Sieger aus Bersenbrück, Bramsche und Melle Landkreis Osnabrück zeichnet Vorbilder der Inklusion aus

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Osnabrück. Ein inklusiver Schulsanitätsdienst in Bersenbrück, ein integrationsfreundlicher Arbeitgeber aus Bramsche und eine inklusive Discothek in Melle haben die ersten Plätze beim Inklusionspreis des Landkreises Osnabrück belegt.

Vor vier Jahren hatte der Landkreis Osnabrück erstmals einen Inklusionspreis ausgelobt, um gelungene Beispiele aus der Praxis bekannt zu machen und zur Nachahmung anzuregen. Seitdem hat sich viel getan in Sachen Inklusion, was sich auch an der großen Zahl an eingegangenen Bewerbungen ablesen lässt. Aber längst noch nicht genug. Mit der Preisverleihung sollen nach den Worten von Landrat Michael Lübbersmann die vielen eher im Verborgenen stattfindenden Projekte in die Öffentlichkeit gerückt werden. Lübbersmann zeichnete als Schirmherr des Inklusionspreises die Gewinner aus und bedankte sich bei allen Bewerbern für ihr Engagement: „Sie sind ein ganz tolles Vorbild für andere. Wenn jeder Mensch gleichberechtigt ist und akzeptiert wird, haben wir alle gewonnen, sagte Lübbersmann. Der Landrat wünschte sich, dass „der Funke von heute noch auf viele andere Arbeitgeber, Vereine, Verbände und auch Privatleute überspringt“. Zukünftig soll der Inklusionspreis alle drei Jahre verliehen werden.

Es war ein vergnüglicher und Mut machender Nachmittag im großen Sitzungssaal des Kreishauses am Schölerberg. Große Anteile an der positiven Aufbruchstimmung hatte die integrative Musik- und Theatergruppe „Querkopf“ des Vereins Universum aus Bramsche. Die Gewinner des ersten Inklusionspreises 2014 unterhielten jetzt mit dem selbst getexteten Rap-Song „Ich hab Respekt vor Dir! Du kannst nicht dies, Du kannst nicht das, aber was Du kannst, das macht Dir Spaß!“ Zu der kleinen Musik-Combo kamen bunt verkleidete Tänzer auf die Bühne, die mit ihren Outfits zeigten, was man auch als Gehandicapter leisten kann. Da war der Monteur mit dem Radmutternschlüssel, da traten der Bäcker mit der Rührschüssel, der Schwimmer mit Schwimmreifen und Taucherbrille, der Zauberer und die Steckenpferdreiterin auf. Die Fachdienstleiterin Soziales, Anja Fels, griff in ihrer Moderation das Thema „Respekt“ auf. Gegenseitiger Respekt stelle sich von selbst ein, wenn Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiteten oder Freizeit verlebten. Genau darum gehe es dem Landkreis, wenn er jetzt bemerkenswerte Projekte und Initiativen in den drei Kategorien „Arbeit“, „Bildung“ und „Freizeit“ auszeichnet. Pro Kategorie wurde ein Preisgeld in Höhe von 2700 Euro vergeben. Die ersten Plätze erhielten jeweils 1500, die zweiten 800 und die dritten 400 Euro.

Zur Kategorie „Arbeit“ erläuterte Fels, dass es hier um Positivbeispiele von Firmen gehe, die dem rauen Wind des ersten Arbeitsmarkts ausgesetzt seien und die dabei erfolgreich Menschen mit Behinderungen einsetzten. Dies gelinge dem ersten Preisträger, der „Renzenbrink Technik, Haus, Hof und Garten GmbH“, die in ihrem Team von elf Mitarbeitern drei schwerbehinderte Menschen beschäftigt, zwei „Rollis“ und einen Autisten. Firmenchefin Ulrike Renzenbrink schilderte, dass ihnen viele Einzeltätigkeiten gut von der Hand gingen, wie zum Beispiel Rechnungen buchen, das Lager verwalten oder die Telefonzentrale bedienen. Auch Kundenkontakte im Einzelhandel würden bravourös gemeistert. Renzenbrink: „Viele Kunden kommen zu mir und sagen, sie finden das richtig gut, wie wir das machen.“

Den ersten Preis in der Kategorie „Bildung“ erhielten das Gymnasium Bersenbrück und die Paul-Moor-Schule Bersenbrück. Ihr inklusiver Schulsanitätsdienst in Kooperation mit dem Malteser-Hilfsdienst Alfhausen koppelt bereits in den über 42 Stunden gehenden Ausbildungskursen behinderte und nicht behinderte Schüler zusammen. Die Zusammenarbeit im gemischten Team setze sich dann im Schulalltag fort, berichtete Monika Diekgers von der Paul-Moor-Schule, wenn etwa nach der Pause ein Junge mit einer Schürfwunde den Schülersani-Dienst anfordere. Lehrerin Sarah Wloka vom Gymnasium hat beobachtet, dass sich das inklusive Miteinander und die damit verbundene Normalität auch über die Schulbesuchszeit hinaus fortsetzen.

Den ersten Preis in der Kategorie „Freizeit“ erhielten die Berufsbildenden Schulen Melle, Abteilung Sozial- und Heilpädagogik, für ihre Inklusionsdisco. Mehr als 100 Tanzbegeisterte „zwischen 16 und 80“ mit und ohne Beeinträchtigung treffen in ihrer Freizeit in der Inklusionsdisco zusammen, um gemeinsam zu tanzen und zu feiern. „Von den normalen Diskotheken werden unsere Menschen oft abgewiesen, oder sie fühlen sich abgewiesen, es gibt da gegenseitige Berührungsängste“, sagte BBS-Lehrerin Elke-Petra Voss. Die BBS-Disko werde als vollwertiger Ersatz angenommen. „Wir haben einen DJ, der auferlegt, es gibt alkoholfreie Getränke, die ganz normal bezahlt werden müssen, und die Gäste können Musikwünsche anmelden“, schilderte Voss. Gewünscht werde alles querbeet, vom Wiener Walzer bis zu AC/DC. „Und wenn dann eine Walzer tanzt zu AC/DC, dann ist das auch in Ordnung“, so Voss. Jede Disko steht unter einem bestimmten Motto, dem sich die Gäste in ihrem Outfit anpassen. In der nächsten Woche, wie könnte es anders sein, ist alles auf „Halloween“ getrimmt.

Anja Fels betonte, dass der Landkreis auf Multiplikatoren angewiesen sei, damit die im Kreistag beschlossenen „Leitlinien Inklusion“ und der Leitsatz „Aktiv in allen Feldern des Lebens“ weitere Verbreitung finde. In dem Zusammenhang dankte sie den Kooperationspartnern des diesjährigen Inklusionspreises, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, dem Zoo Osnabrück und „LAUTER – Die Stiftung für Kinder, Jugendliche und Familien im Landkreis Osnabrück“. Vertreter der Kooperationspartner sowie von Verwaltung und Politik bildeten auch die Jury, die die Preisträger ausgewählt hatte. Zum Abschluss betätigte sich Zoopräsident Reinhard Sliwka als Glücksfee. Unter allen Bewerbern, die bis dahin leer ausgegangen waren, verloste er Freikarten für den Zoo.


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