Gute Erfahrungen aus Osnabrück Kassenärztliche Vereinigung will Telemedizin voranbringen

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Elektronische Visite: Der Osnabrücker Hausarzt Uwe Lankenfeld hat mit der Telemedizin gute Erfahrungen gemacht. Über eine App kann er sich zuschalten, wenn seine Mitarbeiterin Patienten zu Hause aufsucht. Foto: David EbenerElektronische Visite: Der Osnabrücker Hausarzt Uwe Lankenfeld hat mit der Telemedizin gute Erfahrungen gemacht. Über eine App kann er sich zuschalten, wenn seine Mitarbeiterin Patienten zu Hause aufsucht. Foto: David Ebener

Osnabrück. Die Kassenärztliche Vereinigung sieht gute Chancen, mit der Telemedizin Versorgungslücken auf dem Land und im Bereitschaftsdienst zu füllen. Allerdings nur, wenn es schnelles Internet gebe und ein Abrechnungsmodus mit den Krankenkassen gefunden sei.

Nachdem das telemedizinische Pilotprojekt in Stadt und Landkreis Osnabrück erfolgreich abgeschlossen wurde, will die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) die nächsten Schritte gehen. In einem Pressegespräch erklärte der KVN-Vorstandsvorsitzende Mark Barjenbruch, die Erfahrungen zeigten, dass die Telemedizin für Ärzte und Patienten viele Vorteile biete: „Ich habe nur Positives gehört“.

Zum Hausbesuch erscheint nicht der Arzt, sondern eine speziell geschulte medizinische Fachangestellte mit einem Telemedizin-Rucksack. Darin enthalten sind medizinische Geräte, mit denen die wichtigsten Daten von Herz und Kreislauf, Blutdruck und Gewicht ermittelt und per App an die Arztpraxis übermittelt werden können. So könnten zum Teil lange Fahrten eingespart werden, ohne dass die medizinische Versorgung leide, sagt Barjenbruch.

Kontakt über den Bildschirm

Der Osnabrücker Hausarzt Uwe Lankenfeld hat zwar nicht an dem Pilotprojekt teilgenommen, aber ebenfalls eine mit Tablet-PC und verschiedenen medizinischen Geräten ausgestattete Mitarbeiterin zu den Patienten geschickt. Bei Bedarf konnte sich der Doktor mit einer App wie beim Skypen auf den Bildschirm schalten und mit der Patientin reden. Der persönliche Kontakt komme bei dieser Arbeitsteilung nicht zu kurz, sagt der Mediziner. Und die ermittelten Werte würden anonymisiert in einem geschlossenen System übermittelt, ohne dass der Anbieter Patientendaten speichern könne.

Lankenfeld hat die neue Technik vor allem in Heimen genutzt. Er sieht aber auch gute Möglichkeiten, das System im Bereitschaftsdienst einzusetzen. In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Zahl der Patienten dort verdoppelt. Mit der Telemedizin bestehe die Möglichkeit, die Dringlichkeit einer weiteren ärztlichen Behandlung festzustellen und die Notaufnahme von leichteren Fällen zu entlasten.

Unterstützung bekommt er dabei vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung. „Wir wollen diese Form der Versorgung in Niedersachsen ausweiten“, kündigt Barjenbruch an. Deshalb werde mit den Krankenkassen über Abrechnungsmöglichkeiten verhandelt. Weil das Interesse von beiden Seiten bestehe, rechne er mit einer Vereinbarung in den nächsten Monaten.

Klug mit Daten umgehen

Die KVN rechnet damit, dass den ersten Schritten in der Telemedizin schon bald weitere folgen werden. Mit der Konsequenz, dass mehr und mehr Gesundheitsdaten gesammelt und verarbeitet werden – auch durch die Nutzung von zahlreichen Smartphone-Apps durch die Patienten. Alle anfallenden Daten müssten von der Ärzteschaft klug und verantwortungsvoll genutzt werden, gibt Barjenbruch zu verstehen. Sonst bestehe die Gefahr, dass die großen Internetplattformen mit den Gesundheitsdaten ein Geschäft machen wollten.

Vorerst stößt die Telemedizin jedoch an technische Grenzen. Gerade bei älteren Patienten gibt es oft kein WLAN, und auf dem Lande hapert es vielerorts an einer leistungsfähigen Mobilfunkverbindung.


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