Kämpferische Lieder Osnabrücker Gewerkschafts-Chor "Roter Akkord"

Von Markus Strothmann

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Unter den kapitalismuskritischen Augen eines Aufstellers von Karl Marx (mittig hinten an der Wand) probt wöchentlich der "Rote Akkord" unter Leitung von Tatjana Jachtchenko (am Klavier). Foto: Markus StrothmannUnter den kapitalismuskritischen Augen eines Aufstellers von Karl Marx (mittig hinten an der Wand) probt wöchentlich der "Rote Akkord" unter Leitung von Tatjana Jachtchenko (am Klavier). Foto: Markus Strothmann

Osnabrück. Im fidel beleuchteten Gewerkschaftshaus des DGB am August-Bebel-Platz probt an jedem Montagabend von 20 bis 22 Uhr der Gewerkschaftschor "Roter Akkord". Dieser verbindet die Freude am Singen mit gewerkschaftlichem Engagement.

Der Gewerkschaftschor "Roter Akkord" singt mit Vorliebe antifaschistische Lieder, Friedens- und Protestsongs bis hin zu Liedern aus der Frauen- und Arbeiterbewegung – kämpferischer und nachdenklicher als das, was die meisten anderen Chöre im Repertoire haben. Die schweren Themen verderben der Truppe aber keineswegs den Spaß am Singen, wie der Besuch bei einer Probe im Gewerkschaftshaus beweist.  

Chorleiterin Tatjana Jachtchenko lässt einsingen. "Und jetzt bitte das Lied mit dem menschlichen Streben", sagt sie. Da wissen alle schon Bescheid, was gemeint ist, nämlich "Das Lied von den Unzulänglichkeit menschlichen Strebens" aus der Dreigroschenoper. "Der Mensch lebt durch den Kopf, der Kopf reicht ihm nicht aus..." Ein paar Korrekturen, kurz und knackig, dann weiter mit dem nächsten Stück: "Grândola, braungebrannte Stadt", ein portugiesisches Arbeiter-Kampflied aus der Feder von José Afonso.

"Vorsicht mit der Streiktonne"

"Der Bass ist schwach besetzt heute", moniert Sänger Heinrich Bossmann. Das sieht Tatjana Jachtchenko ähnlich: "Die oberen Stimmen waren drauf, unten war Unsicherheit." Trotzdem weiter zum nächsten Stück, nicht zu lange aufhalten, lieber mit ein bisschen Tempo durchs Programm. Für "Somlandela" steht der Chor auf, begibt sich nach hinten und nimmt Aufstellung neben einem Papp-Marx, der an der Wand lehnt.

Denn "Somlandela" ist ein südafrikanisches Lied, zu dem eine kleine Choreografie gehört, und für die Tanzschritte braucht man Platz. Ganz wichtig ist es, dabei nicht das Inventar über den Haufen zu rennen. Darum auch der Hinweis eines Sangesbruders: "Vorsicht mit der Streiktonne." Recht so, denn wer weiß, für welche das Land spaltenden Tarif-Auseinandersetzungen das gute Stück in den kommenden Jahren noch benötigt wird.

Stadtteilfeste und Friedensveranstaltungen

Seit 1995 besteht der "Rote Akkord", 2015 feierte er seinen Zwanzigsten mit einem Konzert im Stadtgaleriecafé, Motto: "Brot und Rosen". Auch sonst tritt der Chor gerne auf, etwa bei Stadtteilfesten, antifaschistischen Veranstaltungen oder Friedensaktionen. Auf Demos singt er dagegen selten. "Man wird dort übertönt und ist kaum zu hören", so ein Sänger. Das leuchtet ein, gegen Sprechchöre und Trommelgruppen kommt ein kleiner Chor nicht an.

Die Zahl der Sängerinnen und Sänger schwanke, sagt Heinrich Bossmann, momentan ist die Besetzung 17 Nasen stark. Was für die meisten Hobbychöre hier und anderswo gelten dürfte, gilt auch für den Gewerkschaftschor: Neue Mitglieder sind immer willkommen. Notenkenntnisse sind nicht erforderlich, auch Gewerkschaftsmitglied muss man nicht sein, um mitzusingen. Eine Abneigung gegen Arbeiterlieder dagegen könnte die Teilnahme entscheidend erschweren. Heinrich Bossmann dazu: "Gesellschaftliches Engagement ist uns schon wichtig." 


Die Eckdaten

Name: Gewerkschaftschor "Roter Akkord"

Chorleiterin: Tatjana Jachtchenko

Mitgliederzahl: 17

Proben: jeden Montag um 20 Uhr im Gewerkschaftshaus des DGB am August-Bebel-Platz

Kontakt: Heinrich Bossmann Tel.: 0541/431209

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