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19.10.2018, 11:36 Uhr KOLUMNE

Das Unabhängige Filmfest und die Kraft der Grafik

Von Ralf Döring


Original und Transformation: Auf dem Programmheft leuchtet das Festivallogo des Unabhängigen Filmfests Osnabrück in Blau und richtig herum. Auf der Tasche erscheint es gespiegelt. Foto: Ralf DöringOriginal und Transformation: Auf dem Programmheft leuchtet das Festivallogo des Unabhängigen Filmfests Osnabrück in Blau und richtig herum. Auf der Tasche erscheint es gespiegelt. Foto: Ralf Döring

Osnabrück. Mitunter spielt das Kino mit der Wahrnehmung. Spielplatz muss aber die Leinwand bleiben, sagt das Unabhängige Filmfest Osnabrück.

Die Festivaltasche gehört zu einem Filmfest wie das Bier zum Thekentalk. Sie ist auch in Osnabrück das Argument für die Dauerkarte, und im Verein mit den Pendants aus Cannes, Venedig und Berlin belegt sie cineastische Weltläufigkeit. Der Taschenjahrgang 2018 wird allerdings lückenhaft bleiben: Ein launiger Festivaltaschendrucker hat das Festivallogo auf die Kraft des Grafischen reduziert um, wie ein gewiefter Kurator, mit überkommenen Sichtweisen zu brechen. Man kennt das Prinzip aus allen möglichen Kunstgenres und nicht zuletzt vom Film: Wer weiß, wie oft die Kollegen vom European Media Art Festival (EMAF) schon Null-Acht-Fünfzehn-Filmchen zum Experimentalwunder aufgepeppt haben, indem sie ihn einfach rückwärts abspielten? Der Druckerkollege hat offenbar in eine ähnliche Richtung gedacht und die Festivaltaschen spiegelverkehrt bedruckt – woraufhin die Festivalleitung sie zurückgezogen hat – zum Glück. Zwar sind die Taschen durch den Transformationsprozess zum Kunstobjekt geworden, dass lustig mit der Wahrnehmung spielt und sie ins Groteske verzerrt. Das Unabhängige Filmfest Osnabrück aber verdient einen klaren Blick. Wir sind ja nicht beim EMAF.


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