Pädagogen auf vier Pfoten Wie Therapiehunde in Kitas den Entdeckerdrang der Kinder wecken

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Sie sind zertifiziert für den Einsatz in Kindergärten (von links): Britta Sabbert mit Mo, Susanne Lopes Antunes mit Luna, Anke Fuchs, Pädagogische Leitung im Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte, und Carmen Müller mit Toula. Foto: Carolin HlawatschSie sind zertifiziert für den Einsatz in Kindergärten (von links): Britta Sabbert mit Mo, Susanne Lopes Antunes mit Luna, Anke Fuchs, Pädagogische Leitung im Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte, und Carmen Müller mit Toula. Foto: Carolin Hlawatsch

Georgsmarienhütte. Drei Kindertagesstätten des Evangelischen Kirchenkreises Melle-Georgsmarienhütte haben neue Mitarbeiter: Pädagogen auf vier Pfoten. Die Hunde durchliefen vor ihrem neuen „Job“ zusammen mit ihren Besitzerinnen, allesamt Pädagoginnen und Erzieherinnen, eine zertifizierte Ausbildung zum Therapie-Begleithund-Team.

Berner-Sennen-Hündin Luna (4) ist sensibel, geduldig und feinfühlig. „Sie hat eine gutes Gespür für emotionale Stimmungen“, berichtet ihre Halterin Susanne Lopes Antunes, Kinderpflegerin und Fachkraft für Kleinstkindpädagogik im evangelischen Martini-Kindergarten in Melle-Buer. Aufgrund ihrer ruhigen Ausstrahlung lieben es die Kinder mit Luna zu kuscheln und sogar die Kleinsten in der Krippengruppe entspannen, wenn die imposante Luna in ihrem Körbchen neben ihnen liegt. 

Kinder können das Fell bürsten

Auch Australian-Shepherd-Mix Mo (2) ist eine gemächliche Vertreterin ihrer Art, hört den Kindern im Christophorus Kindergarten Melle-Neuenkirchen gerne zu und lässt sich von ihnen ihr Fell bürsten. Anders Toula (3): Für die lebhafte Deutsch-Langhaar-Magyar-Vizsla-Hündin ist der Einsatz ihrer Schnüffelnase das Größte. So gelingt es der Jagdhündin in der Evangelischen Kita „Löwenzahn und Pusteblume“ in Bad Rothenfelde den Entdeckerdrang von Kindern zu wecken, die mit ihr zusammen auf Spurensuche gehen. Beim gemeinsamen Erleben von Abenteuern wird das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt.

Erst kommt der Eignungstest  

„Jeder Hund ist anders und wird seinen Anlagen und Wesenszügen entsprechend als Begleithund in unseren Einrichtungen eingesetzt um seine positive Wirkung auf die Menschen zu entfalten“, erklärt Anke Fuchs, Pädagogische Leitung im Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte. Doch längst nicht jeder Vierbeiner würde sich als Therapie- und Begleithund eignen. „Vor dem Start des zweijährigen Ausbildungsprogramms „Besuch auf vier Pfoten“ auf dem Hof Steffen in Bielefeld muss das Tier einen Eignungstest absolvieren“, berichtet Erzieherin Britta Sabbert, Halterin von Mo. Während des Tests prüfen unabhängige Tierärzte Gehorsam und Verhalten des Hundes. Der Besitzer darf den Hund dabei unterstützen. Die anschließende Ausbildung ist für Hunde ab 18 Monaten geeignet.

„Jeder Hund ist anders und wird seinen Anlagen und Wesenszügen entsprechend als Begleithund in unseren Einrichtungen eingesetzt um seine positive Wirkung auf die Menschen zu entfalten“Anke Fuchs, Pädagogische Leitung im Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte


Einmal den Eignungstest bestanden warten in der Ausbildung dann eine Bandbreite an Kursen wie zum Lernverhalten des Hundes, zur Hygiene oder zur Stressbewältigung im Mensch-Hund-Team. So lernten die drei Pädagoginnen den eigenen Hund bestens einzuschätzen, gewöhnten ihn an ungewöhnliche Gegenstände wie Rollatoren oder Gehhilfen, und an Kinder, die den Hund vielleicht auch mal ungeschickt anfassen. Nach der Abschlussprüfung seien die Tiere dann auf ihre Arbeit in Kitas, Behinderteneinrichtungen oder Altenheimen bestens vorbereitet.

Ganz andere Ausdrucksmöglichkeiten

Wie bereichernd sie in den Einrichtungen für die Menschen sind, erlebt nun auch Erzieherin Carmen Müller mit ihrer Toula: „Die tiergestützte Pädagogik gibt den Kindern in unserer integrativen Einrichtung ganz andere Ausdrucksmöglichkeiten. Der Hund löst dabei besondere Momente der Kommunikation aus“. Alle drei Pädagoginnen sind sich einig, dass ihre Hunde spüren, wenn ein Kind Angst vor ihnen hat und sich dann zurückhaltender verhalten. Kinder seien in ihrer Körpersprache sehr eindeutig. Deswegen könnten Hunde sie so gut „lesen“. Sehr wichtig sei es, den Hunden bei ihrer Arbeit Ruhephasen zu gönnen.

Stolz auf ihre Hunde und die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Begleithunde-Team sind (von links) Susanne Lopes Antunes, Anke Fuchs, Pädagogische Leitung im Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte, Britta Sabbert und Carmen Müller. Im Kirchenamt nahmen sie ihre Zertifikate entgegen. Foto: Carolin Hlawatsch


Britta Sabbert, Susanne Lopes Antunes und Carmen Müller konnten nun als erste Teilnehmerinnen des vom Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte finanzierten Ausbildungsangebots, ihre Zertifikate entgegen nehmen. „Wir sehen die ausgebildeten Hunde als wertvolles Qualitätsmerkmal für unsere Einrichtungen und freuen uns über das Interesse der Erzieher“, sagte Anke Fuchs. 

 Ausbildungsprogramm „Besuch auf vier Pfoten“

Im April 2019 werden vier weitere pädagogische Mitarbeiter aus Einrichtungen des Kirchenkreises mit der Ausbildung zum Therapie-Begleithund-Team auf Hof Steffen beginnen. Doch mit dem Durchlauf aller Kurse ist es nicht getan: Um ihre Einsatzberechtigung zu behalten, müssen alle Absolventen zukünftig einmal im Jahr eine praktische Einheit ablegen, sowie 16 Theoriestunden innerhalb von zwei Jahren. 

Das Ausbildungsprogramm "Besuch auf vier Pfoten" auf dem Hof Steffen wurde 2015 nach internationalen Standards zertifiziert. Der Hof ist gehört nun zu den sechs Einrichtungen bundesweit, die dieses Qualitätsmerkmal vorweisen können.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN