Vorreiter für die Telemedizin Osnabrücker Pilotprojekt soll auf ganz Niedersachsen ausgeweitet werden

Vorbild für Niedersachsen: Das in Stadt und Landkreis erprobte Pilotprojekt zur Telemedizin soll auf das Bundesland ausgeweitet werden. Hier misst die speziell ausgebildete Arzthelferin Christine Landwehr (r.) bei einem Hausbesuch den Blutdruck einer Patientin und überträgt die Daten über einen Tablet-PC in die Praxis. In den ersten Monaten hakte die Technik noch, doch mittlerweile funktioniert sie laut Gesundheitsdienst reibungslos. Foto: Archiv/Gert WestdörpVorbild für Niedersachsen: Das in Stadt und Landkreis erprobte Pilotprojekt zur Telemedizin soll auf das Bundesland ausgeweitet werden. Hier misst die speziell ausgebildete Arzthelferin Christine Landwehr (r.) bei einem Hausbesuch den Blutdruck einer Patientin und überträgt die Daten über einen Tablet-PC in die Praxis. In den ersten Monaten hakte die Technik noch, doch mittlerweile funktioniert sie laut Gesundheitsdienst reibungslos. Foto: Archiv/Gert Westdörp

Osnabrück. Vor einem Jahr hatte der damalige Erste Kreisrat im Landkreis Osnabrück, Stefan Muhle, ein telemedizinisches Pilotprojekt in Stadt und Landkreis Osnabrück angestoßen. Als niedersächsischer Staatssekretär will er das Projekt, bei dem speziell ausgebildete Arzthelferinnen die Hausbesuche vornehmen, der Arzt aber per Videotelefonie zugeschaltet werden kann, auf ganz Niedersachsen ausweiten.

Muhle, der seit Januar Staatssekretär im Wirtschaftsministerium ist, zieht nach einer einjährigen Pilotphase bei vier Hausarztpraxen in Stadt und Landkreis ein positives Resümee: Die Region sei mit dem jetzt erprobten telemedizinischen Ansatz „ein digitaler Vorreiter in Niedersachsen. Es lohnt sich, die Erfahrungen für das ganze Land nutzbar zu machen.“ Die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkasse AOK hätten dem im Landkreis entwickelten Ansatz „weitreichende Zusagen“ und damit „die Chance zum Durchbruch“ gegeben. Das niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung werde diese Entwicklung nach Kräften unterstützen, teilt Muhle mit.

Wer bezahlt künftig die telemedizinische Ausrüstung?

Eine Nachfrage unserer Redaktion, ob die anfallenden Kosten für einen sogenannten „Telemedizin-Rucksack“ und die technische Übermittlung von bislang 450 Euro pro Monat somit künftig vom Land und den Krankenkassen übernommen werden, ließ Muhle unbeantwortet. In der einjährigen Pilotphase hatten sich Stadt und Landkreis die Kosten für den Einsatz des „Telemedizin-Rucksacks“, der über ein Tablet und Hilfsmittel wie ein EKG, ein Blutdruckmessgerät oder ein Blutzuckermessgerät verfügt, geteilt.

Ärzte fordern Kostenübernahme

Hausärztin Gabriele Schnepper und ihr Kollege Udo Groeneveld aus Melle hatten deutlich gemacht, dass sie nicht bereit sind, die zusätzlichen Kosten zu übernehmen. Es könne auch nicht sein, dass Krankenkassen es nicht honorierten, wenn Hausbesuche von Arzthelferinnen durchgeführt würden.

Verlängerter Arm des Arztes

Bei dem Modellversuch sind Arzthelferinnen, die zur sogenannten „telemedizinischen Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis“ weitergebildet wurden, der verlängerte Arm des Arztes, wenn es darum geht, chronisch kranken Patienten Hausbesuche abzustatten. Sie nehmen Blut ab, wechseln Verbände, messen Blutdruck und schreiben EKG, um Herzfrequenz und Herzrhythmus zu bestimmen. Die Daten werden digital in die Praxis geschickt, und der Arzt wertet diese dort aus. Der Arzt kann bei den Hausbesuchen über ein Tablet-PC auch per Videotelefonie zugeschaltet werden, um mit dem Patienten zu sprechen.

„Die Verhandlungen mit den Krankenkassen laufen noch“

Der Leiter des Gesundheitsdienstes für die Region Osnabrück, Dr. Gerhard Bojara, sagt, dass die Übermittlung von Daten in die Praxis nach Startproblemen nun reibungslos funktioniere, die Videotelefonie sei abhängig von der Internetverbindung vor Ort. Bojara kann noch nicht sagen, wie viele Ärzte nach der Testphase weitermachen: „Sicher ist, dass die Krankenkassen die telemedizinischen Hausbesuche irgendwie bezahlen müssen.“ Es sei noch fraglich, inwiefern die Krankenkassen die telemedizinischen Leistungen auch honorierten: „Die Verhandlungen dazu laufen noch“, betont Bojara. Es gebe leider noch keine Abrechnungsziffer für telemedizinische Hausbesuche.


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