Sanierungsprogramm Soziale Stadt: Wann fließen die Millionen in den Schinkel?

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Nein, es sieht im Schinkel nicht überall so aus wie vor dieser Häuserzeile am Donnerstag in der Schinkelstraße. Doch triste Straßenbilder, wenig einladende Plätze und sanierungsfällige Häuser sind Probleme im Quartier, die die Stadt mit dem Förderprogramm angehen möchte. Foto: Wilfried HinrichsNein, es sieht im Schinkel nicht überall so aus wie vor dieser Häuserzeile am Donnerstag in der Schinkelstraße. Doch triste Straßenbilder, wenig einladende Plätze und sanierungsfällige Häuser sind Probleme im Quartier, die die Stadt mit dem Förderprogramm angehen möchte. Foto: Wilfried Hinrichs

Osnabrück. Wann und wie will Osnabrück die baulichen und sozialen Probleme im Stadtteil Schinkel angehen? Im August wurde das Quartier in das Förderprogramm Soziale Stadt aufgenommen. Doch was will die Stadt mit der ersten Million anfangen? Vieles ist noch vage, einiges aber schon konkret. Ein Überblick.

Um wieviel Geld geht es? 

Die Stadt rechnet damit, dass in den kommenden zehn Jahren 15 Millionen Euro in den Stadtteil fließen. Bewilligt hat das Land Niedersachsen bislang erst einmal 666.000 Euro. Hinzu kommt ein Eigenanteil der Stadt in Höhe von 333.000 Euro, sodass für den Anfang eine Million Euro zur Verfügung stehen. Beim Programm Soziale Stadt gilt eine Drittelfinanzierung, sprich: Stadt, Land und Bund tragen die Kosten zu gleichen Teilen.

Was soll das bringen?

Nicht nur das bulgarische Viertel mit seiner Parallelgesellschaft bereitet Probleme. Auch in anderen Arealen des Stadtteils sind die Wohnbedingungen schwierig und gibt es Orte, für die Städteplaner gern den Begriff „Angstraum“ verwenden: Die Bahnunterführung an der Buerschen Straße zum Beispiel hat in einer ausgiebigen Analyse ein Planungsbüro aus Bremen als solch einen Ort definiert, den viele lieber meiden, weil sie sich dort nicht sicher fühlen. Hübsche Ecken gibt es zwar im Schinkel, wer allerdings einen zentralen Platz mit Aufenthaltsqualität sucht, wird keinen finden. Stattdessen viele Mehrfamilienhäuser, die sichtlich sanierungsreif sind. 

Foto: Archiv/Jörn Martens

In keinem anderen Stadtteil ist der der Ausländer- und Migrantenanteil so hoch wie im Schinkel, und die verschiedenen Gruppen leben nebeneinander her anstatt miteinander. Armut ist ebenfalls ein Problem, fast jedes zweite Kind im Stadtteil lebt in Familien, die Hartz-IV beziehen. All das waren Gründe für die Stadt, sich für das Sanierungsprogramm zu bewerben.

Was genau wird mit dem Geld gemacht?

Das steht noch nicht endgültig fest. Es gibt eine lange Vorhabenliste, aber noch keine Prioritäten, erläutert auf Anfrage unserer Redaktion Franz Schürings, Leiter des Fachbereichs Städtebau. „Ein wichtiges Thema wird sein, die Wohnumfeldqualität zu erhöhen“, sagt Schürings. Dazu sollen die Verkehrs- und Grünflächen verschönert und die Gebäudesubstanz verbessert werden. Letzteres allerdings setzt voraus, dass die Hauseigentümer mitmachen. Der zweite Schwerpunkt: „Soziale Integration wird eine große Rolle spielen“, so der Fachbereichsleiter.

Als erstes soll jedoch der Bau eines Quartiersspielplatzes im Bereich Hasepark/Buersche Straße in Angriff genommen werden, und zwar aus dem einfachen Grund, dass die Stadt hierfür schon Pläne in der Schublade hat, da er auch im Spielplatzkonzept der Stadt von 2009 vorgesehen ist. Was so ein Spielplatz bringen kann, zeigt der Großspielplatz an der Lerchenstraße in der Dodesheide: Er hat sich in direkter Nachbarschaft des Gemeinschaftszentrums zu einem beliebten Quartierstreffpunkt entwickelt. Für den Spielplatz am Hasepark will die Stadt noch die Bürger beteiligen, so Schürings.

Wo fließt das Geld hin?

109 Hektar groß war das Gebiet, das die Stadt seit 2016 näher unter die Lupe nahm – grob der Bereich zwischen Mindener beziehungsweise Buerscher Straße und den Bahnschienen der Schinkelschleife sowie nördlich davon ein Bereich links und rechts der Schützenstraße. 


Auf 89 Hektar wurde das Gebiet für das Rennen um die Fördermittel eingedampft, nun sollen es aber doch mehr werden. Die tatsächlichen Grenzen des Sanierungsgebiets muss der Rat noch per Beschluss festlegen, „nach Möglichkeit noch in diesem Jahr“, sagt Fachbereichsleiter Franz Schürings. Die Verwaltung wolle dafür ein 94 Hektar großes Areal vorschlagen.

Gibt es einen Ansprechpartner vor Ort?

Noch nicht. Die Stadt suche derzeit nach geeigneten Räumen für ein Quartiers- oder Stadtteilbüro, ein Ladenlokal beispielsweise wäre geeignet, so Schürings. Dort wird dann der Quartiersmanager oder die -managerin ihren Arbeitsplatz haben. Die Stelle ist noch nicht besetzt. Zurzeit laufen alle Fäden im Fachbereich Städtebau zusammen.

Von Rosenplatz lernen

2001 bis 2016 hat war bereits das 69 Hektar große Rosenplatzquartier im Programm Soziale Stadt; neun Millionen Euro flossen hinein. „Es gibt starke Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Bebauung und der Bevölkerungsstruktur“, sagt Schürings. „Schinkel ist aber noch ein Stück weit größer und inhomogener.“ Bürger und Vereine konnten sich im Rosenplatz über Gremien und bei Runden Tischen einbringen, die Flüchtlingshilfe Rosenplatz etwa ging daraus hervor. Im Schinkel soll es ähnlich laufen.


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