Der Sonntag hat ganze 25 Stunden 60 Minuten mehr: Was die Osnabrücker aus der Zeitumstellung machen

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In der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober werden in Deutschland die Uhren von der Sommer- auf die Winterzeit umgestellt. Foto: Sebastian Kahnert/dpaIn der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober werden in Deutschland die Uhren von der Sommer- auf die Winterzeit umgestellt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Osnabrück. Hätte der Tag doch mehr als nur 24 Stunden... Dieser stille Wunsch vieler beschäftigter Menschen wird am kommenden Wochenende wahr: Weil die Uhr von Sommer auf Winterzeit umgestellt wird, ist der Sonntag ganze 60 Minuten länger. Die Frage ist nur: Was machen wir mit der zusätzlichen Zeit?

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird die Zeit umgestellt: Alle Uhren werden um drei Uhr in der Früh auf zwei Uhr zurückgedreht. Das beschert dem Sonntag eine ganze Stunde mehr. Was passiert in Osnabrück in den zusätzlichen 60 Minuten?


1. Es wird geschlafen...

Die allermeisten Osnabrücker werden die Zeitumstellung in der Nacht von Samstag auf Sonntag wohl einfach verschlafen. Symbolfoto: Colourbox.de


Das offensichtlichste zuerst: Die allermeisten Osnabrücker werden die zusätzliche Stunde wohl für einen ausgiebigen Schlaf nutzen. 7,2 Stunden schlafen die Europäer im Durchschnitt. "Aber viele tragen in der Woche ein Schlafdefizit vor sich her und wollen es dann am Wochenende ausgleichen",  sagt der Osnabrücker Schlafmediziner Christoph Schenk. Bis zu einem gewissen Maße sei das auch durchaus möglich. Die zusätzliche Stunde Schlaf könnte also für mehr Regeneration sorgen. Doch Schenk gibt zu bedenken: "Der Schlafrhythmus wird vom Gehirn gesteuert und eine Umstellung dauert in der Regel drei bis vier Tage." Er empfiehlt deshalb, sich mental auf den längeren Schlaf vorzubereiten: "Man muss sich die Zeit wirklich gönnen." In der Winterzeit schlafen die Deutschen übrigens durchschnittlich eine halbe Stunde länger pro Tag.


2. ... gearbeitet...

Im Osnabrücker VW-Werk gibt es derzeit keinen Dreischichtbetrieb, wohl aber am Hauptsitz in Wolfsburg. Symbolfoto: Rainer Jensen/dpa

Längst nicht alle Osnabrücker können die Nacht von Samstag auf Sonntag verschlafen: Polizisten, Bäcker, Pflegekräfte und Ärzte, Taxifahrer, Schichtarbeiter in der Produktion und viele andere Berufsgruppen müssen arbeiten. Wie wirkt sich die zusätzliche Stunde auf sie aus? "Das wird in den Betrieben ganz pragmatisch gehandhabt", sagt Heike Klattenhoff. Sie ist die Geschäftsführerin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Bezirk Weser-Ems und kann beispielsweise für den Ablauf in Krankenhäusern und Altenheimen sprechen. "Dort wird daraufgeachtet, dass diejenigen, die bei der Zeitumstellung im Frühjahr gearbeitet haben, auch jetzt wieder arbeiten müssen." In der Metallindustrie wird "in der Regel durch die Zeitumstellung die Nachtschicht verlängert", sagt Stephan Soldanski, erster Bevollmächtigter der IG Metall Osnabrück . Die Tarifverträge in der Branche sehen demnach üblicherweise eine Vergütung für Überstunden vor.


3. ... und gefeiert.

Zwischen zwei und drei Uhr nachts sind die Diskotheken und Clubs in Osnabrück noch gut gefüllt. Foto: Sophia Kembowski/dpa


Die Nacht von Samstag auf Sonntag ist eine Stunde länger, "dann feiern wir auch eine Stunde länger", hieß es auf Anfrage unserer Redaktion aus dem Rosenhof. Dort soll am Wochenende die "Lotterparty" steigen. Ensemblemitgliedern des Theaters Osnabrück übernehmen die Diskothek vom großen Saal bis in die Katakomben, versprechen die Veranstalter. Einlass ist ab 22 Uhr, Schluss wie immer spätestens um 5 Uhr früh. Da wird wegen der Zeitumstellung keine Ausnahme gemacht. Einzige Voraussetzung sei,  "dass die Leute auch so lange feiern wollen". Dabei konsumieren sie übrigens im Schnitt etwa 10,7 Liter reinen Alkohol pro Jahr. Das entspricht etwa 200 Litern Bier, 90 Litern Wein oder 25 Litern Whisky. Wie viel davon die Osnabrücker am kommenden Wochenende im Rosenhof zu sich nehmen, bleibt ihr Geheimnis. 


4. Manche treiben Sport,...


Eine zusätzliche Stunde Zeit würden diese Jogger wohl für einen Lauf vor herbstlicher Kulisse nutzen. Foto: Christoph Schmidt/dpa


Zwischen zwei und drei Uhr nachts wird wohl niemand großartige Lust auf körperliche Betätigung haben. Allerdings könnte man die zusätzliche Stunde Zeit ja auch später am Tag für Sport nutzen. In 60 Minuten wäre beispielsweise eine Fahrradtour entlang des 17 Kilometer langen Haseuferweges von Pye im Nordwesten bis Lüstringen im Südeosten möglich. Geschätzter Energiebedarf: 350 bis 500 Kalorien, je nach Gewicht des Sportlers. Alternativ könnte man auch eine Joggingrunde einlegen, etwa vom Hegertor entlang des Botanischen Gartens bis zum Rubbenbruchsee und zurück. Rund 450 bis 700 Kalorien werden dabei verbrannt. Wer stattdessen lieber ein paar Bahnen im Moskau-, Schinkel- oder Nettebad ziehen möchte, wird dabei 300 bis 450 Kalorien los. 


5. ..., andere bespaßen ihre Babys.

Babys sind nach der Zeitumstellunf oft besonders quengelig. Symbolfoto: Carmen Jaspersen/dpa


Erwiesenermaßen haben selbst Erwachsene jedes Mal wieder Probleme mit der Zeitumstellung. Bis sich der Körper an den neuen Rhythmus gewöhnt hat, passieren beispielsweise mehr Unfälle im Straßenverkehr. Wie ergeht es da erst Babys und Kleinkindern, die für Änderungen im zeitlichen Ablauf besonders sensibel sind? Bei der Umstellung auf die Winterzeit gilt: Sie sind morgens früher wach und werden abends eher müde. Experten raten Eltern dazu, die Kinder Tag der Umstellung abends noch wach zu halten, damit sie morgens nach und nach länger schlafen können.


6. Die Stadt gibt ein Haufen Geld aus.


Die Stadt Osnabrück will im kommenden Jahr mehr Geld einnehmen, als sie ausgibt. Foto: dpa


Die Stadt Osnabrück will im nächsten Jahr eine Rekordsumme von 576.140.000 Euro ausgeben. So steht es in den Entwürfen für den Haushalt 2019. Das sind 65.769 Euro pro Stunde  – etwa so viel, wie ein erfahrener Lehrer an einem Gymnasium im ganzen Jahr verdient. Die Stadt gibt das Geld unter anderem für Personal, Nahverkehr, Schulsanierungen und Jugendhilfe aus – wobei die Kosten natürlich nicht wirklich stündlich anfallen, sondern verteilt über das Jahr. Gleichzeitig nimmt die Stadt aber auch 65.993 Euro pro Stunde ein. Insgesamt könnte am Ende des Jahres 2019 also sogar ein Einnahmenplus stehen, hofft Kämmerer Thomas Fillep.


7. Es wird Strom verbraucht...


Eine herkömmliche Glühlampe (l.) verbraucht mehr Strom als eine moderne Sparbirne. Foto: dpa


949,4 Gigawattstunden Strom haben die Stadtwerke Osnabrück im Jahr 2017 laut Geschäftsbericht abgegeben. Das entspricht 108 Megawattstunden alle 60 Minuten. Zum Vergleich: Ein Vier-Personen-Haushalt hat etwa einen jährlichen Stromverbrauch 4.000 von Kilowattstunden. Natürlich schwankt der Verbrauch über das Jahr: Im Winter, wenn Häuser und Wohnungen geheizt und beleuchtet werden müssen, steigt der Bedarf an. Auch dann, wenn die Zeit umgestellt wird, und der Tag eine Stunde länger ist? Nein, sagt Marco Hörmeyer, Sprecher der Stadtwerke Osnabrück. "Die Zeitumstellung fällt in eine Schwachlastphase." Mit anderen Worten: In der Zeit zwischen zwei und drei Uhr nachts ist der Stromverbrauch ohnehin sehr gering, weil die meisten Verbraucher schlafen. Die zusätzliche Stunde fällt deshalb beim Stromverbrauch kaum ins Gewicht.


8. ... und Müll produziert.

Kaufen, aufreißen, wegwerfen – nirgends fällt in der EU pro Kopf mehr Verpackungsmüll an, als in Deutschland. Foto: Stefan Sauer/dpa


Die Deutschen sind Europameister beim Thema Verpackungsmüll. Keiner der Nachbarn in der EU verbraucht mehr: 220,5 Kilo waren es im Jahr 2016 pro Kopf. Das bedeutet, dass auch jeder Osnabrücker durchschnittlich einmal pro Stunde eine Plastiktüte in den Müll wirft. Am Sonntag wären es wegen der zusätzlichen Stunde besonders viele, nämlich ganze 25 Stück, über den Tag verteilt. Bei der nächsten Zeitumstellung im März gleicht sich der Überschuss wieder aus. Wünschenswert wäre es allerdings, wenn es in Summe weniger Tüten wäre, sagt das Umweltbundesamt. "Wir müssen Müll vermeiden, möglichst schon in der Produktionsphase durch den Verzicht auf unnötige Verpackungen“, so Präsidentin Maria Krautzberger.


9. Und die Verbrecher schlafen auch nicht. 

Zehn Straftaten pro Stunde werden von der Polizeidirektion Osnabrück registriert. Foto: Arno Burgi/dpa


Zehn Straftaten werden durchschnittlich pro Stunde im Gebiet der Polizeidirektion Osnabrück registriert, das zeigt die Kriminalstatistik für den Bezirk von den Ostfriesischen Inseln bis zum Teutoburger Wald. Die Anzahl ist seit Jahren rückläufig, gleichzeitig steigt die Aufklärungsquote, vermelden die Beamten. Sind am Sonntag wegen der zusätzlichen Stunde mehr Straftaten zu erwarten? Nein, sagt Polizeisprecherin Anke Hamker, die Zeitumstellung habe auf die Polizeiarbeit keinen Einfluss. "Wir arbeiten an dem Tag so wie immer." Allein bei den Wildunfällen erwartet die Polizei in den Tagen eine Steigerung. "Die Rehe halten sich nicht an die Zeitumstellung", sagte Hamker, das gelte im Herbst wie im Frühjahr. 


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