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Kraft kollektiver Spontaneität Open Air mit der Morgenland All Star Band – Debüt auf dem Marktplatz

Internationaler Mix: Die Morgenland All Star Band probt für ihren heutigen Auftritt. Mit dabei: Frederik Köster, Dima Orsho, Ziya Gückan, Issam Rafea und Kinan Azmeh. Foto: Hermann PentermannInternationaler Mix: Die Morgenland All Star Band probt für ihren heutigen Auftritt. Mit dabei: Frederik Köster, Dima Orsho, Ziya Gückan, Issam Rafea und Kinan Azmeh. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Musiker aus aller Welt treffen aufeinander, inspirieren sich gegenseitig, werden Freunde, lernen voneinander und kreieren musikalische Darbietungen, die man so vorher noch nicht gehört hat – das ist die Idee, die Michael Dreyer, Leiter des Morgenland Festivals, antreibt. Mit der „Morgenland All Star Band“ bereichert er sein Konzept um eine weitere Variante. Das zwölfköpfige internationale Ensemble tritt heute Abend open air auf dem Marktplatz auf.

„Das Aufeinandertreffen der unterschiedlichsten Musiker hier in Osnabrück gibt mir neue Ideen und viel Kraft“, sagt Dima Orsho. Sie stammt aus Syrien, lebt in den USA und ist Mitglied der „Morgenland All Star Band“. Mit ihrer Sopran-Stimme, die sonst eher in Opernhäusern zu hören ist, wird sie das Konzert heute Abend maßgeblich mitprägen, da sie einen speziellen Gesangsstil pflegt: Sie verzichtet beim Singen auf Worte, kreiert sehr körperliche Lautmalerei. Zum zweiten Mal ist sie beim Festival zu Gast: Mit der Band Hewar war sie im vergangenen Jahr hier und hat damals auch schon als Gastsängerin mit dem Morgenland Chamber Orchester zusammengearbeitet. Der Festival-Schwerpunkt „Musik der Kurden“ in diesem Jahr beschert ihr neue Erfahrungen: „Mit kurdischen Musikern habe ich bisher noch nicht gearbeitet, aber es funktioniert fantastisch“, sagt Orsho. Besonders freut sie sich, dass ihr Kollege Issam Rafea nach Osnabrück kommen konnte. Der syrische Oud-Spieler lebt in Damaskus und hatte einige Probleme, ein Visum zu bekommen. „Eine langwierige und unangenehme Prozedur“, sagt Rafea, der aufgrund des Bürgerkriegs in seiner Heimat unter erschwerten Bedingungen lebt: „Allein der Weg zur Arbeit im High Institute Of Music im Zentrum von Damaskus ist eine gefährliche Angelegenheit, weil man immer mit Detonationen oder Maschinengewehrgarben rechnen muss“, sagt er. Außerdem leide er unter Angst um seine Familie. Das Schlimmste sei aber, dass die Situation so unberechenbar sei: „Alles ist konfus, keiner weiß, was passiert.“ Dima Orsho fügt hinzu: „Obwohl ich in den USA lebe, bedrückt mich der Krieg in Syrien immens, weil meine Familie und meine Freunde dort leben. Ich kann es einfach nicht fassen, dass Menschen sich gegenseitig so etwas antun“, sagt sie. Dabei hilft ihr die Musik, um Wut und Angst zu bewältigen.

Schon fast ein Stammgast des Festivals ist Komponist und Perkussionist Rony Barrak aus Beirut, der mit einer speziellen Komposition nach Osnabrück gereist ist: „Ich habe Anfang des Jahres in den USA gearbeitet, als ein Bekannter mir zwei Videos mit Musik von einem aserbaidschanischen Pianisten schickte. Großartig! Das war wie ein Blitz, der meine Inspiration beflügelte. Ich habe mich sofort hingesetzt und eine Komposition geschrieben. Als Michael Dreyer mich dann wegen des Morgenland-Videos in Beirut besuchte, wusste ich, dass dieses Stück, das ich ‚Bella Barrak‘ genannt habe, optimal zum Festival passt, weil es viele verschiedene Stilistiken vereint. Echte Fusion-Musik.“

Morgenland All Star Band Open Air, Marktplatz, 20 Uhr, Eintritt frei.


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