei als EU-Chefverhandler bei den Friedensverhandlungen von Rambouillet und Paris beteiligt, und von 2002 bis 2008 Botschafter der Vereinten Nationen in Genf. Der Friede, der jetzt auf dem Westbalkan herrscht, ist seiner Ansicht nach eher als „Ende des militärischen Konfliktes“ zu bezeichnen, es sei kein positiver Friede. „Nach einem Vierteljahrhundert ist die internationale Gemeinschaft immer noch dort vertreten.“ Ein Grund dafür sei, dass viele Politiker, die im Krieg aktiv waren, weiterhin an der Macht seien und die zivilen Kräfte nicht berücksichtigt worden seien. Sein Vorschlag: Eine Auszeit für alle damals am Krieg beteiligten Politiker von fünf Jahren. In dieser Zeit wäre ein Neuaufbau möglich.

Die Politikwissenschaftlerin Dana Landau nannte ein für sie wichtiges Stichwort: „Inklusion“. In der Friedensforschung ist damit die Einbeziehung von zivilgesellschaftlichen Akteuren bei Friedensverhandlungen gemeint. Ein Problem sieht sie darin, anderswo auf der Welt westliche Staatsmodelle etablieren zu wollen – dieser Ansatz sei "neokolonial".

Markus Potzel war von 2014 bis 2016 deutscher Botschafter in Afghanistan und anschließend bis 2017 Krisenbeauftragter im Auswärtigen Amt. Für Afghanistan werde seit 17 Jahren eine Exit-Strategie aus dem Krieg gesucht, sagte er. „Wir bleiben so lange, bis die dortigen Sicherheitsbehörden das Land selbst verteidigen können.“ Gegen die Taliban, aber auch gegen Korruption, Kriegsprofiteure, Drogenhandel, Warlords und aggressive Nachbarstaaten.

Professor Ulrich Schneckener von der Universität Osnabrück, der das Gespräch moderierte, nannte eine weitere Hürde bei Friedensverhandlungen: Die Frage, wie mit Tätern umgegangen werden soll. Er erinnerte an Artikel 2 des Westfälischen Friedensvertrages, der ein „immerwährendes Vergessen“ festlegte, und stellte die Frage in den Raum, ob eine solche Amnestie auch heute denkbar wäre, oder ob es eher um eine Aufarbeitung begangenen Unrechts geht.

Der Abend machte klar, wie komplex Friedensverhandlungen sind, ob im 17. Jahrhundert oder heute. Das Friedensgespräch fand im Rahmen einer internationalen Fachtagung statt, die von der Deutschen Stiftung Friedensforschung, dem Interdisziplinären Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit, dem Historischen Seminar – alles Osnabrücker Institutionen – und dem Zentrum für Historische Friedensforschung in Bonn ausgerichtet wurde.


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