Vom Punk zum Dandy Filmfest Laut: Die sehr musikalische Chilly-Gonzales-Biografie

Nach dem Wandel: Chilly Gonzales, der Schöpfer wunderbarer Klavierminiaturen. Foto: Rapid Eye Movies & Gentle ThreatNach dem Wandel: Chilly Gonzales, der Schöpfer wunderbarer Klavierminiaturen. Foto: Rapid Eye Movies & Gentle Threat

Osnabrück. Seit Julia Scheck das Unabhängige Filmfest Osnabrück leitet, ist das Festival musikalischer geworden. Auch dieses Jahr stellt sie in der Sektion „Filmfest laut“ ein paar Perlen vor.

Osnabrück Die Sektion „Filmfest laut“ war eine der ersten Innovationen, die Julia Scheck als Leiterin des Unabhängigen Filmfests eingeführt hat. Dank ihr haben wir erfahren, wie Rockmusiker aus Afghanistan sich in San Francisco mit Metallica treffen, oder wie Jack White die Creme de la Creme einlädt, in „The American Epic Sessions“ Songs in ein Aufnahmegerät der 1920er-Jahre einzuspielen und einzusingen – ein wunderbares Dokument . Weiterlesen: 2016 gibt es erstmals die Sektion „Filmfest laut“

Über der Freude an der Musik vergisst Scheck aber keineswegs den gesellschaftspolitischen Anspruch des Festivals – etwa mit einem Film über einen blinden Aborigine-Musiker vor („Gurrumul“, Freitag, 19.10., 20 Uhr, Filmtheater Hasetor). Und ein Kurzfilmprogramm gibt es auch, wie gemacht, um eine Partynacht einzuläuten („Kurz&Laut“, Samstag, 20. 10., 23.55 Uhr, Lagerhalle).

Der Start der „Laut“-Reihe kommt hingegen Der Start der „Laut“-Reihe kommt hingegen recht unpolitisch daher: Da fragt heute der französisch-schweizerische Autor Georges Gachot „Wo bist du, João Gilberto?“(Do, 18.10, 22 Uhr, Hasetorkino). Höchstselbst sucht Gachot in Rio de Janero den Erfinder der Bossa nova – ein schwieriges Unterfangen, da Gilberto keinen Kontakt zur Außenwelt pflegt. Und so spannend seine Weggefährten erzählen mögen: Der Film wirkt so bemüht wie Gachots Streben.

Umso erfrischender hat Philipp Jedicke das kanadischen Multitalent Chilly Gonzales porträtiert. Voller Drive und Energie erzählt „Shut Up and Play the Piano“, so der Titel, das Leben des Musikers, Entertainers und Exzentrikers nach. (Freitag, 19.10., 22.30 Uhr, Filmtheater Hasetor).

Der Film führt durch die Berliner Underground-Szene der 1990er-Jahre, die Gonzales das Umfeld lieferte, um sich als Gesamtkunstwerk zu inszenieren und Punk zur Kunstform zu erheben. Er rapt obszönes Zeug, rastet aus wie einst Klaus Kinski, verwandelt als „The Worst MC“ schwitzige Kellerclubs in Hotspots der Szene.

Dann kommt der radikale Schwenk. Der Rapper wird zum Dandy im Bademantel, der bezaubernde Klavierminiaturen im Geiste Eric Saties und des Jazz schreibt und spielt. Und so sitzt nun ein Gentleman mit Halstuch Sibylle Berg gegenüber, die präzise Fragen stellt. Und wo das Live-Material nicht ausreicht, hat Jedicke nachgedreht –mit dem besten aller denkbaren Hauptdarsteller, nämlich mit Chilly Gonzales selbst. Grandios. Weiterlesen: Chilly Gonzales trägt weiter Bademantel


Alle weiteren Infos unter www.filmfest-osnabrueck.de

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