Mit dem Lkw in den Feiertag Wie Osnabrücker Speditionen mit Fahrverboten umgehen

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Dicht an dicht stehen die Lkw auf den Autobahnrastplätzen, wenn sie das Sonn- und Feiertagsfahrverbot ausbremst. Foto: dpaDicht an dicht stehen die Lkw auf den Autobahnrastplätzen, wenn sie das Sonn- und Feiertagsfahrverbot ausbremst. Foto: dpa

Osnabrück. Sie glauben, Transitstrecken hätten sich mit dem Fall der Mauer in Deutschland erledigt? Weit gefehlt. Die unterschiedlichen Feiertage in der Republik lassen sie aufleben. Auch der Reformationstag trägt zu dieser Wiedergeburt bei.

Zwar gibt es in Niedersachsen am 31. Oktober diesen Jahres noch kein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen. Für das kommende Jahr sieht Spediteur Siegfried Serrahn den Stillstand aller Lastwagenräder am Reformationstag aber auf sein Gewerbe zukommen. "Dann stapeln sich die Lkw wieder auf den Parkplätzen vor den Landesgrenzen", mutmaßt er. Neben den finanziellen Verlusten für die Spediteure ärgert sich Serrahn aber vor allem über die Belastungen, die durch den Feiertag auf die Fahrer zukommen. "Die stehen dann auf irgendeinem Parkplatz, obwohl sie schon längst bei ihren Familien sein könnten."

Wie das Fahrverbot in Niedersachsen, so es denn kommt, ab dem nächsten Jahr geregelt ist, kann heute noch nicht gesagt werden. Ausnahmeregelungen sind in benachbarten Bundesländern bereits die Regel zum Beispiel in den Ländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Hier dürfen am Reformationstag eine Vielzahl von Strecken befahren werden, um die Erreichbarkeit der Bundeshauptstadt Berlin, in der der Reformationstag kein Feiertag ist, zu gewährleisten. Berlin, umgeben von Bundesländern mit einem arbeitsfreien Reformationstag, wäre ansonsten vom Rest des Landes abgeschnitten – wie zu DDR-Zeiten. 

Und weil in Deutschland nichts ungeregelt bleibt, haben sich kluge Köpfe in den zuständigen Ministerien zu den Ausnahmen auch gleich noch ein paar Regeln einfallen lassen. Schließlich will ja alles schön bedacht sein.  Zum Beispiel der ja auch tatsächlich nicht ganz von der Hand zu weisende Fall einer Panne. Generell gilt laut Berliner Senatsverwaltung, dass die Strecken nicht verlassen werden dürfen. Kennen wir, durfte man ja zu DDR-Zeiten auch nicht. Hat aber ein Lkw eine Panne, sagt der Senat dem Fahrer genau, was er tun darf: "Das Fahrzeug darf die Autobahn verlassen, wenn es gemäß §15a StVO abgeschleppt werden muss." Aber Vorsicht: "Es ist dann an der nächstgelegenen hierfür geeigneten Stelle abzustellen." Verlassen werden darf die Transitstrecke übrigens auch im Falle einer "unfall- oder baustellenbedingten Vollsperrung der Autobahn". Dass der Fahrer dann der "ausgewiesenen Umleitung zu folgen" hat, versteht sich von selbst. Und wenn es keine gibt? Dann ist die "kürzeste Strecke zur nächsten Autobahnauffahrt zu benutzen". Übrigens: Diese Regelungen gelten für nicht weniger als 23 Autobahnen.

Und dann ist da ja noch Fronleichnam im Frühjahr und Allerheiligen, ein Feiertag der am 1. November direkt auf den Reformationstag folgt. Der den Osnabrückern als Westfalentag gut bekannte Allerheiligen-Feiertag lässt die Ordnungsbehörden auf Geheiß des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Verkehr, Energie und Landesplanung mal beide Augen zudrücken. Wie auch an Fronleichnam gilt, das "an diesen Tagen aus Opportunitätsgründen auf die Ahndung von Verstößen gegen das Sonn- und Feiertagsfahrverbot verzichtet" wird. Wer nun glaubt, hier einen Persilschein für alle möglichen Fahrten in der Hand zu halten, der irrt. Die Opportunitätsgründe gelten nämlich nur für Lkw, "die auf dem kürzesten Weg zwischen zwei niedersächsischen Landesteilen durch Nordrhein-Westfalen fahren". Konkret geht es um die A2 zwischen Landesgrenze Niedersachsen und Autobahnkreuz Bad Oeynhausen, die B61 und die A30. Diese Strecken dürfen als "Transitstrecken" benutzt werden.

All dies sind Fakten, die die Disponenten in ihre Tourenpläne einbeziehen müssen. Gleichzeitig zwingt das Kenproblem, nämlich die nicht vorhandene bundesweite Einheitlichkeit einiger Feiertage, die Spediteure dazu, ihren Kunden zu erklären, warum denn ihre Waren nicht geliefert werden können. Denn was nutzt die freie Fahrt in NRW am Reformationstag, wenn in Niedersachsen kein Disponent arbeitet.

Auch für den Logistiker Koch International sind die kommenden Feiertage problembehaftet. Heinrich Koch, Geschäftsführender Gesellschafter, sagt: „Unsere Kunden sehen die beiden aufeinanderfolgenden Feiertage in Niedersachsen und NRW kritisch, da ein Transport der Waren an zwei Tage aufeinanderfolgenden Tagen nicht beziehungsweise nur eingeschränkt möglich ist. Das führt zu einer Unterversorgung in Produktionsbetrieben, Handel und Gewerbe sowie zu einem deutlich erhöhten logistischen Arbeitsaufwand vor und nach den Feiertagen. Eine zusätzliche Verdichtung des Verkehrsaufkommens wird – insbesondere an den Landesgrenzen – spürbar sein.“ 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN