Rund 4000 Nutzer in der Stadt Warum das Nachbarschaftsportal "nebenan.de" in Osnabrück nicht zündet

Von Markus Strothmann

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Laut den Machern der Nachbarschaftsplattform nebenan.de ist Osnabrück eine der aktivsten Städte in Niedersachsen, was die Nutzung des Netzwerkes angeht. Befragte Nutzerinnen aus Osnabrück finden: Es dürfte mehr gehen. Foto: Jörn MartensLaut den Machern der Nachbarschaftsplattform nebenan.de ist Osnabrück eine der aktivsten Städte in Niedersachsen, was die Nutzung des Netzwerkes angeht. Befragte Nutzerinnen aus Osnabrück finden: Es dürfte mehr gehen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Internetplattformen nutzen, um Nachbarschaft im echten Leben zu organisieren: Das ist für viele Nutzer interessant. Der vielleicht bekannteste kommerzielle Anbieter heißt nebenan.de. Doch in Osnabrück fasst er nicht so recht Fuß.

Was genau macht man auf nebenan.de? Einige Beispiele: zum Wohnzimmer-Konzert einladen, Flohmärkte organisieren, sich zum Doppelkopf verabreden oder einen Babysitter suchen. Klingt nützlich und gesellig. Um Platz auf dem Dachboden zu schaffen, eigne sich nebenan.de leidlich, aber die Kontaktaufnahme, die zu echten Begegnungen führt, gestalte sich schwierig, wie Osnabrücker Nutzerinnen berichten. 

Kerstin H. wohnt im Osnabrücker Stadtteil Wüste: "Ich hatte in meiner alten Wohnung eine super Nachbarschaft, man hat draußen immer jemanden getroffen, sich auch mal verabredet. Nach meinem Umzug, nur 800 Meter weiter, hatte ich das nicht mehr." Sie habe gehofft, mit nebenan.de Kontakte in der neuen Nachbarschaft zu finden. "Hat aber nicht geklappt." Nützlich findet sie die Plattform trotzdem, etwa um kleine Verkäufe abzuwickeln. Gefühlter Vorteil: "Es ist unaufdringlich. Es ist nicht so, dass man einen Tisch sucht und eine Minute später IKEA-Werbung kriegt."

Kein Durchbruch ohne Alleinstellungsmerkmal? 

Marion B. wohnt in der Gartlage und hat sich ebenfalls angemeldet, "um im Viertel Leute kennenzulernen. Aber ich hätte mehr erwartet." Wenn Nutzer Aufrufe starteten, sei die Resonanz nicht immer groß. Auch nebenan.de-Mitgründerin Ina Remmers sagt: "Wenn nur drei Leute mitmachen, bringt es nichts." Um die Sache ins Rollen zu bringen, hat das Unternehmen mehrfach Werbe-Aktionen gestartet. Dann fanden Nachbarn von Plattform-Nutzern Flyer in ihren Briefkästen: "Hallo liebe Nachbarn in Gartlage und Schinkel..." Die Plattform verzeichnet zwar laut eigener Aussage Wachstum. Aber wie Kerstin H. aus der Wüste sagt: "Wenn es kein besonderes Merkmal gibt, dann geht es nicht durch die Decke."

Die Firma mit Sitz in Berlin besteht seit etwa drei Jahren und hat laut eigenen Angaben bundesweit über eine Million Nutzer, in Osnabrück seien es rund 4000. "Nach Hannover und neben Braunschweig und Oldenburg ist Osnabrück mit die aktivste Stadt in Niedersachsen, wenn man sich die Zahlen ansieht", so Ina Remmers. Das Netzwerk funktioniere gut, finanziell lohne es sich bisher nicht. "Wir nehmen noch nichts ein, sondern geben nur fleißig aus." Bisher sorgten Investoren dafür, dass es für die Plattform weitergeht. "Wir könnten schneller Geld verdienen, wenn wir überall Werbebanner reinknallen und meistbietend verkaufen", sagt Ina Remmers. Sie befürchtet aber, dass aggressive Werbung Nutzer abschrecken könnte.

Facebook kann dasselbe - und mehr

Anscheinend verlieren aber auch so viele Nutzer schnell wieder das Interesse. Möglicherweise liegt es an der Konkurrenz, etwa durch die Riesenplattform Facebook. Wer dort angemeldet ist, überlegt es sich zweimal, ob er sich noch ein Netzwerk ans Bein bindet, nur weil man dort mutmaßlich weniger ausgeforscht wird. Facebook, Instagram, Whatsapp, Snapchat, Mails: Den meisten reicht schon weniger, um den täglichen Bedarf zu decken an digitaler Kommunikation. Zudem müssen neue Nutzer bei nebenan.de belegen, dass sie echte Personen sind: mit ihrem Personalausweis. Sicherlich abschreckend für viele, die mal unverbindlich reinschauen wollen.  

Wie Nachbarschaft im Netz auf Facebook funktionieren kann, zeigt eine Gruppe wie "Voxtrup" mit rund 1500 Mitgliedern, gegründet 2010 von Heiko Pohlmann. "Ich bin in Voxtrup aufgewachsen, die Gruppe habe ich gegründet, um zu erfahren, was los ist an Sachen, an denen man nicht direkt beteiligt ist." Heute posten Nutzer mit den verschiedensten Anliegen: Wohnungssuche, Satellitenschüssel auszurichten, Fragen zu Bauarbeiten. Die Gruppe ist sehr aktiv. Gewerbliche Beiträge löscht Admin Heiko Pohlmann konsequent. Bleibt die Frage, ob tatsächlich genügend Bedarf besteht für eine Plattform wie nebenan.de, um soviel Verkehr zu generieren, dass sie sich für die Macher rentiert.


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