Folge des Sommers 2018 Große Hitzeschäden an den Bäumen in Osnabrück

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Baum-Experte Thomas Maag vom Osnabrücker Servicebetrieb macht sich große Sorgen um die Osnabrücker Bäume. Hier begutachtet er einen jungen Baum an der Römereschstraße, der die Folgen des Hitzesommers voraussichtlich nicht überleben wird.  Foto: Jörn MartensBaum-Experte Thomas Maag vom Osnabrücker Servicebetrieb macht sich große Sorgen um die Osnabrücker Bäume. Hier begutachtet er einen jungen Baum an der Römereschstraße, der die Folgen des Hitzesommers voraussichtlich nicht überleben wird. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. In Osnabrück stehen junge Bäume vertrocknet am Straßenrand – eine Folge der Hitze und Trockenheit in diesem Sommer und Herbst.

„Den ganzen Sommer lang mussten wir die Jungbäume alle an den Tropf hängen“, sagt Thomas Maag, beim Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) zuständig für die Baumpflege. Junge Bäume, ein bis fünf Jahre alt, reichen mit ihren Wurzeln nur circa vierzig Zentimeter tief in den Boden. Aber dieser war während der außergewöhnlich langen Trockenheit, die bereits im Frühjahr begann und erst jetzt endete, monatelang völlig ausgetrocknet.

Monatelang waren die Gärtner des städtischen Grünservices deshalb auch vor allem mit dem Wässern von Jungbäumen beschäftigt. Die freiwilligen Feuerwehren leisteten tatkräftige Unterstützung und engagierte Bürger folgten dem Aufruf, den jeweiligen Baum vor ihrem Haus regelmäßig mit Wasser zu versorgen. Immerhin gelang es so, viele der jungen Stadtbäume vor dem Vertrocknen zu bewahren. Genaue Zahlen gibt es noch nicht, aber Thomas Maag, bei OSB verantwortlich für die Erhaltung des städtischen Grüns, geht davon aus, dass die Verluste bei den Jungbäumen im zweistelligen Bereich liegen.

Insgesamt stehen in Osnabrück 60.000 Bäume unter städtischer Obhut, 20.000 davon stehen an Straßen. „Die Straße ist bereits ein halbtrockener Standort für jeden Baum, weil die Niederschläge durch das Pflaster nur teilweise ankommen“, weiß Thomas Maag. Anders als bei den Jungbäumen werden bei den großen alten Bäumen, die als Schattenspender eine wichtige Rolle spielen, die Folgen der extremen Trockenheit 2018 erst in den kommenden Jahren sichtbar werden. Teile ihrer Baumkronen und dicke Äste werden absterben. Nach Maags Einschätzung muss davon ausgegangen werden, dass bis zu 80 Prozent der großen Stadtbäume gravierende Trockenheitsschäden haben. „Abgestorbene große Ästen bei Straßenbäumen werden ein Problem für die Verkehrssicherheit. Da entstehen dann wiederum erhöhte Kosten“, prognostiziert Maag.

Höhere Anfälligkeit für Schädlinge

Viele Bäume haben angesichts der Trockenheit auch vorzeitig ihr Laub abgeworfen. „Der Baum macht das, weil er den Rest durchbringen will“, erläutert der Experte. „Weniger grüne Blätter bedeuten aber auch, dass der Baum weniger Fotosynthese betreiben und in der Folge weniger Reservestoffe einlagern kann. Im Folgejahr wird er also weniger gut dastehen.“

Die Bäume seien zusätzlich anfälliger für Schädlinge und Krankheiten, sagt Maag. Das zu trockene und heiße Wetter habe Schädlinge angelockt, die bisher in der Stadt nicht oder nur vereinzelt vorkamen. Zum Beispiel den Eichenprozessionsspinner, ein unscheinbarer brauner Nachtfalter, der – wie sein Name sagt – Eichen bevorzugt. Seine Raupen können dort Kahlfraß verursachen. Zudem rufen sie bei Menschen unangenehme Hautreaktionen hervor. Auch Pilze, die in gemäßigten Sommern eher nicht auftreten, machen vielen Bäumen nach diesem Hitzesommer zu schaffen. Sie lösen zum Beispiel bei Platanen die Massaria-Krankheit aus. „Neue Schädlinge kommen hinzu, die alten werden aber nicht weniger, sondern bleiben uns erhalten. Die Problematik nimmt also insgesamt zu“ stellt Thomas Maag mit Sorge fest.

(Weiterlesen: Miniermotte und Pseudomonas – Osnabrücks Kastanienbäume sind gefährdet)

Der Rat der Stadt hat für das städtische Grün derweil ein neues Stadtbaumkonzept bewilligt. Demnach will man angesichts von Hitze und Trockenheit im Zusammenhang mit dem Klimawandel mehr und teilweise auch andere Bäume in der Stadt pflanzen. Bevorzugt werden sollen Arten, die Extremwetter – Hitze, Trockenheit, Sturm – relativ gut standhalten können. „Mit anderen Baumarten können wir die Folgen des Klimawandels aber nur abmildern, nicht ausgleichen“, stellt Thomas Maag klar und betont: „Die Städte müssen sich überlegen, wie sie mit Extrem-Wetterlagen umgehen, wie sie sich darauf einstellen. Die Stadt braucht größere Bäume als Schattenspender und für frische Luft, aber es wird gleichzeitig immer schwieriger, die Bäume groß zu ziehen.“ Die grünen Finger, also unbebaute Schneisen, die für die Zufuhr frischer Luft sorgen sollen, dürfen seiner Ansicht nach nicht durch Wohnbebauung zerstört werden. Im Gegenteil: „Man müsste die grünen Finger ausbauen und bis in die Innenstadt führen.“

Dass viele Bürger den Sommer 2018 in guter Erinnerung behalten werden, kann der Baumexperte indessen nachvollziehen. "Persönlich hat mir der Sommer auch gut gefallen, weil ich Wärme und Sonne mag." Aber da gebe es eben noch eine andere, die fachliche Seite: "Die vielen Rekordwerte, die ständig aufs Neue gebrochen werden, sind mit Blick auf die Stadt und ihre Bäume beunruhigend."


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