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Wegen "massiver Drohungen" "Elternschule": Diskussion im Cinema Arthouse abgesagt

Von Cornelia Achenbach, Michael Hengehold und Louisa Riepe

Der Film "Eltenschule" wird ohne den Psychologen in Osnabrück vorgeführt. Foto: Zorro Film GmbHDer Film "Eltenschule" wird ohne den Psychologen in Osnabrück vorgeführt. Foto: Zorro Film GmbH 

Osnabrück/Melle. Am Ende war der Druck zu groß: Der Filmverleih Zorro Film schickt keine Diskussionspartner mehr zu den Vorführung der umstrittenen Dokumentation "Elternschule". Grund seien massive Drohungen gegen die Personen gewesen. Die Filmvorführung an diesem Dienstagabend im Cinema Arthouse in Osnabrück findet – anders als zunächst angekündigt – deshalb ohne den Psychologen Dietmar Langer statt.

Eigentlich war geplant gewesen, dass Dietmar Langer und andere Protagonisten des Films die Vorführungen in ausgewählten Kinos deutschlandweit begleiten und danach für Diskussionen zur Verfügung stehen. Davon nimmt der Filmverleih Zorro Film nun Abstand. Der Grund: Eine Diskussion sei wegen "Bedrohungen und organisierten Störungen der Sondervorstellungen nicht mehr möglich" gewesen. "Um die Klinik, die ProtagonistInnen, und vor allem die PatientInnen zu schützen, haben wir uns gemeinsam dazu entschieden, ihre Anwesenheit als Diskussionspartner vor Ort ab sofort einzustellen", heißt es in der Mitteilung vom Dienstag.

Facebook-Seite vom Netz genommen

In der Dokumentation "Elternschule" wird gezeigt, wie verhaltensauffällige Kinder in einer Gelsenkirchener Klinik behandelt werden. Die Methoden sind umstritten – und sorgen für teils harsche Kritik. Im Fokus stand insbesondere die Härte der Erziehung, die von einigen Kommentatoren im Internet als Gewalt gegen Kinder, als Folter oder als Missachtung von Kinderrechten bezeichnet wurde. Die Facebookseite des Films wurde daraufhin bereits vom Netz genommen. 


"Die meisten Kritiker in den sozialen Medien scheinen den Film gar nicht gesehen zu haben, bevor sie über ihn urteilen", heißt es dazu in einem Statement des Filmverleihs, das unserer Redaktion vorliegt. Von den Gesprächen nach den Sondervorführungen in ausgewählten Kinos hatten die Macher sich demnach offenbar ein anderes Klima erhofft: Kritik werde "vor allem in fragender Form an uns herangetragen und zivilisiert von Angesicht zu Angesicht diskutiert".

Absage wegen Krankheit

Offenbar kam es anders: Auf der Internetseite des Cinema Arthouse in Osnabrück, wo der Film am Dienstag, den 23. Oktober, um 18.30 Uhr in einer Sondervorstellung gezeigt werden soll, heißt es seit Montag: "Der angekündigte Dipl. Psychologe Dietmar Langer wird aufgrund einer Erkrankung leider nicht anwesend sein."  Auf Nachfrage erklärte Geschäftsführer Hermann Thieken, die Erkrankung des Psychologen hänge nach seinen Informationen direkt mit der aufgeheizten Stimmung und den Drohungen zusammen.

Die Pressestelle der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen konnte diese Informationen am Dienstag weder bestätigen noch dementieren. "Ich kenne dazu keine Hintergründe", hieß es auf Nachfrage von einer Sprecherin. Hermann Thieken verteidigte den Film indes gegen die "Kampagne", die im Internet dagegen geführt werde. Anders, als von vielen Kritikern angenommen, gehe es in dem Film "nicht um allgemeine Erziehungsratschläge, sondern um die Therapie schwer verhaltensgestörter Kinder". 

Vorführung in Osnabrück und Melle wie geplant

Das Arthouse habe deshalb auch keinerlei Drohungen erhalten und rechne mit einer Filmvorführung ohne Störungen, sagte Thieken. "Wir gehen von einem vernünftigen Publikum aus." Insbesondere Sozialarbeiter, Lehrer und sonstige Fachleute hätten sich angekündigt. Wie geplant stattfinden soll nach Informationen unserer Redaktion auch die Aufführung in den Else-Lichtspielen Bruchmühlen am Mittwoch, den 24. Oktober, um 20 Uhr. Die Teilnahme von Dietmar Langer als Diskussionspartner war dort von Anfang an nicht geplant gewesen.


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